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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nach der Party

Die Bierflaschen und -dosen auf dem Sofatisch – die habe nicht ich geleert. Ich trinke kein Bier. Die graue Strickjacke (Größe XS – passt mir nicht) gehört mir ebenso wenig wie der Spielzeuglaster, der vor kurzem noch über das Parkett geschoben wurde.

Heute war „Jazzknytkalas på Flygelvillan“. Nehmen wir das mal auseinander:

  • „Jazz“ ist klar, oder?
  • „Kalas“ heißt Fest oder Party auf Schwedisch.
  • „Knytkalas“ ist ein Fest, wo jeder irgendetwas zu Essen mitbringt.
  • „På“ heißt je nach belieben „auf“, „in“, „bei“, „zu“, „für“ … . Sozusagen die schwedische Präposition!
  • „Flygel“ ist „Flügel“ auf Schwedisch.
  • „Villa“ ist nicht die große Villa für reiche Leute, sondern einfach ein freistehendes Haus.
  • Und „Villan“ heißt „Die Villa“.

Auf Deutsch hieße das also in etwa „Jazzparty-jeder-bringt-was-mit-in-dem-Flügel-freistehendes-Haus“. Das klingt ja mal richtig doof! Entweder ist Schwedisch manchmal die schönere Sprache oder ich brauche dringend jemanden, der mir Deutsch lernt.

Aber ich schweife ab. Ich habe viele Leute für heute zu einem kleinen Fest eingeladen. So etwas macht man hier oft ganz locker bei Facebook, denn im Gegensatz zu Deutschland nutzen hier die meisten diese Plattform. Ich mag „Knytkalas“. Nicht nur, weil ich dem Kochen nicht viel abgewinnen kann, sondern auch weil es – wie Programmierer sagen würden – so schön skaliert. Egal, ob drei Leute oder vierzig kommen, das Essen wird reichen und man muss auch nichts wegwerfen, weil man es nicht schafft. Nur vom Bier, welches ich gekauft habe, ist noch einiges übrig.

Begonnen hat alles mit einem Rätsel: J hat mir das auf dem Photo abgebildete Objekt mitgebracht und ich sollte das auf dem Klavier spielen. Erst dachte ich, dass sei einer von J’s surreal-dadaistischen Scherzen, aber nein, das ist ganz klar ein spezieller Jazzsong. (Jazzfans: Welcher?). Nach und nach kamen knapp zwanzig Freunde, Kollegen und Bekannte im Alter zwischen 0.8 und gut 50 und wir hatten es richtig schön zusammen. So viel Klavier gespielt habe ich gar nicht, und wenn, dann gerne mit Unterstützung:

Ein Stück dreihändig mit A, Sohn von J und A – P sang „I can get along without you very well“ (wunderschön) und ich habe begleitet – P, J, A, L und P haben Percussion auf Cajón, Shaker und Wein-Tetrapak gespielt und ich habe dazu improvisiert.

Aber meist habe ich mit irgendjemand gesessen oder gestanden und wir haben uns unterhalten. Von der Vermarktung Norrlands bis hin zu den logischen Problemen bei Reisen mit Zeitmaschinen.

Für C und O: Ich hatte mein „Ach“-T-Shirt an. Also wart Ihr auch dabei, selbst wenn ihr rein physisch weit, weit weg wart.

Um elf gingen die letzten Gäste, denn es ist ja Donnerstag und morgen müssen die meisten wieder Arbeiten.

Auch ich.

Aber ein bisschen später als sonst tuts auch.

13 Kommentare für „Nach der Party“

Annika schreibt:

Und die Flygelvillan ist also Olafs Haus? Wie die Villa Kunterbunt? Das ist ja schön!! Bei sowas wäre ich auch gerne dabei :-)))

Annika schreibt:

Ws heißt denn eigentlich Villa Villekulla wörtlich?

Watermelon Man schreibt:

Schön von dir zu lesen.
Greets aus München,
Edgar

Olaf Schneider schreibt:

@Annika: Ich habe keine Ahnung, was „Villekulla“ bedeutet. Auch das Internet schweigt sich darüber aus bis auf eine etwas sehr hanebüchene Herleitung.

@Edgar: Hallo Edgar, wer bist Du? Kennen wir uns?

Jörg Thaeter schreibt:

Hallo Olaf, hallo Annika,
zur Bedeutung von „villa villekulla“:
1. „kulla“ ist dt. Frau
2. „ville“ läßt sich z.B. ableiten von dem Wort „villebråd“- dt. Wild, etymolog. verwandt mit dt. „Wildbret“.
So bedeutet „villa villekulla“ – „das Haus der wilden Frau“.

Astrid Lindgren arbeitet (wie grundsätzlich Schriftstellerei) sehr viel mit sprachlichen Bildern, „Pippi Långstrump“ ist „Pippi Blåstrump“, „pippi“ ist genau dasselbe wie im Deutschen. Im Original (laut einem FAZ-Bericht vor Jahren) hat Pippi Langstrumpf unter dem kurzen Röckchen nichts an. Wurde in der dt.Übers. gestrichen.
A.Lindgren hatte im ersten Entwurf ihre Heldin viel krasser gestaltet, was der Verlag nicht annahm. Pippi Langstrumpf ist keine positive Heldin! – Auch wenn das vielen nicht gefällt. Doch auch ihre beiden bürgerlichen Spielgefährten nicht. Der Leser soll die Mitte zwischen beiden suchen.

@ Olle av flygelvillan:
Hab mich jetzt mal getraut, einen Kommentar zu schreiben. Finde Deine Seite ganz toll. Hat bei mir seit vielen Monaten, da ich sie entdeckte, größte Sehnsüchte nach Nordschweden wieder wachgerufen. Vielen Dank!!!

Jörg aus Hamburg

Olaf Schneider schreibt:

Hallo Jörg, danke für Deinen ersten Kommentar – und dann gleich so ein spannender! Bist Du Etymologe oder woher kommt Dein Wissen?

Annika schreibt:

Danke für die Info. Leider kann ich kein schwedisch. Ich glaube, im Original ist es einfach noch schöner oder?

Olaf Schneider schreibt:

Die deutsche Pippi-Langstrumpf-Übersetzung hält sich sehr stark ans Original. Es hat aber dennoch Spaß gemacht, vor einigen Jahren die Bücher noch einmal auf Schwedisch zu lesen, weil ich mich noch ein bisschen näher dran fühlte.

Jörg Thaeter schreibt:

@ Olle av flygelvillan:

Nö, kein spezieller Etymologe, aber literatur- und sprachwissenschaftlich gebildet, und da beschäftigt man sich denn interessehalber auch später noch mit sprachlichen Zusammenhängen.

Die Fotos der nord-ost-schwedischen Landschaft sind eine pure Augenweide. Kann mir denken, daß z.B. Fahrradfahren am Skellefteälven eine rechte Freude ist. Oder mit dem Kanu auf der küstennahen Ostsee zu paddeln. Sehnsucht ist das einzig passende Wort!

Danke, daß Du Deine eigenen Erfahrungen so furchtlos ins Netz stellst. Wenn man hier so die Kommentare im Internet liest, kommt einem mitunter das Grausen wegen der Herabsetzung bis zur ungehemmten Gehässigkeit bei vielen.

Olaf Schneider schreibt:

@Jörg:

Fahrradfahren am Fluss geht nur an manchen Stellen. Einen durchgehenden Radweg gibt es leider nicht.

Du schreibst „Wenn man hier so die Kommentare im Internet liest …“. Meinst Du mit „hier“ mein Blog oder das Internet im Allgemeinen. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier negativ kommentiert wird.

Jörg aus Hamburg schreibt:

@ Olle av flygelvillan:

Nein, nein – auf dieser Deiner Seite ist eitel Sonnenschein, alle Kommentatoren sind ausgesprochen nett und sehr freundschaftlich – das hat mir neben Deinen Blogeinträgen ebenfalls sehr gefallen; ihre Kommentare heben sich deutlich von dem ab, was z.B. auf den Seiten der Mainstream-Medien oder politischen Blogs, die ich z.T. lese. Das Internet im allgemeinen („hier“ in DE) war gemeint.

Liebe Grüße – Jörg aus Hamburg

Christina schreibt:

C und O freuen sich dich bald live zu hören :-)

Olaf Schneider schreibt:

Schön, dass Ihr kommt, Christina!

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