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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Zwei Gerüche

Von Steinpilzen, Pflaumen und einer Spinne als Nutznießer.

I – Das Steinpilzdesaster

Am Dienstag nachmittag traf ich meine Nachbarin I. Sie hatte einen großen Karton bei sich. Da der Karton offen war und ich sehr neugierig sein kann, lugte ich hinein. Er war voller Steinpilze! Sie war mit dem Naturschutzverein Pilze sammeln und hatte jede Menge „karl johan“, wie die Steinpilze in Schweden genannt werden, gesammelt. Als ich den Fang – äh Fund – bewunderte, bekam ich direkt drei Pilze geschenkt.

Ich liebe Steinpilze, aber nun hatte ich ein Problem. Denn am Abend hatte ich Chorprobe, am Folgeabend eine Einladung und am Folgefolgeabend Diskussionsklub. Und mittags esse ich in der Stadt. Was macht man da mit drei schönen Pilzen?

Bei Google gab ich steinpilze trocknen ein und erhielt jede Menge Treffer mit Rezepten, Bauanleitungen für Trockenöfen und Tipps, wie man Pilze trocknet. Daraufhin habe ich den Ofen auf 50 °C geheizt, zwei Pilze in dünne Scheiben geschnitten (der dritte war leider voller Maden) und zum Trocknen in den Ofen gestellt. Dabei habe ich die Klappe mit einem Stück Holz ein wenig offen gelassen, denn ich wollte ja trocknen, nicht schmoren. Also alles, so wie es im klugen Internet steht, nur dass ich keine Umluft habe …

Frische SteinpilzeSteinpilze zum Trocknen vorbereitet

Und das war vielleicht das Problem. Nach drei Stunden fühlten sich die Pilze erst trocken an, aber sie waren es nicht. Ihre Konsistenz war irgendwo zwischen Gummi und drei Wochen altem Gemüse. Da kam ich auf die Idee, sie in den Kühlschrank zu stellen in der Hoffnung, dass sie sich bis Freitag frisch halten.

Jedes Mal, wenn ich den Kühlschrank nun öffnete, ballte sich eine unsichtbare Faust und schlug mir *bang* kräftigsten Steinpilzgeruch in die Nase. Der Geruch wurde jedes Mal intensiver und mein dienstäglicher Appetit auf Steinpilzomelett oder Tagiatelle in Steinpilzsahnesoße ließ immer mehr nach. Zum Schluss war der Geruch, der mir aus dem Kühlschrank entgegenschlug dermaßen intensiv, dass ich ihn heimlich begann, Gestank zu nennen. Am Freitag warf ich dann die labbrigen Steinpilzscheiben weg. :-(

Was blieb, war der Gestank. Am Sonntag habe ich eine Schüssel mit Essig in den Kühlschrank gestellt. Seitdem riecht es nach Steinpilz und Essig. Man erzählt sich viele Horrorgeschichten über den Gestank von Surströmming – den in Nordschweden teilweise sehr beliebten vergorenen Hering – der wirklich extrem ist. Aber falsch konservierter Steinpilz ist auch nicht schlecht. Die einzigen, die eigentlich ein viel feineres Näschen haben als ich, aber sich völlig unbeeindruckt zeigten, waren die Fruchtfliegen.

II – Der Fliegenfänger von Hamn

Und von denen hatte ich eine ganze Menge. Ob sie mit Obst zu mir kamen oder aus der Blumenerde der kleinen Rosmarinpflanze wird wohl nie ergründet werden. Tatsache ist aber, dass ich jede Menge kleiner Fliegen in Wohnzimmer und Küche hatte und kaum ein Glas Orangensaft abstellen konnte, ohne dass zehn Sekunden später zwei Fliegen am und im Glas saßen.

Freiwillig teile ich Essen und Trinken nur mit guten Freunden. Kleine Fliegen gehören nicht dazu. Meine ersten Versuche, sie mit einer alten Banane wegzulocken funktionierten nicht so gut. Dann kam der Abend, an dem ich tatsächlich zu Hause Rotwein trank. Alkohol alleine trinke ich sonst nie, aber vom Diskussionsklub war noch Rotwein übrig geblieben – und nicht wenig – und den bekam dieses Mal ich.

Und die Fruchtfliegen. Denn als ich am nächsten Morgen einen Blick auf das leere Rotweinglas warf, war es voll mit Fliegen, die wohl in der Nacht eine rauschende Party gefeiert haben. Schnell die Hand drüber und mit dem Glas nach draußen und ich war schon einmal die ersten zwanzig Fliegen los.

Darauf füllte ich einen Winzschluck Wein in eine Glasflasche als Köder und fuhr zur Arbeit. Leider hat sich der Köder nicht bewährt, keine einzige Fruchtfliege flog ihn an. Vermutlich hatten noch alle vom Vorabend einen kräftigen Kater.

Tägliche PflaumenernteNach zwei Jahren Pause trägt mein Pflaumenbäumchen wieder Früchte. Und die letzten Tage ging ich abends raus und pflückte eine Handvoll. Die Kerne landeten auf einem Teller. Und dieser Pflaumengeruch scheint für die kleinen Fliegen wohl unwiderstehlich zu sein. Scharen umschwirrten den Teller mit den Kerngehäusen. Ein leichtes, da die Kerne in die Flasche zu schütten.

Von nun an hatte ich immer jede Menge der kleinen Fliegen in der Flasche und einmal auch einen fetten Brummer. Ich habe sie draußen freigelassen oder Thekla im Wintergarten zum Naschen gegeben. Seitdem ich sie vor zwei Wochen fotografiert habe, hat sie ganz gut an Gewicht zugelegt. Jetzt sind die Fütterungszeiten allerdings vorbei, denn heute habe ich in der Flasche keine einzige Fruchtfliege mehr gefunden.

Jetzt ist die Flasche wieder leer und das Pflaumenodeur Vergangenheit. Bloss der Gestank im Kühlschrank hält sich hartnäckig.

Zum Abschluss noch ein Bild von Thekla, die sich im Wintergarten wohl recht wohl fühlt:

Thekla, die Kreuzspinne im Wintergarten

13 Kommentare für „Zwei Gerüche“

Annika schreibt:

Beim Ende von Teil 1 habe ich Tränen gelacht :-D Erinnert mich an den guten Ephraim, den ich ja gerade lese. Aber auch Thekla und die Party der Fruchtfliegen lässt mich noch kichern. Danke :-)

Nenia schreibt:

Hey :)
Verfolge schon länger deine Beiträge :)

Hab von meiner Oma 2 Tipps vor einiger Zeit bekommen, die dir helfen könnten ;)
Gegen den Geruch im Kühlschrank eine Schale Milch reinstellen und wenn diese gegoren ist rausnehmen und was die Fruchtfliegen betrifft in ein Glas etwas Apfelschorle und ein kleinen Tropfen Spülmittel tun und hinstellen (wirkt Wunder).

LG aus Deutschland :)

Olaf Schneider schreibt:

@Annika: Ich finde es im Nachhinein auch sehr lustig, dennoch hatte ich wegen der Steinpilze schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen.

@Nenia: Danke für die Tipps. Das mit der Milch muss ich mal ausprobieren.

Ricarda schreibt:

Also Pilze trocknen machen wir auf die ganz einfache Art…..einfach die aufgeschnippelten Schwammerl tagelang auf dem Fensterbankerl liegen lassen…..oder auch draussen in der Sonne (aber versichere Dich erst, daß auch kein plötzlicher Regen kommt)

Und wegen der Fruchtfliegen – auch wir haben jedes Jahr wieder dieses Problem aufs Neue. Wir nehmen etwas Essig, dazu etwas Zitronensaft (damits im Raum nicht gar so sehr nach Essig riecht) und einen Spritzer Spülmittel……und die Fliegen bleiben alle schön in der Flüssigkeit „kleben“. Alle paar Tage dann erneuern, sonst sammeln sich zu viele Fliegenleichen an…. ;)

Also nun noch einen schönen Tag und Gruß an Thekla :)

Rabea schreibt:

Hallo,
das Problem mit den Fruchtfliegen hatte ich auch.
Hier der ultimative FruchtfliegenFalleTip:
Einfach ein paar Pflaumen, Bananenschale o.ä. in eine Schüssel legen und mit Klarsichtfolie verschließen. Dann ein paar kleine Löcher in die Folie pieksen, und siehe da, die Fliegen gehen rein und finden nicht mehr raus…
Vielleicht wirst Du sie so los.

Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
Rabea

Hannah Karlsson schreibt:

Kein schlechtes Gewissen wegen der Steinpilze haben, gibt immer wieder neue!!

Hannah Karlsson schreibt:

P.S.
Thekla ist sehr hübsch!

Sylvia schreibt:

Meine Oma hat die in dünnen Scheiben geschnittenen Pilze auf Butterbrotpapier verteilt, das Papier auf die Herdplatten gelegt, die Platten für ganz kurze Zeit erwärmt und die Pilze über Nacht darauf liegen lassen. Dann waren sie super trocken. Wie das allerdings mit Ceranfeldern geht, weiß ich nicht.

Olaf Schneider schreibt:

@Ricarda und Rabea: Danke für die Tipps. Wenn ich einmal keine abgenagten Pflaumenkerne zur Hand habe, komme ich auf sie zurück. Zur Zeit ist das Haus aber fruchtfliegenfrei.

@Hannah: Das stimmt. Ich habe es Thekla ausgerichtet und sie erbläute ein wenig, denn Kreuzspinnen haben blaues Blut.

@Silvia: Mein Herd hat Ceranfelder. Ich glaube, ich hätte die Dinger einfach 12 Stunden im Ofen lassen sollen. Nächstes Mal …

Annika schreibt:

Wirst Du sie reinholen, wenn es kälter wird? Und bekommt sie genug zu essen? Wie alt werden Kreuzspinnen eigentlich?

Olaf Schneider schreibt:

Ich glaube sie bekommt mehr als genug, denn durch kleine Ritzen finden immer wieder Fliegen Eingang in den Wintergarten und fliegen dann von Fenster zu Fenster. In einem der Fenster hat Thekla ihr Netz.

Wenn Thekla eine Gartenkreuzspinne ist, dann lebt sie anderthalb Jahre. Ich weiß allerdings nicht, wie alt sie schon ist.

Sandra schreibt:

Ich kicher immer noch, hihi.

Die Pilze entweder die ganze Nacht über im Ofen trocken oder ganz einfach auf einem großen Teller mit Butterbrot- oder Backpapier ein paar Tage/ Wochen rumliegen lassen mit regelmäßigem Wenden. Oder auf eine Schnur ziehen, luftig aufhängen und für ein paar Wochen vergessen.

Besorg Thekla doch mal einen Kerl und lad dann die Familie mit den hunderten Kindern ins Haus ein. Da wirst du deine Fruchtfliegen vielleicht auch los.

Olaf Schneider schreibt:

Sandra, vielleicht ist Thekla auch ein Kerl. Bei Menschen kann man das ja an der Frisur erkennen (oder?), bei Spinnen bin ich mir da nicht so sicher.