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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ein Samstag im frühlingshaften Stockholm

4:50 klingelte der Wecker am Freitag. Nicht der beste Anfang für einen Tag, aber ich musste den 6:30-Flieger nach Stockholm erwischen, wo ich zwei lange Meetings hatte.

Die sind auch gut gelaufen, dennoch hatte ich am Freitag Abend schon die Schnauze von Stadt ein bisschen voll. Ich war ohnehin platt und müde; nach einer nervigen mittäglichen Toilettensuche in Stockholms Zentrum, die einer kleinen Odyssee glich und eigentlich fast einen eigenen Artikel wert ist, war es am Abend der Verkehrslärm und das Gegröle der schon früh betrunkenen Jungmännerhorden, die mich genervt haben. Dass ich dann kurz nach dem Einschlafen von dem Geknalle einiger Explosionen aus dem Schlaf gerissen wurde, machte die Sache nicht besser. Ich nehme an, dass es nur einige von Silvester übrig gebliebene Kanonenschläge waren, deren Explosion durch die Straßen Stockholms hallte, denn am nächsten Tag stand die Stadt noch.

Und wartete mit wunderschönem Frühlingswetter auf. Es war zwar am Morgen noch leicht frostig, aber was macht das schon, wenn sich ein wolkenlos blauer Himmel über Stockholm ausbreitet. Und so war ich fast den ganzen Tag in Stockholm zu Fuss unterwegs und meine Füße sind heute immer noch etwas beleidigt, denn ich habe sie gestern bestimmt 25 Kilometer über die Inseln Norrmalm, Kungsholmen, Långholmen, Södermalm, Stadsholmen und Helgeandsholmen geschickt.

Mein erster Weg führte am Nordufer der Insel Kungsholmen westwärts nach Solna, denn dort gibt es ein Kajakgeschäft. Es ist einfach toll, dass man in Stockholm überall am Wasser entlanglaufen kann und viele Stockholmer nutzen die zahlreichen Uferwege für ihre morgendlichen Joggingrunden. Überall blühen Krokusse, Zilla und kleine Osterglocken; der Frühling ist hier natürlich dem Norden um Wochen voraus.

Ein klarer Aprilmorgen in Stockholm

Das „Bonnierhuset“Karlbergs schlossFundplatz für HandschuheKopflos?

Toll, mal in einem richtigen Kajakgeschäft zu sein, so etwas ist in einer Stadt wie in Skellefteå undenkbar. Ich wollte gerne einen Trockenanzug kaufen, aber der eine war nicht in meiner Größe da und der andere taugte meiner Meinung nach nichts. Da die meisten anderen Kajakgeschäfte hauptsächlich vom Verleih leben und daher nur die Sommermonate geöffnet haben, muss ich den Kauf wohl auf später verschieben.

Badeplatz am UlvsundasjönKajakgeschäft in Solna

Ich bin dann wieder ostwärts ins Zentrum gelaufen und habe vor allem Buch-, Foto- und Outdoorläden gesucht. Das große Shopping-Ereignis hat sich dann aber auf ein paar DVDs und zwei heruntergesetzte Bücher über Fotografie beschränkt.

In Stockholm gibt es viele, viele TreppenSelbstportrait

KungsholmstorgNach einer kurzen Pause im Hotel bin ich noch einmal losgelaufen. Dieses Mal am Südstrand von Kungsholmen, den „Norr Mälarstand“ in Richtung Westen zur „Västerbron“-Brücke. Auf dem Weg bin ich auch die Straße namens Kungsholmstorg gelaufen. Solche Straßen gibt es einige in Stockholm und sie sind, finde ich, ein Traum für Fußgänger, die auf breiten von Bäumen umrahmten Kieswegen in der Mitte laufen dürfen, während die Autos ihre Spuren links und rechts haben.

Blick von der VästerbronÜberall blühen Zilla und Krokusse

Von der hohen Västerbron hat man einen herrlichen Ausblick über den „Riddarfjärden“ und die Stadt. Leider hatte es sich inzwischen eingetrübt und das Licht war nicht mehr so schön wie am Vormittag. Eine seitliche Treppe hat mich von der Brücke auf die grüne und hügelige Insel Södermalm geführt, wo am Rand die Krokusse blühten. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht einfach geradeaus am Ufer zurücklaufen kann, sondern auf der Insel Långholmen bin. Eine kleine Brücke führte mich dann weiter zur Insel Södermalm. Menschen, die Ausblicke und Treppen mögen, sind hier gut aufgehoben. Man kann oben auf kleinen Wegen die Hügel entlang spazieren oder auch unten direkt am Ufer die großen und kleinen Schiffe bewundern, die teilweise als Wohnung oder Hotel benutzt werden.

Häuser auf SödermalmHäuser auf SödermalmBlick auf Södermalms HausfassadenBlick vom südlichen auf den nördlichen Mälarstrand

Blick von Södermalm über Stockholm

Inzwischen fing es an, dämmrig zu werden und so bin ich ein bisschen zielstrebiger wieder in Richtung Hotel gelaufen, denn dort in der Nähe gab es einen Inder und ich hatte doch erst zweimal am Wochenende indisch gegessen … . (Es gibt keinen Inder in Skellefteå – ein großes Manko!). Der Weg führte mich über die Insel Stadsholmen, auf der die alte Stadt „Gamla Stan“ liegt und die kleine Insel Helgeandsholmen, die den Reichstag beherbergt am zentralen Sergelstorg vorbei zum Inder und dann wieder ins Hotel, wo ich auch diese Nacht wieder Motorrad-Burnouts, schlechtem Techno und Jungmännerhordengegröhle lauschen durfte.

Blick zurück auf SödermalmEine Gasse in der „Gamla Stan“Auf HelgeandsholmenSergels Torg

Heute morgen ist schönstes Abreisewetter: Grauer Sprühregen. Das macht den Abschied leicht, aber so oder so sehne ich mich ein bisschen nach meinen eigenen vier Wänden im beschaulich-ruhigen Skelleftehamn. Aber dennoch freue ich mich schon auf den nächsten Stockholmbesuch. Hoffentlich in diesem Jahr.

Punktlandung: Der Artikel ist fertig und ich habe noch fünfzehn Minuten bis zum Check-In. Das reicht, um das Laptop zuzuklappen, noch etwas zu trinken zu kaufen und zum Gate 43 zu schlendern.

5 Kommentare für „Ein Samstag im frühlingshaften Stockholm“

Annika schreibt:

Hej, die Verlorene-Handschuh-Einrichtung hast Du auch gefunden :-)))

Olaf Schneider schreibt:

Kennst Du die auch, Annika?

Niko schreibt:

Was für ein schöner, reich fotografisch illustrierter Stockholm Bericht mal wieder! Wunderschöne Eindrücke. So langsam scheint der Frühling einzuziehen, ich kann mich noch gut an die üppigen Scilla (blåklinter) Teppiche mancherorts um diese Jahreszeit erinnern. Selbst in Skellefteå kommen ja schon die ersten Frühlingszeichen.
Hier in Süddeutschland ist es dagegen ja schon fast Sommer, die letzen Tage über 20°, der Flieder blüht schon, das ist ja in Schweden manchmal erst anfang Juni soweit.
Hier noch ein paar Eindrücke von Südbaden:

https://plus.google.com/photos/102074461865930321305/albums/5999473796130083137

Olaf Schneider schreibt:

Danke, Niko. Ach ja, Südbaden, das güldet nicht – da ist es ja immer nur warm und sonnig ;-)

Niko schreibt:

Warten wir’s ab….. letzten Mai hattet ihr das herrlichste Sommerwetter, währen wir in Südbaden bei max 9°C gebibbert haben! ;-)

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