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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Winterbaden

Die Nacht war klar und der Himmel verspricht einen schönen Tag. Die tief stehende Sonne strahlt die Schäfchenwolken rosa an. Auf dem Eis des zugefrorenen Flusses steht ein Mann. Er hat eine Kettensäge in der Hand.

Er sägt große Blöcke aus einer Stelle, die wohl schon einmal offen war, aber jetzt wieder zehn Zentimeter dick von Eis bedeckt ist. Als die Eisblöcke aus dem Wasser gehoben sind, gähnt einem ein Loch im Eis entgegen. Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, Grund ist nicht zu sehen.

Doch verlassen wir die morgendliche Szene und drehen die Zeit ein wenig zurück.

Ich bin ja seit letztem Winter Mitglied der Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner, auf deutsch Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der positive Erlebnisse rund um die hier im Norden herrschende Dunkelheit und Kälte schafft. Unsere erste Veranstaltung ist die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen, die am 4. Februar hier in Skellefteå stattfinden wird.

Die Standarddisziplin ist 25 Meter Brustschwimmen, es kommt aber auch eine Extremsportlerin,die 450 Meter (sic!) in dem eiskalten Wasser schwimmt. Wir wollen aber nicht nur Supersportler, sondern auch Normalpersonen als Teilnehmer. Und für die hat Jarkko gestern in Kusfurs einen Workshop im Winterbaden angeboten. Nach einer theoretischen Einführung sollte jeder, der will, das ganze natürlich ausprobieren können. Und dafür braucht man eben ein Loch im Eis.

Bevor der Workshop begann, habe ich versucht Unterwasseraufnahmen zu machen. Dabei hatte ich aber einen Survivalanzug an, der komplett wasserdicht ist und schön warm hält. Einige Stunden später später bin ich wieder in das Loch gestiegen, dieses Mal nur mit Badehose und lustiger Mütze bekleidet. Insgesamt zehn Teilnehmer haben das Winterschwimmen ausprobiert. Frauen, Männer und auch ein elfjähriger Junge.

Wie geht das ganze vor sich? Zuerst wärmt man sich auf, dazu reicht schon ein kurzer flotter Spaziergang. Dann zieht man sich aus, stellt sich auf die oberste Sprosse, nimmt einen tiefen Atemzug und steigt, langsam ausatmend und mit dem Rücken zuerst ins Wasser. Dabei setzt ein gewisser Fluchtreflex ein, der dazu führt, dass man schnappatmet. Ich habe also versucht, ganz bewusst ruhig ein- und auszuatmen. Nach fünf bis zehn Sekunden beruhigt sich die Atmung und dann ist es richtig schön in dem kalten Wasser. Ich war vorher so mit der Atmung beschäftigt, dass ich keinen Moment die Kälte gespürt habe. Wenn man wieder aus dem Wasser aussteigt, ist es wichtig, sich schnell abzutrocknen und warm anzuziehen. Extra dafür habe ich meinen warmen kanadischen Daunenparka mitgenommen. Der hielt mich danach auch schön warm, aber über die warme Gulaschsuppe, die es anschließend im Café gab, habe ich mich doch sehr gefreut.

Das Gefühl danach ist herrlich. Man fühlt sich nicht nur bis in die letzte Pore erfrischt und wach, sondern der ganze Körper richtet sich auf und man steht viel gerader da. Eine Wohltat für Büroarbeiter wie mich.

Als ich nach der Suppe noch einige Sachen hereingeholt habe, war das Eisloch schon wieder am Zufrieren. Am nächsten Samstag findet ein Workshop in Ursviken statt, gleich um die Ecke. Da bin ich wieder dabei.


Einige Tipps zum Winterbaden:

  • Wärme Deine Muskulatur auf, bevor Du in das Eisloch gehst.
  • Trage eine Mütze
  • Bade nicht direkt nach der Sauna
  • Atme ruhig wenn Du ins Wasser gehst, das kalte Wasser kann die ersten Male zu einem ungefährlichen Atemkrampf führen
  • Bleibe die ersten Male nur kurz im Wasser
  • Ziehe Dich warm an nach dem Bad und trinke etwas lauwarmes
  • Bade nie alkoholisiert oder wenn Du krank bist
  • Nimm einen Freund mit
  • Falls Du unsicher bist, sprich mit Deinem Arzt
  • Höre auf Deinen Körper

9 Kommentare für „Winterbaden“

Sonya schreibt:

Bbbrrrr. Aber wie du es beschreibst hört es sich schön und machbar an. Also nicht übereilen und immer ruhig atmen, passt zu so vielem. Schwimmst du auch bei der Meisterschaft mit?

Olaf Schneider schreibt:

Ich glaube nicht, dass ich dort mitschwimme. Eintauchen oder 25 Meter Brustschwimmen (und da bin ich wirklich extrem langsam) ist noch einmal etwas völlig anderes.

Harald Legner schreibt:

Ok, eine Mütze ist wohl im Winter eh meist ratsam, aber warum wird die für das Eisbaden speziell erwähnt?

Olaf Schneider schreibt:

@Harald Legner: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum die Mütze so wichtig ist, dass sie bei Meisterschaften zur Bedingung gemacht wird.

Entweder verlängert sie die Zeit, die man ohne Unterkühlung im Wasser bleiben kann, da der Körper den Kopf weniger heizen muss, oder sie soll Erfrierungen verhindern. Bei der finnischen Meisterschaft letzten Winter war die Lufttemperatur immerhin fast 30 Grad minus.

sabine schreibt:

yippie!! ich *wusste* dass du es irgendwann machst! held! und tolles bild!

Pia schreibt:

Respekt, Olaf!!!!

Ich bin wirklich beeindruckt!
Selbst bekomme ich bereits bei 13 Grad Wassertemperatur Schnappatmung… ;-)

Günter schreibt:

Wow – die meisten Bilder von Unterwasserkameras zeigen Fische in tropischen Gewässern. Ich habe noch nie Fotos von eisbadenden Menschen gesehen. Respekt, ich gehe lieber ins Wasser, wenn es schön warm ist :-)

Chris schreibt:

Großer Respekt an dich Olaf, sowas hätte ich mich echt nicht getraut.
Vorallem die Mütze dazu sieht sehr stylisch aus ;-)

Vielen Dank für den Artikel.

Olaf Schneider schreibt:

Wenn ich gewusst hätte, wie sehr ich mit einer so einfachen Sache wie Winterbaden Menschen beeindrucken kann, hätte ich vielleicht viel früher damit angefangen ;-)

Aber jetzt im Ernst: Der schwierigste Teil des Winterbadens scheint der Entschluss zu sein, nicht das Baden selbst. Denn ich war oft dabei, wie Menschen das zum ersten Mal probiert haben und die meisten finden es einfach nur schön. (Die wenigen anderen lassen sich nicht genug Zeit.)

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