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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Skitour – Schlussettappe

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Als wir morgens im offenen Winterraum der Gåsenstugorna aufwachen, ist von klarem Himmel nichts mehr zu sehen. Es ist windig und es schneit. Aber abgesehen davon, dass uns beiden der Sinn nach Frischluft und Bewegung steht, gibt es zwei Argumente, die für einen Aufbruch sprechen: Zum einen kommt der Wind von hinten, zum anderen hat der smhi für den Folgetag eine Windwarnung Klasse 1 herausgegeben, es soll also wieder richtig stürmisch werden.

Also packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Nach einem kleinen Anstieg, der uns auf 1200 Meter führt, liegt eine lange Abfahrt vor uns. Jonas macht seine Felle ab, ich lasse sie an, denn ich bin ein schlechter Abfahrtläufer und freue mich über die Bremswirkung der Felle. Nun geht es stetig bergab, manchmal so sanft, dass wir beide laufen, manchmal so schnell, dass Jonas vorweg saust, während ich manchmal sogar Bögen in den Schnee schreibe, um nicht so schnell zu werden.

Manchmal klart es auf und die Sonne legt ein geheimnisvolles Leuchten auf die voraus liegenden Berghänge. Leider habe ich heute eine andere Kamera-Objektiv-Kombination vor meinem Bauch geschnallt und als ich das Weitwinkel parat habe, sind die schönen Lichtstimmungen schon wieder vorbei. Es ist nicht das erste Mal auf der Tour, dass ich mit dem Fotografieren zu langsam bin. Schon nach kurzer Zeit sind wir an der nächsten Schutzhütte „Sjtähtja“, wo wir eine kurze Pause machen.

Schon bald setzen wir die Tour fort, denn nach dem tagelangen Aufwärtslaufen ist es schön, mühelos durch den Schnee hinab zu gleiten. Nur manchmal müssen wir uns einen Weg suchen, denn auf dem baumlosen Kahlfjäll sind manche Stellen so windexponiert, dass kaum Schnee liegt und Gestrüpp und Fels sichtbar sind. Doch bald sind die ersten Bäume in Sicht.

Jetzt beginnt ein herrlicher Teil: Der von Holzkreuzen markierte Weg windet sich talwärts und wir gleiten durch den unberührten Schnee. Hier scheint es meistens windstill zu sein, denn die meisten Birken wachsen sehr gerade und es gibt keine verblasenen Stellen. Statt dessen gibt es immer wieder kleine Abfahrten, die meistens im Tiefschnee enden. Das Skifahren hat hier so viel Spaß gemacht, dass ich erst zum Schluss wieder die Kamera ausgepackt habe. Aber die Freude an der Bewegung kann man eh nicht fotografieren.

Wir laufen, gleiten und sind bald schon an der nächsten STF-Hütte, den Stensdalsstugorna angelangt. Aber wir laufen ohne Pause an den Hütten vorbei, denn wir wollen zelten. Wir laufen noch ein paar Kilometer, ehe wir ein kleines Seitental finden, in dem wir zwischen den Bäumen unser Zelt aufbauen. Die Nacht ist klar und Jupiter und die hellen Wintersternbilder leuchten am Himmel.

Aber kaum liegen wir, da holt uns der vorhergesagte Wind ein. Wieder wird das Zelt vom stürmischen Wind gerüttelt und gebeutelt und dieses Mal sind die Böen sogar noch heftiger. In der Nacht stehe ich auf, denn zwei Heringe haben sich losgerissen und ich ramme zwei Skier in den Schnee, um das Zelt daran festzumachen. Doch auch diese Sturmnacht übersteht das Zelt ohne Probleme. Nur Jonas und ich fanden es in unseren dicken Daunenschlafsäcken mit -2 °C viel zu warm. Auch diesen Morgen lässt der Wind nach und die Sonne scheint durch die immer größeren Wolkenlücken, während die letzten Schneeschauer abziehen.

Den letzten Teil der Tour fand ich ehrlich gesagt etwas langweilig, denn größere Teile der Route lagen auf einer breiten Skooterpiste. Anstatt aktiv meinen Weg zu suchen und die Natur um mich herum wahrzunehmen, schlurfe ich nun einfach nur geradeaus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Tour fast vorbei ist, doch hauptsächlich daran, dass das Schlussstück eher dem Loipennetz eines Wintersportortes ähnelt und damit nach den starken Eindrücken der letzten Tage ein wenig fad wirkt.

Bald schon stoßen wir auf unseren alten Weg und sehen den kleinen Teich, auf dem wir die erste Pause gemacht haben, den kleinen, gemeinen Abstieg, der nun Abfahrt ist und die erste Abfahrt, die Jonas nun mit V-Schritten hochsteigt. Und nur wenige Minuten später stehen wir auf der Ebene und blicken in die Zivilisation. Ein High-Five beendet diese gar nicht so lange, aber schöne, spannende und ereignisreiche Tour.

Tack för turen, Jonas!

7 Kommentare für „Skitour – Schlussettappe“

Jonas schreibt:

Da bin ich gerade wieder über der Grenze in Deutschland und schon ist der Tourbericht fertig.
Schön und präzise beschrieben.
Von mir gibt es dann bald den technischen Hintergrund der Tour- welche Ausrüstung hat funktioniert und welche nicht.

Ich sag auch; Tack för turen, Olaf

Olaf Schneider schreibt:

Ich freue mich schon auf Deinen Artikel.

Silvia schreibt:

Danke, danke, danke für diesen tollen Bericht! Beim lesen spürt man richtig die Faszination im Schnee mit Zelt und (Ski-)wandernd unterwegs zu sein. Leider gibt es dafür hier bei uns zu wenig Schnee, aber ich freu mich jetzt schon wieder auf die nächste Wandertour in Schweden – auch wenn das sicher nicht bei Schnee sein wird :). Wir lesen schon lange deinen Blog – jetzt mal ein dickes Dankeschön!
Tack så mycket!

Viele Grüße aus Nürnberg, Silvia

P.S. wir haben uns in Mannheim bei eurem tollen Jazzkonzert getroffen

Olaf Schneider schreibt:

Hallo Silvia, schön von Dir zu hören. Kaum zu glauben, dass die Tournee nur drei Monate zurück liegt, es fühlt sich – wie immer für mich – viel länger her an.

Sonya schreibt:

Hach, herrlich. Klingt nach einer tollen Tour. Freue mich, dass es euch gefallen hat und ihr heil zurück gekommen seid. Muss mir die Fotos nochmal in Ruhe auf dem großen Display anschauen. Bin noch respektive wieder im Zug nach einem kleinen Zwischenstopp in Stuttgart.

Olaf Schneider schreibt:

Erwischt, Sonya, das Blog ist immer noch nicht responsive.

Sonya schreibt:

Hab deine Blogartikel eh über meine RSS-App gelesen ;). Den größeren Bildschirm wollte ich auch eher, um die Bilder in groß auf mich wirken zu lassen.

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