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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

13 Kommentare für „Nasser geht’s nicht“

Matthias schreibt:

Für solche Aktionen brauchst du unbedingt ne App mir OpenStreetMap-Daten. Ich benutzte auf Android immer Osmand. Damit kann man offline Karten ansehen und du könntest die Wege, die du immer so erkundest bei OpenStreetMap sogar eintragen und die schwedische Wildnis kartographieren :-)

Olaf Schneider schreibt:

Danke Matthias, guter Tipp. Ich lade mal ein paar Apps und schaue, welche praxistauglich ist. Immerhin ist die Straße zu Dirk mit eingezeichnet und Skellefteå selbst scheint gut erfasst zu sein.

Annika schreibt:

Hatte ich eigentlich schonmal gefragt, ob das diese Wandergummistiefel sind? Ich glaub ja, habs aber vergessen…. ich bin sowas in meinen Meindl-Island-Pro gelaufen, das war ausgesprochen unwitzig (ohne Wathose). Mag Matsch nicht so gerne :-/

Olaf Schneider schreibt:

Herzlichen Glückwunsch Annika! Du hast gerade den 1000. Kommentar geschrieben.

Aber zu Deiner Frage: Meine Wathose ist viel zu klobig, dick und schwer, um damit ernsthaft zu wandern. Und ein bisschen bescheuert sieht’s auch aus! Ansonsten trage ich Gummistiefel von Aigle, die vielleicht nicht zum Wandern gemacht sind, aber super bequem sind.

Annika schreibt:

Oh tollll. 1000ster Kommentar, wer hätte das gedacht, als meine Kollegin mir diesen Blog im Januar empfohlen hatte?

Olaf Schneider schreibt:

Der Preis ist bei Dir gut aufgehoben, denn Du liegst mit 66 (jetzt mit 67) Kommentaren eh an der Spitze. Zwei andere sind mit je 65 aber ganz dicht dran.

Annika schreibt:

Oh je, die Quasseltante hat also wieder zugeschlagen…. verzeih :-/ Ich bin jetzt still.

Olaf Schneider schreibt:

Ich bitte alle Leser, weiterhin zu kommentieren. Bis jetzt hat hier noch keiner zu viel kommentiert.

Sandra schreibt:

Wow, das sieht nach einer spannenden Wanderung aus. Toll so den alten Weg zu suchen, halb unter Wasser. Ich bin ja eher für trockene Wanderungen, aber vielleicht muß ich beim nächsten Besuch auf Solberget auch mal ein Stück den Weg gehen. Für was hab ich schließlich meine Gummistiefel.

Olaf Schneider schreibt:

Ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Ein GPS ist praktisch, vor allen um beim Rückweg die Bohlen wiederzufinden.

Annika schreibt:

Kommentieren macht aber mehr Spaß, wenn auch wieder neue Artikel kommen *heftigmitZaunpfählenunddickenUnterWasserBohlenwink* ;-)
An diesen Artikel musste ich ja doll denken, als wir neulich (für mich das erste Mal) auf Solberget über das zugefrorene und zugeschneite Moor geschlurft sind :-)

Olaf Schneider schreibt:

Hier wird es noch ein paar Artikel im April geben (5 Jahre Schweden), dann werde ich das Schreiben hier einstellen.

Annika schreibt:

Jaja, wissen wir doch alle :-( Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.

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