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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

5 Kommentare für „Fast ein Sommertag“

Petra schreibt:

Hallo Olaf, bei uns haben die Spatzenfamilien (Minimum 2 inkl. Tanten, Onkeln, Cousinen) bereits viel zu tun und die Kleinen sind schwer am Piepsen und Futter fordern. Scheint mir bei uns im Dachgeschoss schon in eine WG auszuarten. Wir finden es einfach nur genial. Ich denke auch Du wirst Deine Zwei und den zukünftigen Nachwuchs nicht aus der Ruhe bringen, die sind meiner Meinung nach recht relaxed. Übrigens im Gegensatz zu Dir, der Du Deine Hot Tube im Augenblick so weit ich mich erinnere geleert hast, haben wir die Hot Tube (bei 25 bis 30°C Maximum der letzten Tage) für die Vögel (aus Kostengründen nur für die Vögel) eröffnet und ihm wird ordentlich zugesprochen! Du siehst, Du kannst es Deinen gefiederten Mitbewohnern noch schmackhafter machen, sich bei Dir auch so rundum wohlzufühlen.
Hoffe Du bekommst Deine Computerprobleme schnell in Griff! Ansonsten müssen wir noch viel SKYPEN bevor Microsoft Gebühren einführt, um sich seine Investition von den Nutzern amortisieren zu lassen.

Ganz viele liebe Grüße Petra, Ulli und Stan

Sandra schreibt:

Die längste Seilbahn der Welt ist grandios. Unbedingt mal mitfahren!!! (Vorher aber nicht viel trinken ;-))) )

Olaf Schneider schreibt:

@Petra: Ich habe die Spatzen leider nicht mehr gesehen. Vielleicht haben sie noch ein freistehendes Nest im Wald gefunden. Und liebe Grüße an alle zurück.

@Sandra: Mal schauen, ob ich dazu komme. Aber der Tipp mit dem wenig trinken ist schon mal gut …

Petra schreibt:

Da hälst Du aber nicht viel von Deinen Gastgeber- oder besser gesagt Herbergs“vater“qualitäten?! Vielleicht sind sie schlicht und einfach am brüten?

Liebe Grüße auch an Deine Eltern, viel Spaß beim Sight seeing und vor allem an der gemeinsam verbrachten Zeit!

Olaf Schneider schreibt:

@Petra: Die Spatzen haben die Wohnung doch behalten und sitzen oft im Flieder gegenüber, der hoffentlich auch irgendwann mal zu Blühen beginnt.

Grüße zurück von meinen Eltern.