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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Mond · Fern · Polar

Was haben die drei Worte Mond, Fern und Polar gemeinsam? Man kann -licht an sie dranhängen.

Heute ging mein zehntägiger Urlaub in Solberget und Narvik zu Ende. Doch dazu die nächsten Tage mehr.

Mondlicht hatte ich heute bei der fast neunstündigen Rückfahrt im Zug, als es irgendwo so bei Gällivare langsam dunkel wurde.

Fernlicht habe ich gebraucht, um mit dem Auto von Bastuträsk nach Hause zu fahren, denn als ich gegen halb zwölf ankam, war der Himmel bis auf das Mondlicht stockfinster. Die Zeit der hellen Nächte liegt viele Wochen zurück.

Polarlicht überzog den halben Himmel und strahlte mit dem Mond um die Wette. Ersteres grünlich, der Mond warmgelb.

Davon ließen sich die Nebelschwaden inspirieren, sie waberten um mein Auto herum. Zum Schluss trug der Nebel es allerdings etwas zu dick auf und verwandelte größere Teile der Stecke in eine dicke Suppe. Das führte dazu, dass ich unfreiwillig einen anderen Rückweg genommen habe als geplant. Aber schlechter war der auch nicht. Ab und zu lichtete sich der Nebel und gab den Blick wieder auf die Polarlichter frei, so zum Schluss auch an dem kleinen Bootshafen in Skelleftehamn, an dem ich manchmal mein Kajak einsetze.

Das ist übrigens das zweite Polarlicht diese Saison. Das erste habe ich vor einer Woche auf Solberget gesehen. Doch dazu – wie schon gesagt – die nächsten Tage mehr, denn jetzt ist es zwei Uhr nachts, ich bin müde von der langen Rückreise und morgen muss ich direkt wieder arbeiten. Im Laufe der Woche könnt Ihr hier neue Blogartikel lesen. Über ein zehnjähriges Jubiläum, eine sehr nasse Wanderung und über die norwegische Landschaft. Und vielleicht gibt es auch noch ein Polarlichtfoto.

10 Jahre Solberget

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Am Samstag sollte das große Fest steigen: Dirk betreibt seit zehn Jahren das Wildnisdorf Solberget! Seitdem ich im Februar 2005 dort zum ersten Mal zu Gast war, bin ich dort immer wieder gewesen, meist im Winter. Erst, weil mir Solberget und Umgebung so gut gefallen haben, dann immer mehr, weil ich dort immer viele nette Leute kennenlerne oder wiedertreffe.

Und so war es auch dieses Mal. So manch anderer Freund und Bekannter hat das Jubiläum zum Anlass genommen, Solberget einen Besuch abzustatten, und so standen die Tage mehr im Zeichen des Zusammenseins als des einsam Durch-die-Natur-Streifens. Obwohl, nicht nur …

Solberget heißt auf deutsch „Der Sonnenberg“. Und zum Hof gibt es nebenan den entsprechenden Berg – mit wunderschönem altem Baumbestand – gleich mit dazu. Am Freitag habe ich mich einige Stunden nach der Ankunft mit zwei Freunden auf den kurzen Weg zum Gipfel gemacht. Gipfel ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn der Weg ist flach, aber oben steht ein alter Feuerwachturm, den man besteigen kann. Dort hatten wir weite Aussicht auf die hügeligen Wälder, die mit kleinen Seen durchsetzten Moorflächen und auf den Sonnenuntergang.

Der nächste Tag – der Tag des Jubiläums – war den Vorbereitungen gewidmet: Es wurden Kuchen gebacken, Tische und Stühle herausgestellt, Schilder geschrieben und Trinkwasser von der Quelle geholt, ehe mittags das Fest begann. Ein ganzes Rentier am Spieß wurde gebraten, um die Gäste am Abend zu verköstigen, denn auch viele Menschen aus dem 20 Kilometer entfernten Nattavaara haben die Gelegenheit genutzt, sich den Hof anzuschauen, Fika (Kaffeepause) zu halten und sich kreuz und quer zu unterhalten.

Wir waren währenddessen nicht untätig. Manche haben in heavy rotation gespült oder sind in die Rolle des Parkplatzkoordinators geschlüpft, während ich die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen habe, den Gummistiefelweitwurfwettbewerb durchzuführen. Nach den Testwürfen musste ich mich erst einmal mit Kuchen stärken.

Am Nachmittag wurde es langsam ruhiger. B. hat wunderschön auf dem Akkordeon gespielt und dazu gesungen und ich habe meinen Flügel sehr vermisst. Ich hätte gerne richtig mitmusiziert, so konnte ich nur ein bisschen mitsingen. Später hat Daniel Wikslund aus Tjautjasjaure auf seiner Geige gespielt und gesungen. Er ist sowohl ein hervorragender Musiker als auch ein erfahrener Entertainer. Einige von uns haben mitmusiziert, ich auf der Gitarre, obwohl ich das nicht wirklich kann. Später wurde es dämmrig und über dem dunkelblauen Himmel über Solberget – ja, es war den ganzen Tag warm und sonnig – zeigte sich das erste Polarlicht. Welch schöner Abschluss für ein gelungenes Jubiläum. (Andere haben noch stundenlang Disko gemacht, aber mit Tanzen habe ich es nicht so und ich bin ja auch eher Frühaufsteher.)

Einige Fotos vom Fest auf Facebook

Der nächste Tag: Da ich recht früh im Bett war, war ich auch früh wieder auf. Selbst die Familien mit Kindern haben noch geschlafen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, in den Bach „Myllyjoki“ zu steigen und dort Fotos zu machen. (Vielleicht heißt der Bach auch Njåmmelkietj-Jåkkå, aber das macht das Aussprechen auch nicht gerade einfacher …) Das letzte Foto zeigt nicht den Bach, sondern die Quelle, aus der Solberget sein Trinkwasser bezieht.

Nach und nach tauchten alle wieder auf, das Frühstück ging in das Mittagessen über, Kuchen war auch noch da und alle ließen es ruhig angehen. Manche gemütlich und warm eingepackt beim Lesen, andere beim Kubb spielen.

Weil ich weiß, dass Cat-Content heutzutage wichtig ist, ist dieses Mal auch ein Katzenbild dabei. Sesam, der heimliche Besitzer des Hofes und meistfotografierte Kater der Welt schaute mich verwundert an, als ich mit nasser Wathose bekleidet aus dem Myllyjoki stieg, um wieder in Richtung Hof zu gehen.

Am Sonntag Nachmittag wurde es ein bisschen trüber und es fielen einige Regentropfen. Das war aber nichts im Vergleich zum nächsten Tag, wo ich eine der nassesten Wanderungen meines Lebens unternommen habe.

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

Besuch in Narvik – Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Nach dem schönen Jubiläumsfest in Solberget habe ich mich nach Nattavaara zum Bahnhof bringen lassen und bin mit dem Zug nach Narvik gefahren, wo ich Elisabet, eine Freundin besuchen wollte.

Die vierstündige Bahnfahrt ist wirklich sehenswert: Man fährt erst durch Wald und Moor, dann hat man immer mehr Blick auf die Bergwelt und auf den Torneträsk, den siebtgrößten See Schwedens. In Abisko steigen die meisten rucksackbepackten und gutbestiefelten Reisenden aus, denn hier beginnt neben einigen anderen Wegen auch der Kungsleden, der wohl bekannteste Wanderweg Skandinaviens. Einige kleine Bahnhöfe weiter hält man in „Riksgränsen“, der Landesgrenze. Und dann ist man auch schon in Norwegen und hat bald Blick auf den ersten Fjord.

Kurz gesagt finde ich, dass Narvik eine der hässlichsten norwegischen Städte ist, die ich kenne, mit einer der schönsten Umgebungen, die ich kenne. Was für ein Kontrast! Wenn man klug ist, lässt man bei den Norwegern allerdings nichts über die Hässlichkeit Narviks verlauten, schließlich war es die deutsche Wehrmacht, die 1940 fast die ganze Stadt zerstört hat. Aber wenn man nur ein bisschen das Zentrum verlässt oder das Abendlicht die Stadt illuminiert, gefällt mir auch Narvik wieder ganz gut.

Auf den Reinnes

Elisabet hat sich zwei Tage freigenommen und so konnten wir zwei schöne gemeinsame Touren unternehmen. Am Donnerstag führte uns der Weg auf das Reinnesfjellet bei Elvegård. Der Weg dauerte länger als ich vermutet hatte, aber das ist kein Wunder, denn die Wege in Norwegens Norden führen selten geradeaus, sondern winden sich durch die von tiefen Fjorden und hohen Bergen geformten Landschaft. (Über die Verkehrsschilder „Kurvenreiche Strecke“ musste ich lachen, da reicht eigentlich ein Schild für ganz Nordnorwegen.)

Ganz auf den Gipfel haben wir es nicht geschafft, zum einen war das Gelände recht steil und nur eine große Steinfläche, zum anderen war es sehr stürmisch. Aber weiter unten war es ohnehin leichter, eine windgeschützte Stelle für unsere Mittagspause zu finden. Und die Aussicht war dort auch grandios. Bloß um den Gletscher Frostisen zu sehen, mussten wir aufstehen.

Auf dem Rückweg sind wir noch einige Kieswege gefahren. Es gibt wohl kaum ein Tal dort, wo nicht irgendwo ein kleines Wasserkraftwerk ist. Und zu Wasserkraftwerken gehören Stromleitungen und ein Kiesweg dorthin. Manche Wege führen viele Kilometer durch die karge Berglandschaft, einige davon bis nach Schweden.

Nach Harstad

Für den nächsten Tag war in Narvik Dauerregen vorhergesagt. Genau wie für Tromsø, für Abisko, für Bodø. Elisabet mutmaßte, dass weiter westlich in Richtung Atlantik das Wetter besser sein könnte. Als Ziel haben wir uns die Stadt Harstad auf der Insel Hinnøya ausgesucht. Und tatsächlich, auf der Autofahrt hörte der Regen auf und irgendwann kam sogar die Sonne heraus.

Ich finde, dass Harstad das ziemliche Gegenteil von Narvik ist. Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Der Blick auf den Hafen, die Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften und das ganze Flair haben mir gut gefallen. Und – kann eine Stadt mit eigenem Kajakgeschäft schlecht sein?

Nach einem Mittagessen (Chili con Carne für 99 Kronen, also 13,50 Euro fand ich überraschend günstig für Norwegen) sind wir in den Nordwesten der Insel weitergefahren, um eine kleine Wandertour auf den Keipen zu machen. Es war nicht einfach, nach der Beschreibung in der Werbebroschüre den Weg dorthin zu finden, da diese es mit links—rechts oder erster See—dritter See nicht ganz so genau nahm. Aber wir hatten Glück (und GPS) und haben den Weganfang gefunden.

Über ein kleines Moor führte ein Weg erst durch einen Birkenhain, dann über das baumlose Fjell an einem See vorbei auf den überraschend nahen Gipfel, der dort steil in den Kasfjorden abfällt. So hat man dort wunderschöne Blicke über Fjell und Fjord.

Der Rückweg nach Narvik hat lange gedauert, auch weil ich uns durch Nebenstrecken gelotst habe. (Wunderschön!) Außerdem habe ich eine kleine Muschelsammelpause an einer großen Sandbucht gemacht. Ein Paradies für Sammler: 10 Zentimeter große Island- und Kammmuscheln liegen dort zuhauf herum. Dort hätte ich Stunden zubringen können. Gegen halb elf waren wir wieder in Narvik. Und im Regen.

Besuch in Narvik – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Heute am Samstag musste Elisabet, mit der ich die letzten zwei Tage schöne Touren in Narviks Umgebung unternommen hab, arbeiten und so habe ich mich bei sonnigem Wetter alleine auf den Weg gemacht.

Zuerst war ich an zwei benachbarten Buchten, die sich gut zu Fuß erreichen ließen. Die erste Bucht Taraldsvika war steinig und extrem schlickig, hatte aber ihre Reize mit dem kleinen Flüsschen Taraldsvikelva, dass dort in den Fjord mündet.

Die zweite Bucht war das genaue Gegenteil. Hier gab es Sandstrand und sogar einen Sprungturm, der allerdings gefühlt 50 Meter hoch war. Im flachen Wasser tummelten sich Einsiedlerkrebse und man musste aufpassen, dass man nicht auf einen der Seeigel trat.

Ich habe dann in der Wohnung gefrühstückt und die Gummi- gegen die Wanderstiefel gewechselt, da ich mit der Seilbahn auf den Fagernestoppen, den „Hausberg“ Narviks fahren wollte. Dort war aber schon eine halbe Stunde vor der ersten Fahrt so viel los, dass ich die Lust aufs Warten verloren habe und stattdessen lieber selbst gewandert bin, allerdings in Richtung Rombakstøtta, einen imposanten Gipfel, der sich schroff von seinen Nachbarn abhebt. Das war eine gute Wahl, auch wenn ich nicht sehr weit gekommen bin. Am Forsnesvatnet, einem Gebirgssee habe ich Pause gemacht. Nach kurzer Rast bin ich wieder abgestiegen. Wenn ich das nächste Mal dort sein sollte, laufe ich aber weiter.

Auf dem Rückweg hatte ich noch eine Begegnung der dritten Art: Eine große Spinne, von einer anderen Familie auf dem Weg gefunden. Sie war zwar etwas unwillig, sich fotografieren lassen, aber zwei Schnappschüsse zeige ich doch. (Kaum eine Wandertour, bei der ich ohne dreckige Hosen nach Hause komme.)


Am nächsten Tag haben Elisabet und ich die Fahrt auf den Hausberg nachgeholt. Das war zwar ein etwas eiliges Unterfangen, da die erste Seilbahn um zwölf geht und um halb drei schon mein Zug fuhr, doch es hat alles gut geklappt. Erst fährt man mit der Seilbahn auf die Bergstation. Dort ist auch ein Restaurant. Nach kurzem Weg führt ein Sessellift fast bis auf den ersten Gipfel, wo wir in einer windgeschützten Mulde allen Proviant aufgegessen haben. Und die Aussicht auf Stadt, Fjell, Berge, Gletscher und Wälder bewundert. Wahrscheinlich ist es völlig egal, wohin man mit der Kamera zielt, es sieht überall schön aus. Oder man trifft einen Strommasten. Viel zu früh mussten wir aufbrechen und wieder mit Sessellift und Seilbahn hinabfahren.

Dann ging alles ganz schnell. Elisabet hat mich zum Bahnhof gebracht und ist direkt zur Arbeit weitergefahren. Eine Viertelstunde später setzte sich der Zug in Bewegung und brachte mich in achteinhalb langen Stunden nach Bastuträsk, wo ich müde, aber sehr zufrieden über meine Reise mich ins Auto gesetzt habe und nach Hause gefahren bin.

Liebe Elisabet, danke für Deine Gastfreundschaft und die schöne gemeinsame Zeit.

Der erste Frost

Seit einer knappen Woche bin ich wieder zu Hause. Es scheint, dass sich nach dem Sommer alle gleichzeitig entsinnen, dass man sich auch wieder mit anderen treffen könne. Und so war am Montag ein Treffen mit „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“, um die Planung des Winterschwimmen 2013 zu beginnen, am Mittwoch ein Fest von Frostware, mit denen wir bei Hello Future zusammenarbeiten, am Donnerstag war das erste Mal wieder Diskussionsklub und am Freitag nach einem Workshop bei Hello Future Afterwork. Alles toll, aber viel auf Mal, wenn man auch noch 900 Fotos vom letzten Urlaub sichten und vier Blogartikel schreiben möchte. So war ich am Freitag Abend ganz schön müde und habe den Afterwork recht früh verlassen.

Größere Teil des gestrigen Samstags habe ich mit geschlossenen Augen verbracht und war deswegen heute schon recht früh wach. Das Thermometer zeigte drei Grad – schon die letzten Tage war es morgens recht frisch – und auf der Abdeckung von meinem Outdoorwhirlpool hatte sich über Nacht Raureif gebildet. Auf dem Stein, den ich als Türstopper verwende, hockte eine Wespe in Kältestarre. Sie tat mir ein bisschen leid, ins Haus kommt sie aber trotzdem nicht.

Mit dem ersten Bild bin ich nicht zufrieden. Zu wenig Schärfentiefe. Aber als ich herausging, um das Motiv nochmals zu fotografieren, hatte die Morgensonne die scharfen Eisstrukturen schon angetaut. Die Sonne hat eben noch einige Kraft und auch dieser Tag verspricht schön, wenn auch mit den vorhergesagten 12 Grad nicht übermäßig warm zu werden.

Baustellenbegehung

Es wird herbstlich. Die letzten Tage war ich viel mit dem Auto unterwegs und konnte sehen, wie die Birken und Espen gelbe Blätter bekommen und von der Sonne in goldenes Licht getaucht wurden.

Heute nachmittag war aber nix mit Sonne, stattdessen hüllte Sprühregen die Landschaft in die dunkle Seite des Herbstdaseins, während Windböen die ersten Blätter von den Bäumen fegten.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, auf der 372 – der Verbindungsstraße Skellefteå—Skelleftehamn einmal anzuhalten. Dort ist nämlich eine große Baustelle, denn die eine Kreuzung soll aufgrund des Verkehrsaufkommens in einen Kreisel mit Fahrradunterführung verwandelt werden. Weitere Kreisel sollen folgen.

Ich muss ja ein bisschen lächeln, denn ich finde das Fahren auf der Straße ziemlich entspannt, da dort eigentlich nie viel los ist. Zumindest mit deutschem Maß gemessen. Es kann einem höchstens mal passieren, dass man hinter einem langsamen Auto hinterher tuckert, aber da hilft ein Kreisel ja auch nicht weiter.

Ich finde, Baustellen haben ihren Reiz beim Fotografieren. Das, was zuerst wie eine riesige Fläche aus nassem Lehm und Dreck aussieht …

… entpuppt sich bald als spannender Platz für eine eher abstrakte Motivsuche, …

… vor allem, wenn man Schwarzweißbilder macht.

Am Fluss entlang

Drei Mal war ich diese Woche in Kusfors, 7 Meilen¹ landeinwärts. Am Mittwoch habe ich mit Lasse die neue Website für unser Team Dark and Cold (ehemals „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“) geplant. Am Samstag war die Einweihungsparty von FlarkenAdventure: ein Paar aus Frankreich ist mitsamt 46 Schlittenhunden nach Kusfors gezogen, um dort Hundeschlittentouren anzubieten. Am Samstag war ich dann bei dem 30. Geburtstag eines Bekannten. Mir wurde empfohlen, doch gleich nach Kusfors zu ziehen, so oft, wie ich da sei. Meinen Gegenvorschlag, gesamt Kusfors solle einfach nach Skelleftehamn ziehen, so viele seien das ja nicht, wurde allerdings ignoriert. Komisch eigentlich.


Gestern bin ich über kleinere Nebenstrecken nach Kusfors gefahren. Dabei habe ich vor allem gelernt, wie viele Kraftwerke es im Skellefteälven gibt. An jeder zweiten Kreuzung steht ein Wegweiser „Kraftstation“ und wenn man sich das Ganze auf der Karte anschaut, dann sieht man, wie stark der Mensch in den Flusslauf eingegriffen hat, ihn gestaut hat, ihn kanalisiert hat, um Strom zu gewinnen.

Länger stehengeblieben bin ich bei der Kvistforsens kraftstation, um den Lachsen² zuzusehen. Sie schnellen aus dem Wasser und springen dabei ein Vielfaches ihrer Körperlänge, um den Wasserfall an der Seite der Staustufe zu überwinden. Manche schwimmen sogar den Wasserfall hoch, ich kann aber nicht erkennen, ob sie es schaffen, da ich viel zu weit weg stehe. Das 300-er Tele zeigt zumindest einen kleinen Eindruck dieser Höchstleistungen.

Weiter stromaufwärts ist der Fluss geteilt, ein vermutlich ursprünglicher Teil, der wenig Wasser führt und ein Kanal, der das Kraftwerk speist.

An vielen der Staustufen stehen Warnschilder, die vor gefährlichen Strömungen und schwachem Eis warnen. Der Designer des Schildes hat gute Arbeit geleistet: Was für eine gruselige Vorstellung, vor einer Staustufe unter Wasser gezogen zu werden!

Die Birken zeigen ihre herbstlichen Blätter. Da es in der vorigen Nacht recht windig war, sehen einige Birken auch schon recht kahl aus. Dagegen ist es in Skelleftehamn noch richtig grün.

Heute auf dem Rückweg habe ich angehalten und die eine Insel im Gillervattnet fotografiert. Auf dem dritten Foto im Artikel Drei Zwischenstopps könnt Ihr sehen, wie es dort im Winter aussieht. Das Gillervattnet ist allerdings kein normaler See, sondern ein großer Absetzteich der nahen Grube. Wenn man das Gelände dort betritt und in die Gegenrichtung fotografiert, dann sieht man nur Sand- und Schlammflächen. Welch Kontrast.

¹ eine schwedische Meile sind genau 10 Kilometer.
² Ich hoffe, es sind Lachse. Mit Fischen kenn ich mich nicht aus.

Blåbär

Als ich letzte Woche im Wald nach Blaubeeren geschaut habe, dachte ich schon, ich sei zu spät gekommen. Bis auf ein paar vertrocknete und sauer schmeckende Schrumpelbeeren war keine Blaubeere mehr zu finden. So viel können die anderen gar nicht gepflückt haben, die Saison war wohl einfach zu Ende. Da hat sich die Faulheit in mir ein bisschen gefreut.

Letzte Woche habe ich aber festgestellt, dass auf dem Südhang eines bewaldeten Hügels noch einige Blaubeeren wuchsen. Also bin ich heute sammeln gegangen und mein Gefrierschrank ist um ein knappes Kilo Blaubeeren reicher.

Natürlich habe ich einen gewissen Hintergedanken beim Sammeln gehabt: Zu Silvester kommen kochbegeisterte Freunde und die können auch so tolle Dinge wie Blaubeer-Crumble. Oder Blaubeer-Muffins. Oder Blaubeereis. Manchmal wird eben meine Faulheit von meiner Verfressenheit besiegt.

Mit dem Kajak nach Skelleftehamn

Heute haben Tobbe, mein Nachbar und ich einen Plan in die Tat umgesetzt, der schon viele Wochen auf dem Programm stand: Nach der Arbeit mit dem Kajak nach Hause fahren. Nicht vor die Haustür, aber zumindest nach Skelleftehamn. Die Wettervorhersage sah ganz gut aus, das spielt aber keine Rolle, weil die schwedischen Prognosen im Internet unter aller Sau sind.

Um halb fünf haben wir uns in der Stadt an dem kleinen Bootsanleger „Strömsör“ getroffen, die Kajaks vom Auto gehoben, uns umgezogen, Schwimmwesten übergestreift und schon konnte es losgehen. Wenige Minuten nach unserem Start sind wir unter der Älvsbackabron, die erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, hindurchgefahren. Die Sonne beschien die herbstlich gefärbten Bäume am Flussufer.

Dieses schöne Wetter sollte aber nicht lange anhalten, schon bald kam der erste Regenschauer und mit ihm das, was Kanuten und Radfahrer gleichermaßen lieben: Gegenwind. Ich musste mich ganz schön ins Zeugs legen, denn Tobbe ist nicht nur trainierter als ich, sondern hat auch die bessere Technik. Aber ich habe für jede Pause eine tolle Ausrede: Fotografieren.

Die Fotos stammen übrigens von der wasserdichten Canon D20, die mich außer, dass sie wasserdicht ist aber nicht überzeugt hat. Zu schlechte Bilder, zu langsam – da nehme ich lieber mein iPhone und eine wasserdichte Hülle.

Nach einer Dreiviertelstunde waren wir am Bergsbyndamm. Wenn man weiterleben möchte, dann fährt man nicht die Staustufe herunter, sondern trägt um. Es war aber gar nicht so einfach, ans Ufer zu kommen, da die Bootsstege schon an Land gebracht waren. Ich bin letztlich mich an einer Birke festhaltend aus dem Kajak herausgeklettert. (Davon gibt es leider keine Fotos.)

Auf der anderen Seite war es leicht, die Boote wieder ins Wasser zu setzen. Wir näherten uns der Bucht, an der auch der Kanuklub seinen Sitz hat. Es regnete, blies von vorne, kleine Wellen schlugen über den Bug und es wurde langsam dämmrig. Wir haben uns aber dagegen entschieden, die Tour schon in Ursviken zu beenden und sind noch ein Stück weitergefahren.

Die Wellen ließen in der Bucht nach und auch die Fahrt zu der Sundgrundsbron (über die fahre ich, wenn ich in Richtung Süden will) war recht ruhig. Mehrere Male überholten uns kleine Gruppen von Kanadagänsen, nur wenige Meter vom Boot entfernt. (Auch davon gibt es leider keine Fotos, ich war zu langsam.)

Nach der Brücke wurde das Wasser wieder etwas kabbliger, aber unser Ziel, die M/S Stormvind war schon in Sicht. Hier sind wir nach unserer zweieinhalbstündigen Tour wieder an Land gegangen, wo wir von Tobbes Familie in Empfang genommen wurden. Schnell waren die Kajaks wieder auf dem Auto festgezurrt und es ging nach Hause.

Eigentlich wollten wir noch ein paar Kilometer weiter fahren. Aber dann wäre es mindestens eine halbe Stunde später gewesen, Tobbes Tochter hätte ins Bett gemusst, damit hätte Tobbes Frau zu Hause bleiben müssen, also wir das Auto holen … . Das wäre alles irgendwie gegangen, aber so war es einfacher. Und – es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir nach Hause gepaddelt sind.

Danke, Tobbe, für die schöne Tour.

Die deutsche Steuererklärung

Sonntag, sieben Uhr: Knapp fünf Grad, Hochnebel bis hinunter zu den Baumspitzen. Der ideale Tag, um endlich meine deutsche Steuererklärung zu machen. Ich habe nach wie vor ein Gewerbe in Deutschland laufen, aber dort keine Einnahmen mehr. Die Steuererklärung 2011 sollte also simpel sein: Einfach nur Mantelbogen, Anlage G, Anlage EÜR, Gewerbesteuererklärung, Umsatzsteuererklärung mit Adresse und Nullen befüllen, ausdrucken, unterschreiben und ab geht die Post.

Manchmal bin ich eben ein bisschen naiv.

Den Mantelbogen und Anlage G durfte ich tatsächlich noch wie bisher ausfüllen, aber die anderen Formulare müssen für das Jahr 2011 erstmalig digital eingereicht werden. Das ist ja an sich eine gute Sache. Ich fand es schon immer widersinnig, lange Formulare am Computer auszufüllen und dann auszudrucken, damit irgendwelche armen Finanzbeamte die Zahlen wieder in einen anderen Computer eintragen. Effizienz geht anders.

Also habe ich meinen Webbrowser geöffnet und die Elster-Seite („Willkommen bei ELSTER – Ihre elektronische Steuererklärung“) aufrufen. Einloggen ging aber nicht. Gut, da kann das Finanzministerium auch nichts zu, dass die ELSTER-Plattform ausgerechnet auf Java basiert und eben dieses Java unter Macintosh wegen Sicherheitsmängeln in allen Webbrowsern deaktiviert wurde. Nach ein bisschen Googeln und Konfigurieren ging das aber wieder.

Aber – wo sind denn die Formulare, die ich heute auszufüllen vorhabe? Die Voranmeldungen zur Umsatzsteuer kenne ich ja schon, aber wo ist der Rest? Ich finde schließlich eine Seite, auf der ich lerne, dass man dafür spezielle Software braucht, die ich unter Software für die elektronische Steuererklärung suchen kann. Anzahl gefundener Freeware für Macintosh: 0. Anzahl gefundener Freeware für Linux: 0. Ich muss also zwingend Windows haben – und wenn ich kein “Raubkopierer” bin, also Geld an Microsoft zahlen – wenn ich in Deutschland meine Gewerbe- oder Umsatzsteuer machen möchte! Das wäre vielleicht ein interessanter Fall für das Kartellamt (oder gibt es sowas in Deutschland nicht mehr?).

Nun besitze ich als Webentwickler ein Programm, mit dem Windows auf meinem Mac ausgeführt werden kann, wenn auch nicht gerade besonders fix. In dieser Umgebung lade ich also das Programm „ElsterFormular“ (Wow, 99.2 MB nur für Formulare!) und schon nach einer Viertelstunde Installation startet das Programm und empfängt mich mit einer grüngrauen Formularoberfläche, für die der Designer im Jahre 1953 vielleicht noch gelobt worden wäre.

Ein Gutes hat das Programm: Es überprüft Formulare auf Vollständigkeit. Ein weiteres Gutes hat es ebenso: Man kann auch ohne Zertifikat, welches beweisen soll, dass ich ich bin, Formulare an das Finanzamt übertragen. In diesem Fall muss man zwar wieder Formulare ausdrucken und per Post schicken, aber sei’s drum. Es hat allerdings ein bisschen gedauert, bis ich begriffen habe, dass die angezeigten pdf-s gar nicht gespeichert wurden, sondern ich manuell die Vorschau als Kopie speichern muss. Wie gut, dass ich ein bisschen weiß, wie Computer geht, sogar auf Windows, wenn es denn sein muss.

Nach knapp zwei Stunden war ich fertig mit dem Steuernummer, Adressen und Nullen eintragen. Sogar mein 18 Jahre alter Laserdrucker funktionierte und druckte die 14 geforderten Formularseiten ein bisschen schief, aber ansonsten anstandslos aus. Nun muss ich das Ganze nur noch abschicken.

Ob ich alles richtig gemacht habe? Keine Ahnung. Aber man hat sich ja daran gewöhnt, dass die Steuererklärungen in Deutschland so kompliziert sind, dass selbst Steuerberater oft nur raten.

Im nächsten Jahr mache ich zum ersten Mal meine Steuererklärung in Schweden, bei der ich auch Musikeinkünfte angebe. Ich bin gespannt, wie kompliziert das wird.

Herbst

Man kann es nicht mehr abstreiten, der Sommer ist vorbei und der Herbst ist da. Am Montag morgen war es klar und frostig. Auf dem Autodach war Eis und nur weil mich ein Kollege mit dem Auto abgeholt hat, ist die dickere Jacke noch im Schrank geblieben.

Heute hingegen hat mich der Pladderregen aufgeweckt und es regnet dicke Tropfen aus einem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Der schwedische Wetterdienst hat für unsere Küstenregion vor ausgiebigem Regen – lokal bis 35 mm – gewarnt. Das klingt aber noch gemütlich gegen die Wetterwarnung im Inland: „Warnung Klasse 1 Früher Schneefall. Am Donnerstag Schneefall, der 2 – 10 cm Nassschnee geben kann.“

Jetzt sitze ich im Büro, der Regen prasselt auf die Vordächer aus Blech und die Gummistiefel, die ich auf dem Arbeitsweg seit Monaten nicht mehr benutzt habe, trocknen in der Küche. Da gestern ein Fest mit „The lodge“ war, unserer inoffiziellen Branchenvereinigung, und einige Kollegen in Stockholm sind, ist es hier noch sehr ruhig. Mal schauen, wann die anderen eintrudeln. Da wir die letzten Wochen zwei große Projekte abgeschlossen haben und die nächsten Projekte noch nicht gestartet sind, kann ich es ruhig angehen lassen.