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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Det ordnar sig …

Warum mache ich mir eigentlich so viel Stress. Det ordnar sig. Dieser Satz scheint mir recht stark in der schwedischen Kultur verankert. Man fragt nicht „Aber was machen wir, wenn …?“ oder „Haben wir auch daran gedacht, was passiert, falls …?“. Wozu auch, det ordnar sig.

Schwedischübersetzung des Tages:det ordnar sig – das löst sich / das wird schon

1

Vorgestern habe ich Schmerzen im rechten Arm und Handgelenk gehabt, gestern war es eher noch stärker. Das gehört zu den Dingen, die man überhaupt gar nicht mag, wenn man Klavierspieler ist. Ich habe gestern mit der „Vårdcentralen“ – dem Gesundheitszentrum Kontakt aufgenommen und am Nachmittag hat ein Krankengymnast zurückgerufen. Heute um neun hatte ich einen Termin: Das Ergebnis: Keine angehende Sehnenscheidenentzündung, kein Golfellenbogen, nur ein bisschen zu verspannt. Wird schon, det ordnar sig. Und es ist heute auch wirklich schon viel besser.

2

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, heute selbst eine Sensorreinigung bei meiner Nikonkamera zu versuchen? Zwei Tage vor einer Reise, die ich als Fotograf begleite? Ich Idiot! Statt einem Flecken hatte ich nun zweihundertfünfzig auf dem Sensor, damit ist die Kamera erst einmal unbrauchbar. Meine D800 habe ich zur Reinigung weggegeben und bekomme sie erst Ende nächster Woche wieder. Die Reise beginnt übermorgen …

Also habe ich auf Facebook „Panik, ich brauche Hilfe“ geschrieben und prompt bietet ein Bekannter mir an, mir seine Nikon D600 für die Zeit zu leihen. Jemand, zu dem ich kaum Kontakt habe, leiht mir seine 1500-Euro-Kamera für eine knappe Woche. Großartig! Tack så hemskt mycket – Danke so schrecklich viel! Vielleicht hätte ich aber einfach ruhiger bleiben sollen, denn det ordnar sig.

3

Krisentreffen auf dem Eis: Die halbe Eisfläche ist mit 10 – 15 Zentimeter Wasser überschwemmt. Da muss man einen Steg bauen oder etwas anderes tun, denn das ist für Schwimmer, die teilweise in Hausschuhen laufen genauso unbequem wie für Fotografen, die gerne auf dem Eis knien. Nun habe ich heute auch gearbeitet, und hatte eine zweistündige Probe. Und groß körperlich arbeiten mag ich gerade nicht, um Arm und Rücken nicht zu überlasten. Aber ich denke auch, meine Güte, ich bin ja nicht alleine, wir sind ja ein Team, det ordnar sig!


Vor ein paar Tagen ist John Lule angekommen, der Meister der ersten afrikanischen Winterschwimmmeisterschaften. Und heute hat er sein erstes Eisbad hier im Fluss genommen. John ist wirklich tough, vorgestern bei 25 °C ins Flugzeug nach Nordschweden und heute wWinterbaden. Gut, dass es mit -1 °C recht mild war.

Auf dem Weg zum EisbadenZwei Kontinente, ein Eisbad

Noch ein paar Bilder von heute bei den letzten Eisschwimmbad-Bauarbeiten.

Eisstücke und „slush“ werden weggebaggertBaustelle auf dem Eis

Zwei Leitern ragen in die Tiefe

Ab übermorgen bin ich drei Tage lang als Fotograf unterwegs, das wird eine ganz neue Erfahrung und ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil mindestens ein echter, ausgewachsener Profifotograf mit dabei sein wird. Aber – glaubt es oder nicht – heute hat die Aufregung schon etwas nachgelassen, denn: Det ordnar sig.

Die Fotos stammen alle aus der geliehenen Kamera. Die D600 macht sich gut und so viel muss ich zum Glück nicht umlernen.

13 Kommentare für „Det ordnar sig …“

Sonya schreibt:

Stress ist meistens hausgemacht. Und da sind manche Menschen, darunter ich, gut drin. Da ist es immer gut, wenn jemand oder ein Satz, einen auf den Boden der Ausgeglichenheit bringen. Det ordnar sig. Den Satz mag ich.

Wünsch dir eine gute Reise und tolle Eisschwimmmeisterschaften.

Olaf Schneider schreibt:

Danke Sonya. Ich habe ja selten Stress, nur jetzt kommt gerade alles auf Mal. Dann versuche ich mir zu sagen „Es ist nicht so, dass ich Stress habe, sondern so, dass ich mir Stress mache“.

Wann geht’s los nach Kuba? Magst Du mir ein paar kubanische Münzen mitnehmen? Irgendwann und irgendwo sehen wir uns bestimmt dieses Jahr.

Sonya schreibt:

Nächste Woche. Morgen ist mein letzter Arbeitstag, auch wenn ich da Arbeit für zwei Tage reinstecken werde. Ein Wiedersehen wäre toll. Nach so viel Süden hab ich schon Sehnsucht nach dem Norden.

Olaf Schneider schreibt:

Das Gästezimmer ist ab dem 9. März wieder frei.

Annika schreibt:

Ich sehe gerade, wie lange es bei Dir schon wieder hell ist. Wahnsinn, das geht so schnell :-)
Eine gute Woche wünsche ich Dir und Euch viel Glück mit dem Wetter in den nächsten Tagen–des Eises wegen!

Olaf Schneider schreibt:

Ja, das geht schnell. Doppelt so viel Sonne wie vor sechs Wochen. Leider ist das Wetter nicht gerade fotofreundlich: Wolkig, windig, warm, Schnee oder Schneeregen, aber so ist das halt, wenn man draußen ist. Mal schauen, was wir in Abisko für Wetter bekommen.

Annika schreibt:

Det ordnar sig ;-)

Olaf Schneider schreibt:

Genau, Annika!

Jochen schreibt:

Hej Olaf,

wünsche dir eine spannende und erfolgreiche Fototour in den nächsten Tagen. Mach dir nicht so viel Gedanken, vertraue auf deine Intuition als Fotograf. Das passt dann schon!

Liebe Grüße und dir eine gute Zeit,

Jochen

Olaf Schneider schreibt:

Danke Sandra.

Danke Jochen! Ich tue mich ein bisschen schwer mit der Belichtung, aber der Rest funktioniert prima.

Liebe Grüße,
Olaf

Ma HB schreibt:

Lieber Olaf, det ordna sig! Das sollte man sich öfter sagen. Laut ausgesprochen haben diese 3 Worte schon einen Klang, der beruhigend wirkt. Auf mich jedenfalls.
Diese Großzügigkeit, Dir so eine gute Kamera auszuleihen! Da hast Du in Deinem Pech nun wieder großes Glück.
Schöne Tage und Gruß Ma HB

Olaf Schneider schreibt:

||: Det ordnar sig! :||

Ja, ich habe riesiges Glück gehabt. Ich habe zwar immer noch eine andere Kamera, aber die will ich ohnehin mitnehmen, damit ich nicht dauernd Objektive wechseln muss (oder morgen vielleicht gar nicht kann, wenn es richtig schneit).

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