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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Tegsnäs 8′

Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, die Tegsnässki, die ich vor einem Jahr gekauft habe, auszuprobieren. Diese Holzski sind für Wald und lockeren Schnee gemacht, 7.5 cm breit aber vor allem lang: Zwei Meter vierzig misst mein Modell! Ich brauchte gar nicht so weit zu laufen, bis ich den Wald erreicht habe:

Mein Eingang in den Wald

Anfangs waren noch Fußstapfen und Skooterspuren zu sehen, dann Tierspuren von Hase und Reh. Man konnte immer wieder Stellen sehen, wo die Rehe mit den Hufen nach Futter gescharrt haben, doch die wurden, ebenso wie die Spuren, bald weniger. Finden die Wildtiere vielleicht mehr Futter nahe der Zivilisation als mitten im Wald? Der Winter kann hier eine harte Zeit für die Tiere im Wald sein und wenn er lang ist, treibt der Hunger die Rehe auch in die Wohnstraßen. Ich brauchte mir um Futter keine Sorgen zu machen, schwieriger war es hingegen, sich mit den langen Skiern einen Weg durch den dichten Wald zu bahnen. Ich fürchte, ein paar Zweige mussten heute dran glauben, als ich mich durch irgendwelche Lücken gequetscht habe.

Große verschneite KiefernMitten im verschneiten WaldHier haben Rehe nach Futter gesuchtHier habe ich einen Weg gesucht

Bald stand ich am See Snesviken, den ich dann mit den Skiern überquert habe. Inzwischen klarte es langsam auf und die Sonne schien warm durch die Wolken. Ich hatte gleichzeitig blauen Himmel über mir und Schneefall. Und das ist vielleicht mein Lieblingswetter: Schnee aus klarem Himmel, der von der orangefarbenen Sonne goldfunkelnd beschienen wird. Und so stand ich am Ufer, schaute zurück auf meine Spur und freute mich.

Genau am richtigen Platz: Hütte zum Objektiv wechselnAber ich hatte ein Luxusproblem, ein fotografisches Luxusproblem: Das würde ja viel schöner aussehen, wenn ich das mit dem Tele fotografiere, aber bei Schneefall wechsele ich keine Objektive. Fünf Schritte schob ich meine Skier an Land, da sah ich sie: Die freistehende Fotografen-Objektivwechsel-Hütte! So konnte ich mein Foto machen, ehe ich wieder auf mein „Immer-Drauf“-Weitwinkel gewechselt habe.

Schnee und Sonne über dem Snesviken

Weiter bin ich durch den Wald gelaufen, das Gestrüpp wurde immer dichter und der Weg schwieriger. Dabei hätte ich die Ski gar nicht gebraucht, denn der Schnee ist innerhalb einer Woche von ca. 70cm auf handliche 30cm zusammengesackt. Doch bald stand ich dort, wo ich hinwollte: Am Meer!

Die Ostsee, unendliche Weiten. Und zugefroren bis zum Horizont. Ob ich es wagen soll, über das Eis …? Nein, lieber nicht. Doch links läuft jemand mit Skiern übers Eis, rechts gehen zwei zu Fuß zu ihrer Stuga auf die Insel, dann wird das Eis auch meine Monsterski halten. Und so bin ich ein kleines Stück das Meer hinaus gelaufen, ein kleines Stück Außenkante der Insel Storgrundet, und dann über die Insel, um dann den Heimweg anzutreten.

Auf das Meer hinausStuga auf der Insel Storgrundet

Nach Hause? Warum? Es ist doch noch nicht einmal zwölf! Doch ich habe einen entscheidenden Fehler bei dieser Tour gemacht: Keine Schokolade! Auf das komische Maisbrot, was ich auf die Schnelle eingepackt habe, hatte ich keine Lust, denn bei Skitouren bin ich wie eine Wespe im August: Ausschließlich auf Süßes fixiert! Und so war ich, wie die Rehe vor ein paar Jahren, selbst auf Futtersuche und bin nach Hause gelaufen. Bei ICA habe ich erst einmal Kekse und Schokolade gekauft. Kekse für sofort und Schokolade für die nächste Skitour.

Etwas ganz besonderes hatte diese Tour: Ich war nie als weiter von zu Hause weg als 1500 Meter Luftlinie! Und das erste Foto ist gerade mal 300 Meter von meinem Haus entfernt. Es gefällt mir immer besser, so naturnah zu wohnen und auch wenn ich mir vorstellen könnte, nah am Fjäll zu wohnen, so liebe ich es doch, hier die Ostsee vor der Tür zu haben.


Langsam fällt das Thermometer. -15 °C hatte es heute morgen, -17 °C heute mittag und -19 °C um vier. Ich bin noch einmal mit dem Auto losgefahren, dieses Mal zum Strand Harrbäckssand in Ursviken. Mir war ein bisschen fröstlig, denn bei Skitouren habe ich immer wenig an, damit ich nicht schwitze. Mache ich aber viele Fotos, so rächt sich das ein bisschen. Nun war ich zum Fotografieren draußen und habe mich angezogen, als wären es -40 °C: Daunenhose, Canada-Goose-Daunenparka und über die dicken Fingerhandschuhe noch Daunenfäustel. Das heizt! A popros -40 °C: Diese Temperaturen hat es jetzt ganz im Norden Schwedens und der Zug nach Narvik fährt heute nur bis Kiruna, der Kälte wegen. Eine schöne Gelegenheit für das Aftonbladet, eine reißerische Schlagzeile aufs Titelblatt zu platzieren: „Snökaos & Extremkyla“ – Schneechaos und Extremkälte. Während die ganz normale alljährliche „Extremkälte“ den hohen Norden trifft, wird der Schnee in Südschweden erwartet und dort bedeutet Schnee leicht einmal Chaos, ähnlich wie in Deutschland.

Ein Foto noch von Harrbäckssand heute nachmittag:

Wer schaukelt mit mir?

8 Kommentare für „Tegsnäs 8′“

evi schreibt:

Ach Olaf, ist da schön!
Und für uns ganz besonders das letzte Foto von Harrbäckssand………
Hinten links an der Hütte haben wir schon 2 x mit unserem
Wohnmobil gestanden(im Sommer) und geschaukelt haben wir
genau dort und …..Steine gesammelt. Danke , wir sind schon wieder ganz aufgeregt!

Olaf Schneider schreibt:

Stimmt ja, Ihr kennt das ja alles und unser gemeinsamer Bekannter hat ja die Stuga gleich um die Ecke.

Niko schreibt:

Was für wundeschöne Bilder! Ich liebe deinen Blog; schaue immer wieder rein, und kann mir dann vortstellen, wie das leben gerade in Nordschweden ist. Während der Winter bei Euch jetzt wohl einen späten Einzug gehalten hat, (aber die Sonne schon sichtlich etwas höher über dem Horizont ist) ist es in Süddeutschland noch weiterhin mild. Anbei ein paar Einrücke von meinem heutigen Spaziergang im Kaiserstuhl. Vielleicht gefällt dir der Kontrast!
https://plus.google.com/photos/102074461865930321305/albums/5970352276598943409

Olaf Schneider schreibt:

Was für ein Kontrast, Niko. Ich war gerade noch einmal kurz draußen und bei -22 °C sind mir die Wimpern zusammengefroren. Und Deine Photos stammen vom selben Tag, aber einem anderen Planeten.

Annika schreibt:

Frühling in Süddeutschland, da muss ich glatt das Fenster aufmachen :-) Auf die Minustemperaturen bin ich aber wirklich gespannt. Ich hatte bislang erst ein einziges Mal minus 25°C für ein paar Stunden….

Olaf Schneider schreibt:

Und hier waren heute -21.1 °C. Tagesmaximum.

Martin schreibt:

Ich dachte, Schweden sei ein sehr ordentliches Land, und solche romantisch verfallenden Hütten seien entweder renoviert oder weg, aber offensichtlich ist es nicht ganz so schlimm.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Deine Naturaufnahmen besser finde, oder die Bilder, die die Schaukel, das Industriegebiet oder die Schiffe in ganz ungewohnten Winteransichten zeigen. Weiter so!

Olaf Schneider schreibt:

Hier erlebe ich weniger pingelige Ordnung als in beispielsweise Deutschland. Man nimmt vieles sehr pragmatisch. Mehr nach dem Motto: Warum sollte man die alte Hütte entfernen, es ist ja so viel Natur für alle und alles da.

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