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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der schwedische Hyperraum (SHR)

Ich habe mich lange gefragt, nach welchen Verkehrsregeln sich die Schweden auf kleinen Straßen und an kleinen Kreuzungen richten und zwar sowohl die Fußgänger, die Radfahrer und die Autofahrer. Die mir bekannten Verkehrsregeln schien keiner auch nur im mindesten zu befolgen. Und dennoch passiert nichts.

Ich habe jetzt eine quantenphysikalische Theorie entwickelt, die dieses Phänomen erklären könnte: Es gibt einen Schwedischen Hyperraum (SHR). Dieser Schwedische Hyperraum ist ein gekrümmter Extraraum, der ein wenig Extraplatz in der vierten Dimension unterbringt. Dieser Platz steht Verkehrsteilnehmern dann zur Verfügung. Aber nur unter bestimmten psychologischen Konditionen, die ich später erläutern werde.

Das ganze funktioniert so: Egal ob einfach auf der Straße oder an einer Kreuzung: Alle fahren im mäßigen Tempo aufeinander zu. Keiner weicht aus. Der Schwedische Hyperraum sorgt automatisch für den benötigten Extraplatz und verhindert so erfolgreich Kollisionen.

Damit das Ganze funktioniert, müssen allerdings alle Verkehrsteilnehmer verschiedene Bedingungen erfüllen:

1. Mäßiges Tempo fahren. Nicht umsonst gibt es das schwedische Wort lagom, welches in etwa „gerade recht“ bedeutet. Und so müsst Ihr auch fahren. Nicht zu schnell, das schafft der SHR nicht und nicht zu langsam, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

2. Nicht ausweichen. Auf keinen Fall darf man bewusst die Richtung ändern, um anderen auszuweichen. Ausweichen tut man nur Bäumen und Elchen. Wenn Du als Radfahrer links fährt, bleib dabei. Wenn Ihr zu siebt nebeneinander geht, bleibt dabei. Der SHR ist gekrümmt und Ihr kommt aneinander vorbei. Weicht nicht aus, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

3. Augenkontakt vermeiden Mir scheint, dass der SHR nur dann stabil ist, wenn man jeglichen Augenkontakt zu allen anderen Verkehrsteilnehmern vermeidet. Warum sollte man auch schauen, der SHR sorgt ja dafür, dass man problemlos aneinander vorbei kommt. Da mischt sich der Mensch lieber nicht ein. Also schaut auf keinen Fall einem anderen in die Augen, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

Für mich als Deutschen (und als jemand, der in München geradelt ist), ist es ganz schön schwierig, sich an diese Regeln zu erinnern, wenn alle auf Ihren gedachten Fahrlinien auf mich zulaufen, -radeln und -fahren. Und meistens werde ich doch langsamer, schaue jemanden an oder weiche doch aus und eiere irgendwie – verwunderte Blicke erntend – an den anderen vorbei. Und so brauche ich wohl noch ein bisschen Zeit, bis ich den Schwedischen Hyperraum akzeptiere und auch als Fahrradfahrer entspannt auf der linken Seite, ohne auszuweichen und ohne zu schauen, weiter meinem Ziel entgegen fahre.

Liebe Akademiker, hier besteht noch großer Forschungsbedarf:

  • Warum ist der SHR mit der menschlichen Aufmerksamkeit gekoppelt?
  • Gibt es Parallelen zum Buddhismus?
  • Schwingt das Gehirn in eigenen, der Meditation ähnlichen Sigma-Wellen?
  • Ist die Zimtschnecke in Wirklichkeit ein archaisches Modell des SHR?
  • Warum gibt es den SHR nicht in Deutschland? Sind es kosmische Strahlen oder nur die verminderte Corioliskraft?

Hier hat die Wissenschaft noch viel zu tun.

6 Kommentare für „Der schwedische Hyperraum (SHR)“

Ulrich Koch schreibt:

‎*looool* In Deutschland funktioniert das genau diametral. Je größer der umgebende Platz, umso exakter halten zwei bewegte Punkte (in diesem Fall: Autos / Fahrradfahrer / Fußgänger etc.) genau auf einander zu. Beide bewegte Punkte haben die Anwartschaft auf den Darwin-Award und nur eine höhere Macht verhindert den Eingang beider ins Nirwana. (Woebi das manchmal vielleicht besser ist oder wäre).

Lussekatt schreibt:

Haha, die Forschungsergebnisse interessieren mich brennend!
Die schwedische Interpretation der Rechts-vor-Links-Regel funktioniert auf jeden Fall so: ranfahren, abbremsen, warten und erst dann losfahren, wenn alle anderen es auch tun ;-)

Astrid schreibt:

*lol* hier fehlt mir gerade der Facebook Button „liker“ :)

Anders schreibt:

Olaf,
ich würde in deiner Stelle das Phänomen NSHR nennen. Ich habe – mal – fast 25 Jahre in Schweden und zwar in Süd-Schweden gelebt und da funktioniert der Verkehr ziemlich deutsch, aber gut ich war auch nicht überall verteilt, wie vielleicht Heisenberg sagen würde.

Ich finde es unglaublich unterhaltsam, Schweden durch die Augen von einem Schweden-Frischling mit Erfahrung von meinem neuen naja schon fast-Heimat zu sehen.

Ich tendiere im allgemeinen mehr und mehr dazu die Nüsse aus beiden Kuchen auszupicken und ich erwische mich oft dabei diese zu hervorheben und preisen, wenn im jeweiligen Land mit dem anderen unter Freunden verglichen wird. Du wirst sicherlich sehen, dass das gewisse Vorteile mit sich bringt. Hängde du mä‘. Min tyska kanske inte är tillräckligt bra. I så fall ursäkta !

Olaf Schneider schreibt:

Anders,
Dein Deutsch ist prima, keine Sorge. Warum würdest Du das Phänomen NSHR nennen? Nordschwedischer Hyperraum?