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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Zum Winter? Drei Meilen westwärts.

Seit Donnerstag schneit es ziemlich viel und der SMHI hat für weite Teile des Landes Schneewarnungen ausgesprochen. In meinem Garten liegen jetzt 17 cm Schnee. Nicht soo viel. Der ist allerdings nicht so leicht und fluffig wie im letzten Jahr, sondern wegen der leichten Plustemperaturen nass und – wie ich beim Schneeschaufeln feststellen musste – sackschwer. Die Bäume sind schneefrei, denn gestern Abend war es hier sehr windig und den Rest hat das leichte Tauwetter gemacht.

Ich war neugierig, wie weit ich ins Inland fahren muss, bis ich richtiges „Winterwunderland“ habe. Davor musste ich aber erst einmal tanken. Dort stand ich in tiefen, braunen von nassen Schneematsch umrahmten Pfützen, während mein Saab sich vollaufen ließ. Also – so einen Winter kenne ich, ich habe elf Jahre im Ruhrgebiet gelebt.

Der erste Halt wie schon vor drei Wochen ist die Bucht bei Ursviken, wo auch der Kanuklub ist. Tatsächlich ist jetzt die ganze Bucht zugefroren und mehr oder minder schneebedeckt. Allerdings sieht man am Ufer sehr deutlich, dass das Eis an manchen Stellen dünn und nass ist.

Das Autofahren auf der nassen, mit Spurrillen versehenen und noch nicht geräumten 372 in die Stadt macht keinen Spaß, aber schon direkt nach der Stadt in Medle ist die Stimmung eine ganz andere. Die Straßen sind weiß, die Wiesen, die Bäume und der Himmel sind weiß und es schneit.

Hier ist das Autofahren viel leichter und man sieht auch viel besser. Allerdings sehe ich auch, dass so manche Nebenstraße nicht geräumt ist. Da wüsste ich manches Mal noch nicht einmal, wo ich überhaupt hereinfahren sollte. Aber ohne Traktor oder Raupe ginge das ohnehin nicht. Und die sind heute alle, alle unterwegs und räumen Grundstücke und Straßen.

Ich möchte rechts in Richtung Svanström abbiegen, doch da versperrt so ein Schneeräumungetüm mit voller Breitseite die Straße. Eine junge Frau kommt auf mich zu, sagt, dass die Straße frei ist und fährt das baustellengelbe Fahrzeug weg, damit ich abbiegen kann. Und die Straße ist frei. Frei von Schnee und frei von anderen Autos. Fast! Den einem Auto fahre ich irgendwann hinterher. Und wenn man einem schwedischen Auto hinterher fährt, dann ist man oft zu schnell …

Irgendwann komme ich dann auf die 95 und biege wieder in Richtung Westen ab. Würde ich der Straße immer weiter folgen, wäre ich am Abend im norwegischen Bodø am Atlantik. Aber heute fahre ich nur ein Stückchen und freue mich über die schöne, frische Winterlandschaft. Die Landschaft wird hügelig, ich stelle mein Auto auf einer Parkbucht ab, schultere meinen neuen Kamerarucksack (gefüllt!) und laufe auf einem Forstweg in den Wald.

Der entpuppt sich allerdings als unfassbar matschig, denn der Boden ist nur oberflächlich gefroren und die überschneiten Pfützen sind oft nicht zu sehen. Wieder einmal bin ich über meine Gummistiefel sehr froh. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und laufe einen Hang hoch. Da bin ich, wie mir die vielen Spuren zeigen, nicht der erste, aber die anderen Fußstapfen sehen alle sehr nach Elch aus. Hinter dem bewaldeten Hang geht es noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Ich bin überrascht, dass dieser kleine Buckel doch größer ist als angenommen. (Der Berg heißt übrigens Storberget und ist 298 Meter hoch. Stor heißt groß. Ja, Münchner, lacht ihr ruhig.)

Nach einer kurzen Schokoladenpause laufe ich einen anderen Weg wieder herunter. Ich finde das gar nicht so einfach, die Richtung beizubehalten, weil man doch ziemlich zickzack gehen muss, denn mancher Waldabschnitt ist fast undurchdringlich. Ich schaue zwischendurch auf Handy-Karte und Handy-Kompass, um mich abzusichern, denn es ist schon nach eins und bald wird es bei dem trüben Schneewetter dunkel werden. Ich hätte es zwar einfacher, über den kleinen See namens Bergtjärnen abzukürzen, aber ich habe keine Ahnung, ob das Eis trägt. Also stapfe ich durch den vierzig Zentimeter tiefen Schnee durch den Wald zurück, bis ich wieder am Auto bin.

So gegen drei bin ich wieder zu Hause. Ich wäre eher da gewesen, wenn nicht ein Autofahrer meinte, Tempo 50 sei auf der Tempo-90-Straße nach Skelleftehamn durchaus angemessen. Nicht alle Schweden fahren zu schnell.


Eigentlich hatte ich für heute geplant, noch einmal Kajak zu fahren, denn das wird nicht mehr lange gehen. Aber als ich gestern Abend die überraschend hohen Wellen gesehen habe, die sich am Ufer gebrochen haben, habe ich diesen Gedanken ganz schnell aufgegeben.

Ich habe gestern übrigens wieder einmal versucht, Schneesturm in der Nacht zu fotografieren. Mit verschiedenen Objektiven, mit und ohne Blitz, mit dicker 300-Watt-Leuchte und ISO-Werten bis 3200. Ich krieg’s nicht hin! Aber was macht man mit dem Fotomaterial? Zum Beispiel eine abstrakte Fotokollage:

8 Kommentare für „Zum Winter? Drei Meilen westwärts.“

delle schreibt:

Hey Schnee mann Das du bei diesem Wetter dich mit dem Auto raustraust find ich richtig gut da lehrnt mann Autofahren.
Viele km noch und bis bald.
PS. es heißt 300Watt leuchte denn ich glaube nicht das du ein Drehstromanschluss hast der dann aber 400 Volt hat
2.PS bin jetzt auch bei sype

Evi schreibt:

Du bist aber verdammt mutig, so allein in der Wildnis!!!!
Und trotzdem bin ich immer total begeistert über Deine Berichte und Fotos!!!! Ja, auch das Abstrakte hat etwas „unheimlich“ Schönes!

Olaf Schneider schreibt:

Danke Delle, da liest man zehn Mal Korrektur und dann steht da doch noch so’n Blödsinn mit 300 Volt drin. Ist korrigiert.

Olaf Schneider schreibt:

@Evi: Na ja, Wildnis ist anders ;-) Um den Berg sind genug Straßen (Karte). Nur wenn ich nach Osten gelaufen wäre, wäre ich im „Neumoor“ gelandet.

Evi schreibt:

Na, Du kennst Dich nach der „kurzen“ Zeit, die Du dort lebst, ganz gut aus!!! Aber Du bist ja fast in jeder freien Minute unterwegs!?!

Olaf Schneider schreibt:

Die Gegend kannte ich nicht. Aber ich bin schon so oft „querwaldein“ gelaufen, dass ich mich inzwischen halbwegs orientieren kann.

Annika schreibt:

Hach, was schöööön… *seufz*… will auch…

Sab schreibt:

Herrlich diese Fotos… Da will man sofort Sachen packen und los in den Norden.

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