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Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der dritte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Inzwischen sind wir auf den Vesterålen, wo wir bei und mit Freunden herrliche Tage zwischen Entspannung (und gutem Essen!) und Bergtour erleben.

Nachdem wir mit der Fähre nach Melbu übersetzt haben und nun auf den Vesterålen waren, hatten wir es nicht mehr weit zu Julia und René. Die beiden sind letztes Jahr nach Norwegen gezogen und haben ziemlich schnell einen Hof gekauft, den sie jetzt renovieren. Vor dem Haus läuft die Straße, direkt dahinter liegt das Ruderboot alten Stils am Hadselfjorden. Hinter dem Haus liegen Moore, Wälder und Berge, die meisten gut zu Fuß erreichbar.

Schon gleich am ersten Tag sind wir – nachdem wir für eine Besorgung Renés mit dem Auto um fast die ganze Insel gefahren sind – bei recht grauem Wetter eine schöne, große Abendrunde über Moor und durch Wald gelaufen. Danach habe ich mich erst einmal mit Fieber ins Bett gelegt und einen Tag Auszeit genommen. Aber am Abend des zweiten Tages ging es mir schon wieder gut genug, um mit Sonya von René über das Meer gerudert zu werden. Was für ein Luxus!

Abends klarte es dann auf und der Vollmond leuchtete über den wolkenumhangenen Bergen der benachbarten Lofoten. Was für eine herrliche Stimmung, die ich leider mit der Kamera nicht wirklich einfangen konnte.

Die nächsten beiden Tage hatte Julia frei und wir konnten zu viert zwei sehr schöne Tagestouren machen. Am Samstag sind wir auf den Dalbotntinden gelaufen. Schon bald waren wir am Fuß des ersten hügeligen Berges, wo wir auf einem kleinen, fast unsichtbaren Pfad an einem Bach aufwärts stiegen. Julia und René waren über die Bartflechten begeistert, die hier auf einigen Birken wuchsen, daraus kann man nämlich Suppe machen, die dann nach Pilzen schmeckt. Denn Pilz ist ja der Hauptbestandteil des Doppelwesens Flechte.

Bald waren wir über der Baumgrenze, die liegt ja in diesen Breiten nicht sehr hoch und haben an einem herrlichen See Pause gemacht. Julia war in dem eiskalten Wasser baden, ich hatte als gute Ausrede, dass ich ja am Vortag noch krank gewesen sei. Über den heißen Kakao, den René an Ort und Stelle gekocht hat, haben wir uns aber alle gefreut.

Nach der Pause ging es höher und höher, bis wir schließlich auf dem breiten und bequemen Grat den Gipfel erreicht haben. Während die eine Seite ganz sanft abfällt, geht es auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Ein Berg mit zwei Gesichtern.

Auf dem Rückweg haben unsere Gastgeber dann Gelegenheit gehabt, Flechten für die nächsten zwanzig Suppen zu ernten, so viele wuchsen an den kleinen, krummen Birken. Auf der Insel gibt es auch keine Rentiere, denen man das Futter streitig macht. Da wir erst recht spät losgekommen sind, war es später Abend, als wir wieder zu Hause waren. Aber das macht ja nichts, denn die Sonne scheint 24 Stunden. Leider wieder hinter dichten Wolken.

Am Sonntag schien die Sonne, ein herrlicher Tag. Da wir dieses Mal noch später losgekommen sind, haben wir uns eine kürzere Tour ausgesucht und sind auf den Hallartinden gestiegen. Wir hatten einen herrlichen Blick, Sonnenschein und genug Schokolade. Da kann man schon einmal länger oben bleiben.

Und das ganze als scrollbares Panorama:

Aber irgendwann ging es wieder heimwärts, wo Julia Pizza im heißen Wohnzimmerofen gemacht hat. Und dies war eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe. Wahrscheinlich fühlte sich auch der Ofen verpflichtet, der kam nämlich aus Italien.

Sonya und ich haben inzwischen beschlossen, die Gastfreundschaft unserer Freunde noch einen Tag länger in Anspruch zu nehmen. Nach zwei Tagen Bergen wollte ich noch einmal ans Meer. Muscheln sammeln und Vögel fotografieren. (An alle, die Austernfischer fotografieren wollen: Nehmt einen guten Gehörschutz mit, die Vögel sind extreme Schreihälse.)

Nachdem ich am Meer war, wollte ich nochmal ins Meer. Mit Neoprenanzug, Schnorchel und Renés Unterwassergehäuse für die Kamera. Die Aktion war eher lustig als erfolgsgekrönt. Zum einen hat der Neoprenanzug einen so starken Auftrieb, dass ich überhaupt nicht abtauchen konnte. Zum anderen konnte ich mit der Tauchermaske durch den Kamerasucher rein gar nichts erkennen und habe nur blind abgedrückt. Aber wie gesagt – lustig war’s und so ist der im Auto mitreisende Overall wenigstens zum Einsatz gekommen.

Abends gab es dann eine Suppe aus Flechten. Nach traditionellem samischem Rezept gehört Rentiermilch dazu, wir haben uns mit Sahne beholfen. Es ist schon faszinierend, wie sich die gekochten Flechten von komischer Pampf zu leckerer Suppe verwandelt haben.

Am nächsten Morgen haben wir in Ruhe gefrühstückt, unsere tausend Sachen gepackt und weiter zu Björn Klauer in Innset gefahren. Auch dieser Weg – wunderschön. Spät am Abend gab es einen herrlichen Regenbogen, der sich über die schönen, grasgedeckten Häuser von Björns Huskyfarm erstreckte. Am nächsten Tag sollte unsere Wandertour losgehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Vielen Dank an Julia und René für ihre Gastfreundschaft, die gemeinsam erlebte Zeit und auch für das gute Essen.

7 Kommentare für „Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen“

sabine schreibt:

immer wieder traumhaft schöne bilder, dankeschön! ich lese und kucke alles immer sehr gerne mit! lieben gruß aus münchen im regen!

Julia Köhler schreibt:

Vielen Dank für die tollen Bilder, die mir eine große Lust auf Urlaub machen :-) Leider bin ich rund 3.000 km entfernt, so dass ich mich noch ein weng gedulden muss, zumal ich gerade von einem großen Schwedenurlaub zurückgekommen.

Viele Grüße
Julia

Olaf Schneider schreibt:

@Sabine. Liebe Grüße zurück. Hier ist es fast immer sonnig und halbwegs warm gewesen. Heute gibt es auch mal ein paar Wolken.

@Julia: Wo warst Du denn in Schweden?

Julia Köhler schreibt:

Hallo Olaf,

ich habe eine kleine Rundreise mit dem Wohnwagen gemacht, von der Westküste (Stenungsund, Grebbestad) zum Vännersee (Mariestad), nach Idre und Östersund. Dann war der Urlaub leider rum und es ging über Örebro und Småland wieder nach Hause. Das nächste Mal möchte ich aber unbedingt weiter „nordwärts“ :-) Da macht auch Dein Blog Lust auf mehr :-)

Olaf Schneider schreibt:

@Julia: das ist schon ziemlich schwedisch, das als „kleine Rundreise“ zu bezeichnen. In Idre und Östersund war ich noch nie, Südschweden (Trollhättan) ist nächste Woche dran. Hast Du Tipps, was man sich ansehen sollte?

Julia Köhler schreibt:

Hallo Olaf,

die „kleine“ Rundreise war irgendwie so schnell vorbei, dass ich am liebsten noch ein paar Stationen eingebaut hätte, aber das lässt sich nicht mit den Finanzen und den sonstigen Umständen vereinbaren.

In Trollhätten war ich übrigens auch auf der Durchreise und habe mir das Saab-Museum angeschaut. Wer weiß, wie lange es das noch gibt. Dort gibt es auch eine Seilbahn über den Trollhättan-Kanal, mit der ich bestimmt gefahren wäre, hätte ich keine Höhenangst :-)

http://www.vastsverige.com/de/Visit-Trollhattan-Vanersborg/products/46214/Innovatum-Linbana/

Sehenswert fand ich auch die Trollhattan-Schleuse.

Aber wahrscheinlich bin ich zu spät mit dem Posten und Du hast das wahrscheinlich schon alles gesehen.

Sonya schreibt:

Die Tage bei Julia und René waren traumhaft, auch von mir ein tusen takk für eure Gastfreundschaft. Es ist ein herrliches Stück Land wo die beiden wohnen und mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich an die gemeinsame Zeit denke.

Für mich war es besonders toll, meinen SM-Freund René endlich persönlich kennenzulernen. SM steht dabei für Social Media, nicht was ihr wieder denkt.

Die Bartflechtensuppe war übrigens hervorragend, auch wenn ich während der einzelnen Zubereitungsschritte von Auskochen zu schwarzer Pampe fast nicht daran geglaubt habe.

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