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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nordisches Entfernungsempfinden

In manchen Punkten werde ich immer nordschwedischer. Ein solcher Punkt ist mein Entfernungsempfinden. Sieben Meilen (also siebzig Kilometer), um bei Freunden vorbeizuschauen, dass finde ich nicht wirklich weit. Zehn Minuten zu Fuß in Skellefteå hingegen, das ist schon richtig was.

Das ist gewiss ein wenig übertrieben, dennoch war es interessant, was passiert ist, als ich heute ein Meeting bei Skellefteå Kraft hatte: Der Hinweg hat zehn Minuten gedauert, aber der Rückweg über eine Stunde.

Als das Meeting zu Ende war, bin ich erst nebenan in die Bibliothek gegangen, um ein Buch und passendes Hörbuch auszuleihen. Das ganze ist für den Schwedischunterricht, den ich nehme, um meine Aussprache zu verbessern. Dann zurück über die E4, die mitten durch die Stadt führt und wieder in die Fußgängerzone. An der Kreuzung liegen nasse und einfrierende Schneehaufen. Viel ist ja nicht gefallen, aber wenn man beim Straßenräumen das bisschen zusammenschiebt, kommt auch was zusammen.

Hörbücher von Torgny LindgrenSchneehaufen an der Kreuzung

Die Fußgängerzone hingegen ist schneefrei und trocken, denn die hat ja Fußbodenheizung. Dann noch mal kurz in den Teeladen, grüner Tee ist alle. Also, wenn man schon mal in der Nähe ist … (Ich arbeite 500 Meter weiter!) Den kleinen Flohmarkt der Schwedischen Missionskirche lasse ich aus, in das Schaufenster des kleinen Sportlädchens schaue ich nur kurz. Aber bei der Bank schaue ich rein, denn dort bin ich auch versichert. Ich will für meine Winterreise das Gepäck gegen Diebstahl versichern lassen, denn mit Kameraausrüstung, Pulka, Daunenparka, Winterschlafsack und so kommt da ganz schön was zusammen. Aber – wie ich schon vermutete – muss ich bei der Versicherung direkt anrufen, das ist zu speziell.

Weiter in Richtung Büro. Aber kurz vorher noch bei ICA rein, ein paar Lebensmittel für den Abend kaufen. Danach bin ich dann aber tatsächlich wieder ohne weiteren Zwischenstopp ins Büro gegangen. Ein bisschen doof kam ich mir vor, denn das Stadtzentrum ist so klein, dass ich jederzeit Besorgungen machen könnte. Aber ich tue es nicht, denn nach der Arbeit will ich lieber nach Hause ins beschauliche Skelleftehamn, als noch in der Stadt Besorgungen zu machen.

Um fünf bringt mich der Bus nach Hause. Auch er überquert die E4 und fährt an Skellefteå Kraft und der Bibliothek vorbei. Überall liegen Schneereste und der kurze Blick auf den Skihügel zeigt diesen sogar ganz in weiß. Nur der äußerste Teil von Skelleftehamn ist komplett schneefrei, denn hier ist es ein Grad wärmer, weil das Meer noch offen ist.

Skellefteå Kraft und Bibliothek

7 Kommentare für „Nordisches Entfernungsempfinden“

Annika schreibt:

Ist ja ne richtige Großstadt auch schon :-)

Olaf Schneider schreibt:

Auf jeden Fall, fast 33000 Einwohner (2010)!

Olaf Schneider schreibt:

Ein Kommentar zur Meile:

Die alte schwedische „mil“ entsprach 10688,54 Meter. Die hat man dann 1889, als das metrische System eingeführt wurde, auf 10 Kilometer gerundet. Alle Hinweisschilder in Schweden zeigen die Distanzen in Kilometern, doch mündlich verwendet man praktisch nur Meilen als Entfernungsangabe. Auch der Benzinverbrauch wird per Meile, und nicht wie bei uns per 100 Kilometer angegeben.

(Quelle: schwedische Wikipedia: mil).

Ricarda schreibt:

Das mit den „Mil“ wird hier in Norwegen auch noch so gehandhabt, die meisten Norweger reden von Mil und nicht von Kilometern.
Wenn ich mich recht erinnern kann, dann müsste allerdings unsere norweg. Mil ein paar Meter länger sein als die schwedische Mil.

Olaf Schneider schreibt:

… das war sie zumindest mal, Ricarda, nämlich 11295 Meter.

snowdog schreibt:

In Nordschweden gegen Diebstahl versichern? Ja wird den dort bei Euch so viel geklaut? Ich kenne es ganz anders….

Olaf Schneider schreibt:

Nein, snowdog, ich glaube auch nicht, dass hier viel geklaut wird. Aber da es ohnehin keine Versicherung zu geben scheint, die auch Dinge gegen Diebstahl versichert, die über Nacht im Auto bleiben, hat sich die Sache vermutlich eh erledigt.

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