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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Sommerwoche

Ich sitze in meinem Haus und alle Fenster und Türen sind geöffnet. Denn über Nacht hat sich kühleres Wetter mit Wolken und Regen angeschlichen. Gestern wurden am Flugplatz noch 30 Grad gemessen, heute morgen um halb zehn sind es gerade noch zwölf. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so böse, denn gestern hatte ich auch im Wohnzimmer 28 Grad (im Wintergarten sogar 35) und ich freue mich, wieder etwas angenehmere Temperaturen in die Zimmer zu bekommen.

Aber schön ist es, wenn man unter dem duftenden Flieder – endlich, endlich blüht er – sitzen und lesen kann, während am klarblauen Himmel die Möwen kreischen. In der Nachbarschaft ist es ruhig, die meisten sind wohl in Ihren Sommerhäusern. Am kleinen Strand von Storgrundet war gestern Betrieb, das heißt, etwa fünf Personen saßen dort und drei Jugendliche planschten im Wasser. Und zum ersten Mal setzen bei mir keine Fluchtreflexe ein, als ich Baden ging, denn nun war das Wasser einfach erfrischend und nicht nur schweinekalt wie noch vor ein paar Wochen.

Abends habe ich erst mit ein paar Leuten gegrillt und dann haben wir in der Bonnstan Kubb gespielt.

Bonnstan ist das Kirchendorf in Skellefteå. In dessen kleinen Holzhäusern konnten früher die Bauern übernachten, wenn der Weg zur Kirche zu weit war, um an einem Tag hin und zurück zu reisen. Man vermutet, dass das erste Kirchendorf in Skellefteå um 1600 entstand. Heute kann man die Häuser als Sommerwohnung mieten.

Kubb ist ein Spiel mit zwei Mannschaften, die mit Holzstöcken Holzblöcke umwerfen müssen. Diese Blöcke werden zurückgeworfen um wieder umgeworfen zu werden. In der Mitte steht der König. Verwirrt? Kein Problem, denn ein größerer Teil des Spiels wird von der Diskussion der Regeln eingenommen.

Erster Erfolg stellt sich ein: Jetzt habe ich angenehme 22 Grad im Wohnzimmer und ich mache mal schnell Fenster und Tür zu, denn sonst ist der Flügel beleidigt.

Nörd-Degerberget

Am Freitag Abend sind eine Freundin und ich gemeinsam zum Nörd-Degerberget gefahren, der mit seinen 217 Metern groß genug ist, um einem eine herrliche Sicht über das ganze Umland zu geben. Der Anstieg war nicht schwer, aber spannend, weil man durch riesige Granitblöcke durchsteigen musste. Wer lieber klettert, kann sich natürlich auch an der südöstlichen Steilwand versuchen.

Schon bald waren wir oben und hatten wie erwartet einen herrlichen Blick über das Land, die Wälder und einige Seen. Am östlichen Horizont konnte man das Meer erahnen. Nur die sieben Kirchen, die man laut einer alten Beschreibung vom Berg aus sehen können soll, blieben uns verborgen. Vielleicht waren damals die Bäume in den Wäldern noch kleiner. Wer weiß.

Trotz des sehr warmen Wetters haben wir auf dem Berg ein Feuer gemacht, hauptsächlich um zu grillen. Der erste Gang: Würstchen im Hafer-Dinkel-Teigmantel, der zweite Gang: gedünstete schokoladengespickte Banane. Beide Rezepte stammen von Elisabet, die leider ziemlich von Knott umlagert und gebissen wurde. Ich blieb rätselhafterweise unbehelligt. Nachdem wir sehr sorgfältig das Feuer gelöscht haben, sind wir im Licht des späten Sonnenunterganges abgestiegen und mit dem Auto zurückgefahren. Genau um Mitternacht war ich wieder zu Hause und es war noch immer/schon wieder hell.

Knott ist eine Mückenart, die wie die Stechmücke gerne vom menschlichen Blut nascht. Allerdings beißt sie eher, als dass sie sticht und das tut ziemlich weh. Wegen eines Stoffes, der die Gerinnung verhindert, können die Bisse blutende Stellen und blaue Flecke verursachen.