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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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deutsche Nachlese

Seit einigen Tagen bin ich wieder zu Hause, und da ich zur Zeit viel um die Ohren habe, scheint die Deutschlandreise schon in weite Ferne gerückt. Dabei war ich vor genau drei Tagen noch in München auf dem Flughafen.

Was mich nach Deutschland zieht, ist einfach: Familie und Freunde. Schade, dass ich es immer nur schaffe, einen kleinen Teil zu besuchen, und oft zu kurz.

Was mich aber gar nicht mehr nach Deutschland zieht, ist das Land selbst. Die Stadt München, in der ich sechs Jahre gelebt habe, ist mir egal geworden. Und das finde ich schon sehr seltsam. So sauwohl ich mich in meiner neuen Heimat im Norden fühle, so ging es mir doch auch in München sehr gut, auch wenn ich dort niemals wirklich heimisch geworden bin.

Es war seltsam, die Tage wieder durch München zu laufen. So vieles erkenne ich wieder und es wirkt doch fremd, so als kenne ich die Stadt nur aus Büchern und sei nie richtig dagewesen. Ein Teil von mir bewunderte wie ein Tourist die vielen Geschäfte, die großen Kirchen und die schönen Wege an der Isar und im Englischen Garten, während ein anderer Teil sich von den vielen Menschen und Autos überfordert fühlte und sich nach dem weitläufigen, aber klein wirkenden Nordschweden sehnte. Ich war traurig, von so vielen mir nahe stehenden Menschen wieder Abschied nehmen zu müssen, aber froh, als ich wieder zu Hause war. […]. Deutschland ist zwar meine ursprüngliche Heimat, aber überhaupt nicht mehr mein Zuhause.

Letzten Samstag war ich in Mittenwald und habe eine Tour in den Alpen gemacht, das war toll! Und dort fand ich auch einiges wieder, was mir hier im Norden so gut gefällt: Die Weite, die Ruhe und das Gefühl, über seinem Alltag zu stehen.

Zum Wetter: Letztes Jahr hatten wir einen sehr frühen Winter. Schon Anfang November fiel der erste Schnee und blieb den Rest des Winters liegen. Dieses Jahr ist es anders herum. Vorgestern früh, am 8. November: Skellefteå Flugplatz +10 °C, München Flughafen +1 °C.

Gestern am 9. November war war das ganze Land schneefrei, erstmals seit 1904 an diesem Datum. Und eine Kälteperiode oder Schneefall ist nicht in Sicht. Also werden wir noch weiterhin Spätherbst mit kahlen Bäumen, ein bisschen Bodenfrost und dunklen Nachmittagen haben.

Link zum Schneemangel (schwedisch): Nytt rekord: snöbrist i hela landet 9 november

9 Kommentare für „deutsche Nachlese“

delle schreibt:

Ich hoffe das ich diese Ruhe und weniger Menschen bald Lieben werde

Sylvia Bolm schreibt:

Ich finde Deinen Text schon sehr interessant, was das „fremdeln“ angeht. Mir geht es mit meiner Ruhrpottheimat ähnlich. Nach einiger Zeit entsteht eine Distanz zw. der Stadt und einem selbst. Das hat auch etwas damit zu tun, dass ich Großstädte als laut und fast immer als naturfern empfinde – man ist ja ganz bewußt dort weggegangen und weiß nun letztlich, man hat es richtig gemacht.

Stine schreibt:

Hallo Olaf!
Ich oute mich jetzt mal als Voyeur in Deinem Blog. Wir kennen uns nicht (keine Sorge)! Ich wohne in Norddeutschland, in der Nähe von Hannover und Bremen auf dem platten Land und interessiere mich sehr für Schweden. Ich war bisher 5x dort und spreche mittlerweile auch ganz passabel schwedisch. Leider spricht hier kaum jemand mit mir und ich beschränke mich auf momentan auf schwedische Krimis in Originalausgabe. Im Sommer 2010 habe ich eine Bulli-Tour bis nach Nordschweden gemacht und war mehr als beeindruckt. Insgeheim träume ich auch davon, mich einfach auf und davon zu machen. Beim Internetsurfen nach dem o.g. Urlaub bin ich auf Deinen Blog gestoßen und verfolge ihn seitdem regelmäßig. Ich wollte nur mal loswerden, dass es (für mich) superinteressant ist, zu lesen, wie du umgezogen bist und dir eine neue (oder zweite) Heimat geschaffen hast. Ich habe großen Respekt davor! Und Deine Fotos sind toll! Sehr interessant finde ich jetzt diesen Eintrag zu Deinem neuen Verhältnis zu Deutschland. Ich liebe in Schweden auch vor allem die Einsamkeit, die Natur und die Gelassenheit. Ich hoffe, Du machst hier weiter!Vielleicht finde ich auch irgendwann Deinen Mut! Grüße aus Deutschland – Stine

sabine schreibt:

lieber olaf,
aber das heisst doch, dass du alles richtig gemacht hast, wenngleich ich es vermutlich anders formulieren würde und eher zwischen „heimat“ (=deutschland) und „zuhause“ (=skelleftea) unterscheiden würde. aber das ist ja letztlich auch egal, wie *ich* es nennen würde. :-) deine erzählungen und fotos machen jedenfalls seit langem deutlich, wo dein zuhause ist. und dein richtiges *zuhause* sieht übrigens wahnsinnig gemütlich aus!
lieben gruß aus dem deutschen november (ich liebe den nebel!!), sabine

Olaf Schneider schreibt:

@Stine: Schön, dass Dir mein Blog gefällt. Schöne Grüße nach Niedersachsen (Ich bin übrigens Bremer).

@sabine: Danke für diesen Hinweis. Du hast Recht, dass ich hier den Begriff „Heimat“ doppelt verwendet habe. Da man den Satz auch so deuten konnte, ich stünde nicht (mehr) dazu, aus Deutschland zu kommen, habe ich ihn geändert. Schöne Grüße in den Nebel aus dem Ort, der heute morgen wieder sieben Grad wärmer war als München.

sabine schreibt:

huch, nein, ich wollte dich nicht auf eine „fehlerhafte“ verwendung des begriffes hinweisen, ich habe das auch gar nicht so interpretiert, als würdest du deine vergangenheit „negieren“. – aber sei’s drum, aus deinen worten spricht jedenfalls, dass du dich im jetzt wohlfühlst, und das ist super! lg!

delle schreibt:

@Stine Hallo erstmal. Bin ein Freund von Olaf und werde nicht davon loskommen im april 2013 nach Nordschweden einzuwandern. Olaf bietet mir zum Glück eine menge Starthilfe. Aber mit dem Schwedisch lehrnen habe ich so meine Problemen . Was hast Du denn so gemacht um der Sprache mächtig zu werden???????
Wohne auch inne Nähe von Bremen (delmenhorst) vieleicht können wir uns mal trefen und uns ein wenig austauschen. liebe grüße
delle

Stine schreibt:

Hallo Delle :)!
Ohh….noch einer, der sich traut. Toll!
Also, ich habe mir vor zwei Jahren einfach mal ein Lehrbuch im Internet bestellt und zwar „Välkomna“ (den Verlag weiß ich grade nicht, Klett?) und allein zuhause gelernt. Darin sind so einzelne Lektionen wie in einem Schulbuch mit Übungen und auch eine CD, damit man lernt, auch das Gesprochene zu verstehen (was immer und auch immer noch das schwierigste ist, wie ich finde). Als ich im Jahr danach in Schweden war, hab ich soviel wie möglich schwedisch gesprochen und wurde sogar ein Mal für meine gute Aussprache gelobt :)! Dann habe ich begonnen, mir schwedische Krimis zu bestellen und lese sie mit Begeisterung. Außerdem habe ich ein paar schwedische Internet-Bekanntschaften, denen ich auf schwedisch schreibe. Ich wohne in der Nähe von Nienburg/Weser, also nicht weit entfernt. Vielleicht kann uns Olaf behilflich sein, unsere mail-Adressen auszutauschen? Viele Grüße!

delle schreibt:

macht er bestimmt
hej hej