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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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264.3

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

264.3, das zeigte mein Kilometerzähler an, als ich heute das Auto nach vierzehn Tagen und einigen Stunden Reise wieder auf meiner Einfahrt abstellte. Das ist allerdings ein bisschen untertrieben, denn in Wirklichkeit bin ich 2264,3 Kilometer gefahren:

Skelleftehamn (S) – Haparanda – Övertorneå – Pello (FIN) – Pajala (S) – Karesuando – Kilpisjärvi (FIN) – Skibotn (N) – Gryllefjord – ⚓ – Andenes – Kabelvåg – Fiskebøl – ⚓ – Melbu – Haukenes/Stokmarknes – Riksgränsen (S) – Gällivare – Solberget – Vuottas – Råneå – Skelleftehamn. Die mit ⚓ markierten Strecken sind Fähren.

Das war eine richtig schöne Tour, auch wenn ich froh bin, wieder zu Hause zu sein, denn lange Autofahrten alleine liegen mir nicht so. Vor allem in Norwegen finde ich das Auto fahren nicht leicht.

Autofahren in Norwegen

Kennt Ihr die Schilder 105 Doppelkurve und 120 Verengte Fahrbahn? Diese Schilder gibt es in Norwegen zu Hauf, bevorzugt wenn man bebautes Gebiet verlässt und wieder 80 fahren darf. Ich muss immer lachen, wenn ich die Schilder sehe, denn ich finde, dass in Norwegen fast alle Straßen eng und kurvenreich sind und man die beiden Schilder eigentlich nur einmal an der schwedisch-norwegischen Grenze aufstellen müsste.

Oft schaffe ich es aber gar nicht, 80 zu fahren, denn ich kenne die Strecke nicht. Und selbst wenn ich 80 fahre, habe ich meistens eine Schlange norwegischer Autos hinter mir an der Stoßstange kleben. Sie wollen alle schneller fahren, obwohl auch kleine Geschwindigkeitsübertretungen in Norwegen sehr teuer sind, denn da ist man schnell 500 Euro oder mehr los! Lustigerweise nutzen die Norweger oft keine geraden Strecken, um mich zu überholen, sondern die seltsamsten und meiner Meinung nach gemeingefährlichen Kurvenabschnitte. Im Straßenverkehr scheinen mir die Norweger wesentlich ungeduldiger als die Schweden zu sein – aber – gehupt wird auch hier nicht.

Autofahren in Schweden

Im schwedischen Inland sind es meistens die Rentiere, die den Verkehr bremsen. Ich habe irgendwann aufgehört, die Rentiere auf der Straße zu zählen, aber vier Typen von Rentieren im Straßenverkehr ausgemacht:

  • 1. „Waldflüchter“ – Die Rentiere springen direkt seitlich in den Wald. Sehr praktisch
  • 2. „Blockade“ – Die Rentiere stehen auf der Straße und glotzen. Erst wenn man sie fast mit der Stoßstange berührt, gehen sie leicht widerwillig zur Seite
  • 3. „Marathon“ – Die Rentiere galoppieren lange Strecken auf der Straße vor einem her und lassen einen weder links noch rechts vorbei, ehe sie schließlich seitlich in den Wald springen
  • 4. „ABC-Schütze“ – Die Rentiere laufen einem im Gänsemarsch auf der linken Straßenseite entgegen und laufen gesittet weiter. Vorbildlich, aber selten

Auch wenn mir die Autostrecken manchmal lang geworden sind, hat es doch Spaß gemacht, die vielfältigen Eindrücke der Fahrt in sich aufzunehmen und zu erleben: Die tiefen Nadelwälder, die klaren blauen Seen, die weiten gelbgrünbraunen Moore, die runden Hügel, das kahle schwedische Fjäll, die kleinen Bäche und die großen Ströme, die verschneiten und vergletscherten norwegischen Berge, die sich tief ins Land einschneidenden Fjorde. Die Kiesufer, die weißen Sandstrände mit türkisblauem Wasser, die losen Birkenwäldchen, die Wiesen und Weiden, die kleinen Tümpel. Die großen Brücken, die schönen Uferstraßen, die kleinen weißen Kirchen, die roten Fischerhütten, die kleinen Boote, die großen Schiffe. Nur die Tunnel find ich doof: Sehr eng, düster und langweilig. Aber speziell auf den Lofoten geht es nicht ohne sie.


Die nächsten Tage werde ich Artikel über die Lofoten und über die Vesterålen schreiben. Heute zeige ich nur zwei Fotos von Solberget, wo ich – wie so oft – Zwischenstopp gemacht habe, um Dirk und Silke sowie Jochen zu besuchen. Eines habe ich gemacht, als Jochen die Rentiere gefüttert hat, das andere hat Jochen gemacht, als der riesige Hund Odin sich von mir streicheln und kraulen ließ. Danke, Jochen, für das schöne Foto!

Abendliche RentierfütterungOdin und ich (Foto: Jochen)

… und noch ein Foto, welches ich jedes Mal machen möchte, wenn ich die schöne alte Hütte/Scheune kurz hinter der Polcirkeln-Hütte sehe. Heute bin ich endlich mal ausgestiegen und habe ein Foto gemacht:

Hütte im Moos

13 Kommentare für „264.3“

Ingela schreibt:

Många mil… Hur långt skulle du ha kommit om du åkt söderut samma sträcka?

Jag har också haft renar på gården i veckan. Som tur var åt de inte upp mina jordgubbar, de är under ett nät.

Olaf Schneider schreibt:

Fin idé, Ingela: Jag skulle ha kommit t.ex. till Rotterdam, Prag eller Nizjnij Novgorod, men München skulle ha tagit 128 km mer.

Ingela hat gefragt, wie weit südlich ich gekommen wäre, wenn ich die gleiche Strecke nach Süden gefahren wäre: Rotterdam, Prag oder Nizhniy Novgorod hätte ich erreichen können, aber München wäre 128 km weiter gewesen.

Olaf Schneider schreibt:

Ich habe mal die CO₂-Bilanz ausgerechnet: 0.41 Tonnen CO₂ sind durch meine Autofahrt entstanden, ganz schön viel! Mit dem Flugzeug wäre ich laut Rechner bei gleicher Bilanz aber nur gut 1000 Kilometer weit gekommen.

Sven schreibt:

Hi Olaf,
Das kenne ich,mit der Fahrerei in Norge.Ständig klebt einer an mir dran,auch LKWs….Unglaublich wie die um die Kurven rauschen.
Ich will aber nicht schneller fahren,weil ich Panik vor den Blitzern habe.
Wenns geht,fahre ich rechts ran und lass sie überholen….aber dann kommen schon die nächsten.Dann dreh ich den Spiegel einfach weg.;-)

Olaf Schneider schreibt:

Das mache ich auch, Autos vorbei lassen.

Sven schreibt:

Solberget im Sommer auch schön.Ich kenns nur vom Winter.
Ich habe meine Norwegen-Tour im Spätsommer/Herbst noch vor mir.
Brauch noch Winterreifen,leichte Steigeisen(damit ich beim Äpfelpflücken nicht den Hang runter rutsche) und neue Regenklamotten etc..

Ricarda schreibt:

Da hattest Du ja wohl wirklich eine wunderschöne Tour, auch wenn das Fahren in Norwegen eben bißchen „anders“ ist. Ob nun der Schwede wirklich geduldiger ist beim Autofahren als der Norweger kann ich nicht vergleichen…..aber ich konnte immerhin feststellen, daß der Norweger geduldiger ist als ein deutscher Autofahrer. Hier in Norge drängelt selten jemand……

Doch nun freue ich mich auf alle Fälle schon auf Deine Bilder ! Wenn ich Deine Lofotenbilder dann zu sehen bekomme, wird bei mir sicherlich gleich wieder Fernwehstimmung aufkommen……(ich würd da gerne mal wieder hin).

Nun genieße Deine Erinnerungen an den schönen Urlaub und viel Spaß beim Sichten der Fotos !

Olaf Schneider schreibt:

@Sven „leichte Steigeisen (damit ich beim Äpfelpflücken nicht den Hang runter rutsche)“ gefällt mir. Hast Du schon Erfahrungen mit herbstlichem Apfelpflücken in Norwegen? Wo geht es denn hin?

@Ricarda Verglichen mit den Deutschen sind die Norweger hinterm Steuer wesentlich geduldiger, da hast Du recht. Sie drängeln auch nicht, sie fahren bloß manchmal so dicht auf, dass ich nicht einmal wage, an einem Parkplatz abzubremsen, um sie vorbeizulassen.

Sven schreibt:

Ja,ich helfe jetzt zum 4ten Mal.Ein Hang ist besonders steil und wenn es regnet und das Gras nass/matschig ist,kann man schonmal nen Abflug machen.
Ist zwar selten passiert,aber mit mehr Grip stelle ich mir das Laufen dort besser vor.Probieren geht über studieren.
Location ist Ulvik.

Olaf Schneider schreibt:

Wwoofst Du oder was machst Du in Ulvik?

Sven schreibt:

Es steht keine Organisation dahinter.Ich helfe privat auf einem Bauernhof.Zuerst müssen die Schafe aus dem Fjell zurückgeholt werden.Das sind schöne Touren über Bergkämme und durch Täler in der Hardangervidda.
Je nach Sorte werden dann Äpfel,Pflaumen,etwas Kartoffeln geerntet.Ich nutze die Zeit zum Abschalten und Norwegen geniessen.
Die Ernte ist dieses Jahr spät und ich hatte schon im Jan gebucht.Also werde ich 2 Wochen zu früh dort sein,was ich mit Wanderungen ausfüllen werde.
Wird bestimmt wieder schön.Eigentlich fühle ich mich in Norge eher zu Hause,als in DE.

Olaf Schneider schreibt:

Dann wünsche ich Dir viel Spaß in Norwegen. Hier im Norden ist übrigens alles zwei Wochen früher dran. Die Moltebeeren, die Wiesenblumen. Ich bin gespannt, ob das auch einen früheren Herbst bedeutet.

Sven schreibt:

Tack så mycket.
Ick freu mir schon.Werde wieder viele Elche sehen.Besten Gruss,Sven

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