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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Vor zehn Jahren: Das erste Mal Lappland

Heute habe ich eine kleine Reise in die Vergangenheit gemacht und ein paar Fotos von meiner ersten Reise in den Norden gescannt. Damals, vor zehn Jahren wollte ich einen richtigen Winter erleben und bin deswegen im Januar und Februar 2003 zwei Wochen nach Meltosjärvi in Finnisch-Lappland gereist. In Loma Vietonen habe ich eine kleine, schöne Unterkunft gefunden und das erste Mal Polarlicht gesehen, das erste Mal einen Meter Pulverschnee erlebt, das erste Mal bei Temperaturen unter -30 °C auf dem dick zugefrorenen See „Iso-Vietonen“ gestanden. Danach war es um mich geschehen und ich bin jeden Winter wieder in den Norden gefahren, wenn es ging zwei Mal. Bis ich vor knapp drei Jahren hierher gezogen bin. Jetzt könnte ich von hier aus in viereinhalb Stunden mit dem Auto nach Meltosjärvi fahren.

Morgens Frühstück – ich lerne A. und H. kennen, die leider am gleichen Tag fahren. Eisfischen mit A. und H. Keiner fängt etwas. Das Eis ist ca. 60 cm dick. Darauf 40 cm Schnee, allerdings zwischen Eis und Schnee viel Wasser. Ich muss zu Hause die vereisten Schnürsenkel mit Wasser auftauen, um die Stiefel auszuziehen. […]

Tagebuch, 26. Januar 2003

Ein paar Tage später: Obwohl der Ausflug sehr teuer war, habe ich mich spontan entschlossen, mit nach Kemi zu fahren um dort mit dem Eisbrecher Sampo einen Ausflug zu machen. Was für ein Erlebnis, das erste Mal auf der Ostsee zu stehen. Und das erste Mal im Eis zu baden, allerdings mit einem dicken, knallorangefarbenen Überlebensanzug. Der wurde danach abgespült, denn es war so kalt, dass der Reißverschluss sofort einfror.

[…] Ich bin fast nur draußen. Man hört das Eis brechen und fährt durch das Weiße. 12:30 Führung durch das Schiff. 5000 Tonnen schwer. Bricht Eis mit Gewicht. Um 1960 gebaut. […] Wieder draußen. Das Schiff wendet und fährt zur Stelle, wo die Schneemobile stehen. Es ist windig (Chill ± -40°C) und habe das Vordeck für mich alleine. […]

Tagebuch, 30. Januar 2003

Ein besonderes Erlebnis war es, auf dem Eis zu dem Bug des Schiffes laufen zu können und das Schiff vom Wasser aus von vorne fotografieren zu können.

Wenn Ihr Euch übrigens über meine Handhaltung auf dem Foto wundert: Ich hatte gerade die Handschuhe für ein Foto ausgezogen, dann haben mich andere gefragt, ob sie mich fotografieren sollten. Dafür wollte ich mich am Poller (heißt das so?) abstützen und bin zurückgezuckt, weil das Metall schweinekalt war. Knips!

Überhaupt war es manchmal ganz schön kalt. Ich erinnere mich an einen Tag mit einer Höchsttemperatur von -29.5 °C. Ich habe mit zwei Franzosen einen langen Spaziergang gemacht und so ziemlich jedes Auto hat angehalten und wir wurden gefragt, ob wir Hilfe bräuchten.

[…] Die letzten Tage waren so kalt, dass Brauen und Wimpern gefrieren. M. und R. sehen wüst aus. Auch auf ihren Wangen wächst das Eis. Mein Mundschutz ist komplett gefroren und steinhart. Ebenso Teile der Balaclava und der Handschuhe.[…] Morgens 5 km-Runde Langlauf. Die Nacht war extrem kalt und der Schnee ist so harsch, dass die Skier gar nicht gleiten. […]

Tagebuch, 31. Januar / 1. Februar 2003

Als ich eine halbtägige Hundeschlittentour gemacht habe, war es aber wesentlich wärmer. Die Tour war relativ ruhig, da den „Touristenhunden“ es völlig schnurz war, was ich da hinten gemacht habe, sie sind einfach dem Vorderschlitten hinterhergelaufen.

[…] Hophop heißt los und Slèi(t) heißt stopp, dazu muss man die Bremse treten. Die Hunde beim Start werden immer aufgeregter, bellen, winseln, heulen. […] Die Route durch die tief verschneiten Wälder ist wunderschön. Teile der Strecke kenne ich schon vom Skilaufen. Angekommen, macht der Führer Feuer und Kaffee (halb Wasser, halb Pulver). […] Die Hunde haben sich mit mir abgefunden. Wenn ein Hund im Tiefschnee ist, ist er fast nicht mehr zu sehen. Es schneit die ganze Zeit und ein kühler Wind bläst. […]

Tagebuch, 3. Februar 2003

Nach zwei Wochen mit vielen Erlebnissen viel es mir schwer, mich wieder an die Stadt Essen zu gewöhnen, doch nach ein paar Tagen war ich wieder im Alltag der deutschen Großstädte angekommen. Ich glaube, dass ich heutzutage ein Vielfaches länger bräuchte, aber da ich momentan keine Umzugspläne nach Deutschland habe ist das eigentlich ziemlich egal.

Kamera: Yashica, 35mm Zeissobjektiv (ich glaube, eine T5). 10 35er-Filme Fujicolor Superia(?) ISO 200.

6 Kommentare für „Vor zehn Jahren: Das erste Mal Lappland“

Annika schreibt:

:-))))) Und die Jacke gabs ja auch schon!

Sonya schreibt:

Schön, in Erinnerungen zu schwelgen. Eine schöne Reise hast du da gemacht, kein Wunder, dass du dein Herz an den Norden verloren hast.

Heiner Gaudl schreibt:

Du kannst gern weitere Artikel hier posten. Ich lese alle sehr gern und schaue mir die Bilder an.

Annika schreibt:

Da gehts mir wie dem Heiner :-)))

Sylvia schreibt:

Da alle Leser hier ja Eis-und Winterfans sind, empfehle ich auch mal den ZDF-Ice BLog zu lesen. Hier wird tägl. von der Fahrt der Polarstern berichtet, die wochenlang auf ganz großer Eistour ist. Ab und an gibt es auch ein Video und immer Fotos und Berichte:
http://polarstern.zdf.de/ (von dort aus gehts auch in den Blog.)

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