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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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kurz noch mal zum Winter …

… und dann schreibe ich auch wieder über andere Dinge.*

Seit fünf Tagen ist kein Schnee mehr herunter gekommen und die knapp 70 cm im Garten sind auf handliche 40 cm zusammengesackt. Im Vorgarten liegt noch etwas mehr, wie ich eben beim Fotografieren meines Hauses feststellen musste. Man konnte Tag für Tag zusehen, wie der Schnee vom Dach mehr und mehr überhängt und heute habe ich doch noch mal ein Bild gemacht, ehe die weiße Pracht herunterfällt.

Nach den Daten, die WetterOnline für den Flughafen Skellefteå bereitstellt, war dieser November sieben Grad kälter als im Vorjahr! Das ist eine große Differenz; zum Vergleich: München und Anchorage, Alaska z. B. unterscheiden sich im November durchschnittlich nur um acht Grad). Mich als Winterfan freut es natürlich, dass wir seit drei Wochen Dauerfrost haben und hoffe, dass das auch so bleibt. Bis Dienstag lagen auch die Tagestemperaturen unter -10 °C, jetzt ist es aber wärmer geworden und die große Kälte ist in Südschweden. Und Ihr, die Ihr in Deutschland und der Schweiz lebt, bekommt von Schnee und Kälte ja auch einiges ab.

Wie ich das schon aus Winterurlauben in Lappland kenne, so ist es auch hier tagsüber nicht notwendigerweise wärmer als nachts. Das scheint völlig unabhängig voneinander zu sein, denn manchmal kehrt sich das Ganze auch um. Ich habe die Temperaturen der letzten Novemberwoche mal aufgezeichnet und man sieht gut, dass manche Höchsttemperaturen nachts erreicht wurden. Das Absolute Minimum in der Woche lag bei -19.1, ich weiß aber nicht genau wann, deswegen taucht es im Diagramm auch nicht auf.

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* wenn nichts dazwischenkommt.

Nachtrag

Ich habe heute ein Thermometer mit Außenfühler im Büro aufgestellt und – ja es ist kälter in Skellefteå als bei mir. So zwei, drei Grad, schätze ich. Minimum seit heute morgen -14.5 °C, aktuell um 11:50 -12.4 °C.

Wo ist Weihnachten?

Heute morgen sonnig, -16 °C. Gestern zwei cm Neuschnee bei ± 10 °C.

Es sind noch drei Wochen bis Weihnachten und während man in Deutschland der allgegenwärtigen Vorweihnachtsstimmung kaum entkommen kann, bekomme ich hier wenig davon mit, dass wir uns mitten in der Adventszeit befinden. Aber halt, ein paar Sachen gibt es doch:

1. Musik

In einigen Läden hört man Weihnachtslieder; bevorzugt amerikanische im Frank-Sinatra-Stil. Schwedische Lieder (und da gibt es viele) habe ich noch nicht gehört.

2. Süßes

Meine Eltern haben mir ein riesiges Paket geschickt. Mit Lebkuchen, Spekulatius, Zimtsternen, Pfeffernüssen und hausgemachten Keksen. Toll! Hier gibt es in den Supermärkten neben den im ganzen Jahr erhältlichen Pfefferkuchen als einziges weihnachtlich angehauchtes Süßes nur „Mäusespeck“ und Fruchtgummis in Form von Jultomte, Schneemann, Baum und Glocke. Die schmecken zwar ganz OK, das war‘s dann aber auch. Und über den Brauch, Schmierkäse aus der Tube auf die Pfefferkuchen zu streichen, schreibe ich hier mal lieber nichts …

3. Licht

Ich weiß nicht, ob es der dunkle Winter oder die Adventszeit mit sich bringt; in vielen Fenstern ist Licht. Als Kerzenpyramide, in Sternform oder Lichterkette (gerne auch mal in blau, rot oder bunt), viele Häuser sind beleuchtet und das gibt eine sehr schöne Atmosphäre, wenn es um drei Uhr nachmittags schon dunkel ist.

Drei Mal Ostsee

Heute morgen -16 Grad, heute Mittag -13 Grad, jetzt um fünf nur noch -3.6 °C

1. Killingörviken

heißt die kleine Bucht gleich bei mir um die Ecke. Vor ein, zwei Wochen war sie noch größtenteils eisfrei, jetzt sitzen die Eisfischer auf der gefrorenen Ostseebucht, während einige hundert Meter hinter ihnen große Schiffe durchs Eis fahren.

2. Näsgrundet

ist eine kleine Halbinsel ganz im Osten. Hier bin ich heute morgen bei klarem Himmel mit dem Fahrrad hin gefahren und habe das schöne Licht bewundert. Ein Foto mit den Schiffen habe ich schon einmal am 25. April gemacht, als noch Eis auf dem Wasser war, jetzt sind die Boote schon wieder von Eis umgeben und lassen die ganze Zeit die Motoren laufen.

3. Storgrundet

ist eine schmale Insel gleich hinter dem kleinen Badestrand. Und heute bin ich das erste Mal die paar hundert Meter über das Meereis hinüber gelaufen. Das fand ich trotz der vielen Skooterspuren ganz schön aufregend und ich habe meine Is-Dubbar dabei gehabt. Auf der Insel: Tief verschneiter Wald und dahinter am Strand der Blick auf weitere Inselchen und schneebedecktes Packeis, welches von der tief stehenden Sonne in orangerosafarbigem Licht angestahlt wird. Wunderschön.

Da ist Weihnachten!

Gestern habe ich mich noch ein bisschen gefragt, wo hier Weihnachten ist. Heute habe ich es gefunden.

Heute war Skelleftehamn war Skyltsöndag, der „Schaufenstersonntag“. (Eine Erklärung findet sich sich hier auf lapplandblog.eu.) Hunderte warm verpackte Menschen tummelten sich auf dem kleinen Platz, schauten sich den Kunsthandwerksmarkt an, tranken Kaffee und Glögg und trafen Freunde, während der Weihnachtsmann Programmansagen machte. Die Kinder spielten auf dem riesigen Schneehaufen oder versuchten, möglichst viele der Süßigkeiten zu fangen, die Pippi Langstrumpf vom Dach hinunterwarf. In der nah gelegenen Schule war Loppis, also Flohmarkt und hier konnte man Weihnachtsschmuck und -gebäck kaufen. Ich habe viele Leute getroffen, die ich kannte; das ist einfach toll, wenn ein Städtchen nicht so groß ist. Zum Schluss waren wir noch im Kopparstark Kaffee und Kakao trinken, eh einer nach dem anderen wieder nach Hause gefahren oder gegangen ist.

Während ich anfangs noch über meinen Daunenparka froh war, wurde mir zum Schluss draußen ganz schön warm. Zu Hause habe ich dann gesehen, dass das Thermometer um zehn Grad auf dreieinhalb Grad minus angestiegen ist. Kein Wunder also.

Und wieder zeigt sich: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Für das wenige Licht hat sich das iPhone aber tapfer geschlagen

Die Sprache

Seit Ende April bin ich in Schweden und damit – wenn man fünf Wochen Deutschland und Norwegen abzieht – so etwa ein halbes Jahr hier. Und jetzt habe ich seit zwei Wochen endlich wöchentlichen Schwedischeinzelunterricht und das ist gut, denn es rückt die Sprache wieder in den Fokus.

Wie sieht es denn bei mir aus:

Lesen

geht eigentlich am Besten. Ich kann das Tempo bestimmen und ich sehe, wo ein Wort aufhört und das nächste anfängt. Wenn ich zur Zeit wenig lese, so liegt das an einem Ding zwischen Müdigkeit und Faulheit. Wenn ich aber ein bisschen besser in dem Wintertagesrhythmus drin bin, wird das mit dem Lesen auch wieder mehr.

Schreiben

ist mir zur Zeit gar nicht so wichtig und ich brauche es relativ wenig. Ich freue mich aber sehr über die Rechtschreibkontrolle im Firefox, die viele Fehler direkt rot anstreicht. Gestern habe ich wieder einmal das norwegische jeg statt jag für das deutsche ich geschrieben, da habe ich mich geärgert.

Verstehen

ist immer noch das Schwerste. Es fällt wir von Woche zu Woche leichter, aber wenn Leute leise reden oder ein bisschen nuscheln oder Dialekt oder zwei gleichzeitig, habe ich keine Chance. Vorgestern hatte ich dreieinhalb Stunden Workshop – alles auf Schwedisch – und ich war danach total platt.

Sprechen

ist – nun, wie soll ich sagen … . Sagen wir: Ich werde verstanden. Ich konnte Anzeige bei der Polizei erstatten und bei der Hotline von IKEA schimpfen. Irgendwie geht das alles, aber schön ist anders.

Ich bin froh über den Unterricht, wo ich zum einen Wortkorrektur erhalte, zum anderen aber auch die Aussprache übe. Alle Deutschen, die Schwedisch sprechen, wissen, dass die Vokale für Deutsche völlig ungewohnte Klänge haben. Abgesehen davon bekomme ich das zu hören, was ich schon im Schulfranzösisch gehört habe, später im Englisch und eben jetzt auch wieder: Deutsche sprechen viel zu hart. Die Konsonanten vor allem der Doppelbuchstaben sind viel weicher im Schwedischen und auch die Wörter werden – wie eben z. B. auch im Französischen – viel mehr miteinander verbunden.

Und das letztere ist auch mit eine Ursache dafür, dass ich es so schwierig finde, das gesprochene Schwedisch zu verstehen. ManweißhaltniewoeinWortaufhörtunddasnächsteanfängt.

Heute ist übrigens der kälteste Tag, den ich hier erlebe. Heute morgen waren es zu Hause -15 °C und jetzt um halb sieben zeigt mein Analogthermometer nur noch -19 °C an. Ich werde gleich mit dem Fahrrad zu ICA fahren. Danach weiß ich wahrscheinlich schon, ob ich morgen seit Wochen mal wieder das Fahrrad nehme oder mich in den Bus setze.

Nachtrag:

Jetzt sind’s -20 °C. Und ja, der Daunenparka ist trotz der Kälte schon bei kurzen Strecken viel zu warm! Aber die Daunenfäustel von Yeti kann man prima über andere Handschuhe drüberziehen, kann zwei Finger am Lenker behalten, zwei auf die Bremse legen und die Hände sind mollig warm. Toll!

Bad auf dem Flur

Temperaturen seit drei Tagen um -15 °C, Maximum in der Stadt heute bei -12.7 °C

Eigentlich sollte dieser Artikel „Adventskalender“ heißen und ich wollte über meinen Morgenadventskalender und meinen Abendadventskalender schreiben. Aber nachdem ich gerade eben dieses Foto gemacht hatte, ergab sich der Titel von ganz alleine.

Aber zurück zu den Adventskalendern. Morgens öffne ich immer ein Türchen von meiner „Weihnachtsballon-Adventskalenderkarte“, die mir eine liebe Freundin geschickt hat und schaue, welches Bild sich dahinter verbirgt. Bei dem heutigen Bild bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es eine mongolische Jurte oder ein Käppi ist.

Meinen abendlichen Adventskalender finde ich zur Zeit aber noch spannender. Seit zwei Wochen liegt nämlich mein Zweitschlüssel zum Haus an einer fürchterlich geheimen Stelle und jeden Abend bin ich neugierig, ob wohl wieder ein Handwerker im Haus war und in meinem kleinen Bad im Erdgeschoss, welches seit August Baustelle ist, gewerkelt hat. Und der Kalender sah bis jetzt so aus:

29. November Neue Kacheln liegen auf dem Fußboden.
30. November Die Kacheln sind verfugt und die Fußleiste (auch aus Kacheln) ist dran.
3. Dezember Waschbecken und Heizung sind demontiert und stehen mit dem Klo auf dem Flur.
6. Dezember Die alte Tapete ist entfernt.
9. NovemberDezember Es ist frisch tapeziert.

Jetzt warte ich nur noch auf „Toilette, Waschbecken und Heizung sind wieder montiert und das Bad ist fertig“. Ich hoffe, dass ich dieses Türchen nächste Woche aufmachen kann. So lange ist halt mein Bad auf dem Flur.

Björkskär,

Mininum in der Nacht -17.2 °C, tagsüber um -11 °C. Damit ähnlich wie die letzten Tage.

so heißt die kleine Insel, auf der ich heute bei meiner Skitagestour gelandet bin. Tagestour heißt, solange richtig Licht da ist, also so etwa von neun bis zwei.

Auf dem nahen See lässt sich jetzt hervorragend laufen. Dort bin ich auf eine andere Skispur gestoßen, der ich einige Zeit gefolgt bin. Sie führte durch Wald zu einem Bootsanleger an der Ostsee und von dort aus ufernah auf der Ostsee weiter. Irgendwann bog sie wieder in Richtung Land und durch dichtes Gestrüpp wieder in den Wald. Irgendwann stieß sie dann auf eine Straße, die wiederum zu einem anderen Bootsanleger an der Ostsee führte.

Hier überlege ich dann, ob ich zu der kleinen Insel, die keine 200 Meter entfernt war, laufen soll. Kleine Bäumchen als Markierung waren gesteckt, Fußspuren auch zu sehen und vor der Insel läuft ein Mann zu Fuß über das Eis und winkt mir zu. Das ist mir sicher genug und ich gleite mit meinen Ski über die schneebedeckte Eisschicht zur Insel, wo ich auf den Mann treffe, der gerade von seinem kleinen Spaziergang auf dem Eis zurückkommt. Nach drei Sätzen lädt er mich direkt zum Kaffee in seine Sommerstuga auf der Insel ein und ich nehme gerne an, auch wenn ich auf den Kaffee selber gut hätte verzichten können.

Zu recht ein wenig stolz zeigt mir der Schwede das Bootshaus mit Sauna, das in diesem Sommer gebaute Gästehäuschen, den snickarboden, zu deutsch Tischlerschuppen mit Kajak und Dusche und zum Schluss sein Sommerhäuschen, welches ich bei 50 Quadratmeter Grundfläche gar nicht mehr Häuschen nennen möchte. Wenn ich da an mein Einzimmerapartment in München zurückdenke, das war um einiges kleiner. Nach einem netten Gespräch, bei dem ich erfahren habe, dass die Insel Björksjär heißt und auch, dass mein Gastgeber mir zugewunken hat, weil er mich mit seinem Nachbarn verwechselt hat, habe ich mich bedankt und verabschiedet und bin mit den Skiern einmal um die ganze Insel gefahren. Sozusagen meine erste Inselumrundung mit Ski auf dem Meer. Das habe ich mich aber auch nur getraut, weil der Schwede wusste, dass das kein Problem ist. Danach bin ich relativ geradeaus wieder zurückgelaufen und war überraschend schnell wieder zu Hause. Im Winter kann man hier so schön über Meerbucht, See und Sumpf abkürzen; im Sommer hätte das länger gedauert.

Dadurch, dass die Sonne jetzt so tief steht, hat man den ganzen kurzen Tag ein wunderschönes Licht. Die Morgendämmerung geht quasi in die Abenddämmerung nahtlos über. In Sonnenrichtung leuchtet der Himmel warm orangegolden, während die ganze Gegenseite in zarte rosaviolette Pastelltöne getaucht ist. Die Fotos beispielsweise sind um elf und halb eins gemacht. Allerdings werfen die Bäume so lange Schatten, dass man direktes Sonnenlicht nur auf den Baumkronen oder weit draußen auf dem Meer hat. Oder eben in einer schicken Stuga auf der Insel Björkskär.

Montag

ist heute und was hat der Montag mit sich gebracht?

  • Um halb acht laufe ich durch den kalten Morgen zur Bushaltestelle
  • Meine Standardkleidung: Wasserdichte Thermostiefel, Skihose und kanadischer Daunenparka einfach über der normalen Drinnenkleidung getragen. Das alles ist sehr bequem, hält prima warm und vor allem beim Parka muss ich auf der Rückfahrt im Bus aufpassen, dass ich nicht einschlafe, weil er so gemütlich ist
  • Mittagessen heute bei mir: Crossover-Pizza mit Giros und Tzaziki, das muss einfach ab und zu mal sein
  • In der Dreiuhrkaffeepause gibt es selbstgebackene Lussebullar
  • In Skellefteå war heute die Höchsttemperatur -14.9 Grad, jetzt – um acht – haben wir in Skelleftehamn -18 °C. Dauerfrost seit einem Monat!
  • Zu Hause angekommen: Waschbecken, Klo und Heizung im kleinen Bad sind wieder eingebaut. Hurra! Jetzt fehlt nur noch Licht
  • Eigentlich ist heute Luciafest, aber davon habe ich nichts mitbekommen

Ach ja – gearbeitet habe ich natürlich auch. Aber in diesem Blog schreibe ich nicht über Dinge wie WordPress-Pluginentwicklung oder die Tücken im Zusammenspiel von jQuery mit Cufón im IE7. Ich denke, da ist auch keiner böse, oder?

Fensterbilder

Maximum tagsüber gestern -16.3 °C, Maximum seit einer Woche: -8.7 °C. Jetzt (11:00) -15.8 °C

Heute arbeite ich zu Hause und – ich sehe das schon – werde abends einiges nachholen müssen. Denn das warme Licht ist dermaßen schön, dass ich die ganze Zeit nur heraus schaue. Ich habe einfach in jede Richtung Knips gemacht und die Fotos ohne große Nachbearbeitung hier eingefügt:

Nachtrag:

Jetzt hat die Sonne eine orangefarbene Lichtsäule und Eisstaub in der Luft bricht das Licht in Regenbogenfarben auf. Ich verschiebe jetzt das Arbeiten komplett auf heute Nachmittag und Abend und gehe raus. Toll, wenn man so flexibel arbeiten kann.

Licht

11:00: -15.8 °C · 14:45: -14.6 °C · 15:20: 9.9 °C (!) · 19:10: -7.8 °C

Kurz nachdem ich heute die Fotos aus den Fenstern gemacht habe, beschien auch die Sonne die Straße. Über der Sonne war eine wunderbare (und fast unfotografierbare) Lichtsäule zu sehen und in dem feinen Eisstaub, der in der Luft langsam vorbei trieb, bildeten sich regenbogenfarbene Lichtbrechungen.

Meine berufliche Konzentration inzwischen: -0. Außerdem zog mich das Licht fast magisch an, denn den größten Teil der vierundzwanzig Stunden ist es ja dunkel. Also habe ich kurz geklärt, ob ich die Arbeit verschieben kann – kein Problem – und war zwei Stunden draußen.
Die Sonne stand heute um 11:30 im Süden und hatte dann eine Höhe von gerade Mal 2.3°, das sind etwa vier, fünf Sonnendurchmesser. Die ganze Zeit ist der Himmel klarblau, aber die Farben der Sonne auf dem Schnee gehen von gelb schnell wieder in Orange- und Rosatöne über.

Wenn man den Wettervorhersagen Glauben Schenken darf, dann war es das erst mal mit blauem Himmel. Ab morgen soll es bei Temperaturen um -5 °C schneien. Und ziemlich windig sein. Und weiter schneien. Tagelang. Und Tag für Tag wieder kälter werden. Alleine für morgen werden bis zu 20 cm Neuschnee erwartet. (Warnstufe 1). Mal schauen, ob‘s stimmt …

Übrigens: Wer ort- und zeitbezogene Sonnendaten braucht, kann unter Mac OS X dafür The Photographer’s Ephemeris benutzen. Ein sehr feines Tool! Danke an René für den Tipp.

Happy Holidays · The Lodge

Heute schreibe ich mal – entgegen meinen Gewohnheiten – ein bisschen was Berufliches.

Unsere „Hello Future“-Weihnachtskarte ist fertig. Wir haben diese Woche echte Postkarten (sowas gibt‘s noch!) an die Kunden geschickt und dazu ein Video produziert, in dem erklärt wird, wie man diese Weihnachtskarte bedient und was man damit alles machen kann. Da hatte ich einiges mit zu tun, denn erst wurde ich letzte Woche gefilmt, dann habe ich abends die Hinter­grunds­musik „Happy Holidays“ eingespielt und dann noch am Sonntag Abend den englischen Text aufgesprochen. Ich kann das Video zwar nicht mehr sehen und hören, aber es haben mich einige von The Lodge heute darauf angesprochen, denen es wohl sehr gut gefallen hat. Ihr könnt es Euch unter http://www.hellofuture.se/jul anschauen.

Und was ist The Lodge? The Lodge ist auf der einen Seite ein Produktionsnetzwerk aus Unternehmen verschiedener Fachrichtungen. Die Unternehmen sind hauptsächlich im Bereich Werbung, Internet, Fotografie oder Filmproduktion angesiedelt. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Branchenverband, der diese Bereiche verbindet. Und Hello Future ist natürlich auch mit dabei.

Ich komme gerade vom Weihnachtsfest von The Lodge bei North Kingdom, einer Werbeagentur, die in Skellefteå und Stockholm sitzt, wieder. Wir haben uns alle um sechs getroffen und erst Julskinka (Weihnachtsschinken) und Gröt (Haferbrei mit Zimt und Milch) gegessen und danach den offiziellen Teil eröffnet, in dem jedes Unternehmen sehr ehrlich dargestellt hat, wie das Jahr gelaufen ist. Dann wurden aber auch einige Sachen besprochen, die nächstes Jahr geplant sind und 2011 recht spannend aussehen lassen. Um acht begann der inoffizielle Teil, den ich allerdings eine gute Stunde später schon verlassen habe, weil ich so müde war.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich heute wieder viel Schwedisch gehört und gesprochen habe – da ist nach spätestens fünf Stunden meine Konzentration im Eimer. Zum anderen habe ich aber auch leider noch keinen richtigen Winterschlafrhythmus gefunden. Ich bin sehr früh müde – oft schon um halb neun, komme dann über den toten Punkt und gehe um halb zwölf ins Bett. (Da war es dann schon neun Stunden lang dunkel). Gegen vier wache ich auf und bin wach. Das ist alles nicht so ideal und ich werde auch dieses Wochenende wieder Schlaf nachholen.

Es ist natürlich schade, dass ich früh gehe und damit vielleicht einige Kontakte verpasse, aber seien wir ehrlich, ab dreißig Leuten waren mir solche Treffen in Deutschland auch nicht so mein Ding.

Und sonst …

… habe ich jetzt auch wieder Licht im Bad. Jetzt muss nur Kleinkrams an die Wände und das kann ich selber machen. Endlich ist nun mein kleines Bad im Erdgeschoss nach vier Monaten wieder benutzbar. Toll!

Und das Wetter? Vorgestern tagsüber waren es noch -15 °C, am Abend nur noch -3 °C und Schnee sollte kommen. Kam aber nicht. Gestern lagen die Temperaturen bei minus ein, zwei Grad und am Nachmittag fing es an zu schneien. Der Schneefall nahm dann immer weiter zu, genau so wie der Wind, der die halbe Nacht im Schornstein geheult hat und Schnee an das Schlaf­zimmer­fenster geworfen hat. Heute morgen lagen dann 15 – 20 cm Neuschnee. Aber wie soll man feststellen, wie viel es wirklich war, wenn auf der in Windrichtung gelegenen Straße nur 10 cm liegen, aber an der Leeseite des Hauses der noch am Vorabend geräumte Weg halbmeterhoch mit Pulverschnee bedeckt ist und die meisten Zäune und Hecken wieder fast verschwunden sind. Heute ist tagsüber nicht mehr viel heruntergekommen, aber im Garten liegen jetzt wieder etwa 60 cm Schnee. Temperatur 22:50: -6.6 °C.

Schnee schieben

skotta snö – Schnee schaufeln oder Schnee schieben, das hört man hier sehr häufig. Und wenn sich, wie jetzt zum zweiten Mal in diesem Winter, ein kleines Schneefallgebiet just über Skelleftehamn vor Anker geht, so ist auch einiges zu tun.

Stufe 1: Die normale Schneeschaufel

Wie in Deutschland hat auch jeder in Schweden eine Schneeschaufel. Ich habe es allerdings noch nicht erlebt, dass die jemand benutzt. Die Eingangsstufe für att skotta snö ist hier:

Stufe 2: Die „Snösläde“

(zu deutsch in etwa Schneeschlitten). Dieses Ding ist schon eine Ecke breiter und auf die große Lade passt auch viel mehr Schnee. Ich durfte einen Nachbarn heute bei der Anwendung fotografieren.

Eine Snösläde benutze ich auch, aber da ich kein Auto habe, habe ich auf dem Grundstück auch nicht so viel zu tun. Viele, die mehr zu räumen haben, gehen deswegen über zu:

Stufe 3: Die Schneefräse

Wenn der Benzinmotor erst angeworfen ist, fräst sie sich buchstäblich durch den Neuschnee und wirft den Schnee im hohen Bogen auf das Grundstück. Der Nachbar war heute damit zu Gange und auch ihn durfte ich fotografieren. Tack!

Allerdings gibt es auch manche, die einfach mehr zu räumen haben oder vielleicht auch nur Spaß daran haben, Fahrzeuge zu besitzen und die gehen über zu:

Stufe 4: das eigene Räumfahrzeug

Das kaufe ich mir dann später …

Kurztrip nach Storgrundet

Oh, schon viertel nach zwölf! Dann habe ich keine zwei Stunden Tageslicht mehr. Also schnell Skiklamotten anziehen, meine lädierte¹ Nikon einpacken und los geht es.

Auf geräumter Straße mit ein paar Zentimeter Neuschnee gleitet es herrlich schnell zur sommerlichen Badestelle. Von da aus kann ich dann auch Storgrundet ausmachen. Obwohl das andere Ufer keine 200 Meter entfernt ist, kann man im starken Schneefall nur einen Teil der Insel sehen. Mein Teleobjektiv zeigt auf dem Bild überraschend viele Details, die ich mit bloßem Auge nicht sehen konnte.

Schnell hatte ich das Eis überquert und war auf der schmalen Insel. In dem Waldstreifen empfängt mich Windstille und tief verschneite Bäume. Ein paar hundert Meter an der Küste bläst mir der steife Wind mit 40 Stundenkilometer den Schnee ins Gesicht. Ich habe mit bloßen Fingern zwei kurze Videos auf dem iPhone gedreht und eines hochgeladen – aua, taten mir die Finger weh! Die Kuppe des linken Ringfingers ist immer noch ein wenig beleidigt. Fazit: Keine iPhonevideos mehr im Schneesturm.

Das Video, welches ich mit der Nikon gemacht habe, ist eh besser geworden. An dem Gewackel bei 0:13 ist übrigens der Wind schuld.

Nach einer kurzen Tour auf der Insel und dem Ostseeeis habe ich wieder die Bucht überquert und bin nach Hause gelaufen, wo ich neunzig Minuten nach Aufbruch wieder angekommen bin.

¹ Den verstaubten Sensor meiner Nikon D300s habe ich zumindest wieder so reinigen können, dass die bösesten Flecken weg waren und man die anderen nur bei kleiner Blende sieht. Allerdings hat mir eine Sturmböe gestern das Stativ umgeworfen und ich war froh, dass die dabei zerstörte Gegenlichtblende weiteren Schaden verhindert hat. Leider hat es neben dem Gewinde meines UV-Filters auch die Arretiertaste des linken Modusrades erwischt. Sie ist jetzt dauerhaft eingedrückt, so ein Mist! Ich scheue nicht so sehr die Kosten einer Reparatur, sondern eher eine Zeit ohne Spiegelreflexkamera. Ich bin ja schon halb am Überlegen, auf die D700 umzusteigen und die D300s als Zweitkamera zu behalten. Aber dann brauche ich auch zwei neue Objektive und es wird alles ziemlich teuer … . Da muss ich noch ein paar Nächte drüber schlafen. Oder im Lotto spielen.

Der letzte „Herbsttag“

Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.

Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.

Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.

Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.

Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.

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¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Weihnachten in Båtfors

Den diesjährigen Heiligabend (auf schwedisch Julafton, also Weihnachtsnachmittag) hatten Sonya, die gerade zu Gast ist, und ich Gelegenheit, ein schwedisches Weihnachtsfest mitzuerleben. Annica und Martin hatten uns mit nach Båtfors eingeladen. Das liegt etwa 70 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven. Dort war ich schon einmal am 16. Mai und es war interessant, die beiden Aufenthalte zu vergleichen: Auch damals habe ich ein Thermometer fotografiert, aber es zeigte mit +22½ Grad fast fünfzig Grad mehr an. Der Fluss war frei, auch wenn noch Eisschollen auf ihm trieben. Die schöne, über den Fluss hängende Birke hatte noch keine Blätter, jetzt hat sie schon lange keine mehr. Frühling, Sommer und Herbst sind kurz hier in Nordschweden.

Ich war am Morgen des 24. schon früh wach und war kurz draußen, um bei herrlich, frostig-klarem Wetter ein paar Fotos zu machen. Nach einem kleinen Frühstück haben Sonya und ich einen herrlichen Spaziergang gemacht. Die Temperatur lag dabei die ganze Zeit um -25 °C und wir waren über unsere warmen Klamotten sehr froh. Bei der Kälte legt sich nach einiger Zeit Raureif auf Mütze, Pelzkapuze, Haare und Augenlider.

Mittags kamen wir zurück und haben noch von der heißen Risgrynsgröt – der traditionellen Weihnachts­grütze abbekommen. Sie ist vielleicht am ehesten mit Milchreis zu vergleichen. Später am Tag gab es dann das traditionelle Julbold, das schwedische Weihnachtsessen, zu dem eine ganze Reihe Leckereien gehören, unter anderem:

  • inlagd sill (eingelegter Hering)
  • julskinka (Weihnachtsschinken)
  • Janssons frestelse (Kartoffelgratin mit Anchovis)
  • prinskorv (in der Pfanne gebratene, kleine Würstchen)
  • revbensspjäll (Schweinerippchen)
  • köttbullar (die kennt ja jeder …)

Dazu noch Kartoffeln, Lachs, Brot, Salate, Eier mit Krabben, kalten Elchbraten und manches mehr. Wer es ganz traditionell macht, nimmt erst von den kalten Fischgerichten, dann von den kalten Fleischspeisen und zum Schluss von den warmen Gerichten. Wer Hunger hat – und das hatten wir alle – nimmt sich einfach, was er will. So sah der Tisch mit den kalten Gerichten aus (Elch fehlt noch):

Später kam dann der Jultomte, der für die Geschenkevergabe zuständig ist. Auf jedem Geschenk steht etwas wie „God Jul Lasse önskar Anna“ – zu deutsch „Frohe Weihnachten Lasse wünscht Anna“ – als Zeichen, dass Anna Lasse etwas geschenkt hat. Sonya und ich habe unsere gegenseitigen Geschenke falsch herum beschriftet und mussten tauschen. Erst werden alle Geschenke verteilt, dann wünscht Jultomte „God jul!“ – Frohe Weihnachten und verschwindet. Dann erst packen alle gleichzeitig ihre Geschenke aus.

Später am Abend haben sich dann die meisten an den großen Tisch gesetzt, um Julklapp zu spielen. Erst darf sich jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt ein Geschenk nehmen. Wenn alle Geschenke verteilt sind, werden sie ausgepackt und vorgestellt. Eine Prima Gelegenheit, Schwedisch zu lernen. Dann wird zwanzig Minuten lang gewürfelt und jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt, darf ein Geschenk klauen. Sehr lustig und auch ein bisschen spannend, denn manche Geschenke sind nicht uninteressant und werden kräftig hin- und hergestohlen.

Es war interessant und toll, mit einer schwedischen Großfamilie mit vier Generationen Weihnachten zu verbringen. Vielen Dank noch einmal an Annica und Martin für die nette Einladung in ihren persönlichen Kreis.

Und heute am 26. hier in Skelleftehamn: Ein trüber Tag – kein Schneefall – keine Sonne bei -9 °C. Der Schnee ist auf 80 cm zusammengesackt. Schöne Schneeschuhtour mit kurzer Pause auf der Insel Storgrundet. Mittagpause · Einkaufen · Köttbullar · 3D-Kino · Fotos sortieren, Skypen und Blog schreiben.

Meine Reise von München nach Skelleftehamn, Teil I

Ein Gastbeitrag von Sonya.

Die Anreise

In Europa ist der Flugverkehr in den letzten Tagen aufgrund des unerwartet schneereichen Winters regelmäßig zusammengebrochen. Es kam zu Verspätungen und Flugausfällen. Meine Hauptsorge ist, ob ich mein Flugzeug nach Stockholm überhaupt noch rechtzeitig erreiche.

Es ist der 18. Dezember. Am Abend zuvor fand in der Agentur, in der ich arbeite, die Weihnachtsfeier statt. Die Nacht war entsprechend kurz. Hinzu kommt, dass ich immer auf den letzten Drücker packe. Bereits Tage vor Reisebeginn auf gepackten Koffern zu sitzen, entspricht nicht meinem Reiseverhalten. Immerhin nutze ich sonst eine sorgfältig durchdachte Packliste. Diese Liste fehlte diesmal und so kam es, dass ich viel zu viele Dinge eingepackt und trotzdem viel zu viele Dinge vergessen habe.

Eine Stunde vor Abflug komme ich am Flughafen an, mit etwa zwanzig Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab. Meine Reise von München nach Skelleftehamn beginnt.

In Stockholm besteht die größte Herausforderung darin, die Bushaltestelle der Linie 65 zu finden. Ich ärgere mich schon, dass ich unbedingt eine Nacht in der schwedischen Hauptstadt verbringen will und nicht gleich in den Nachtzug steigen kann. Meine Tasche ist schwer und dieser verdammte Bus 65 zu meinem Hostel ist nicht zu finden. Als ich ihn endlich finde, erklärt mir die Fahrerin, dass ich keine Fahrkarten im Bus kaufen könne. Grummel.

Als ich mein Nachtquartier sehe, ist jede Anstrengung der Anreise vergessen. Prächtig liegt die Chapman am Ufer der Insel Skeppsholmen. Ich beziehe meine Kajüte, durch das Bullauge blicke ich auf einen riesigen Weihnachtsbaum und Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm.

Die nächsten Stunden laufe ich kreuz und quer durch Gamla Stan und treffe Freunde aus München, die ebenfalls gerade in Stockholm sind, zum Essen. Später sitze ich in meiner Kajüte und skype mit Olaf. Über die Webcam zeige ich ihm den Blick aus dem Bullauge. Internet ist fantastisch.

Den Sonntag spaziere ich durch das verschneite und vorweihnachtliche Stockholm, trinke einen Glögg, mache Fotos. Ich bin sehr froh über den Winterparka und die Stiefel, die ich mir kurz vor meiner Reise gekauft habe, denn trotz Minusgraden und eisigem Wind ist mir mollig warm.

Am Abend verlässt mit eineinhalb Stunden Verspätung der Nachtzug Stockholm in Richtung Norden. Sanft ruckel ich im Schlaf durch Schweden. Ich fahre gerne mit dem Zug. Am nächsten Morgen hat der Zug schon zweieinhalb Stunden Verspätung, doch das ist nicht schlimm. In Bastuträsk wartet ein neuer Bus, der mich nach Skellefteå bringt. Um die Mittagszeit habe ich mein erstes Etappenziel erreicht. Olaf holt mich von der Bushaltestelle ab. Gemeinsam laufen wir durch die Köpmansgatan zum Haus 10 Merchant Street, wo in den kommenden Tagen auch mein Arbeitsplatz sein wird.

Die Arbeitswoche

Mit Laptop und Internetzugang kann ich im Prinzip von jedem Ort arbeiten, also auch von Schweden aus. In den Räumen von Hello Future in der 10 Merchant Street richte ich mein Heimbüro (englisch: Home Office, schwedisch: Hemmakontor) ein.

Ich finde es schön, dass ich auch einen Einblick in Olafs Arbeitsleben in Schweden erhalte und seine Kollegen treffe, von denen er mir schon oft erzählt hat und die ich bereits von kleinen Buddy-Icons auf Twitter kenne. Internet hin oder her, die Menschen und Räume mit eigenen Augen zu sehen, ist doch nochmal etwas anderes.

Die Mittagspause ist der einzige Zeitpunkt, bei Tageslicht draußen zu sein, wenn auch nur sehr kurz auf dem Weg zu einem der Restaurants. Dort gibt es den Dagens Lunch, ein Mittagsbuffet mit Salaten und ein bis zwei Hauptgerichten sowie Wasser und Kaffee. Für 75 bis 90 Kronen ein vergleichsweise preiswertes Mittagessen.

Nachmittags klingt der Ruf „Fika“ durch die Räume, Kaffeepause. Wir sitzen alle zusammen in der kleinen Sitzecke und reden über berufliches (Internetzeugs) und privates. An meinem letzten Tag bei Hello Future bringe ich eine Linzertorte mit, die es bei meiner Familie traditionell zur Weihnachtszeit gibt. Um die schwedisch-münchnerische Verbindung herzustellen, zieren drei Elche und die Münchner Frauenkirche den Kuchen, der auch im Fotoblog der 10 Merchant Street verewigt wird.

Am 23.12. hat Olaf bereits Urlaub und ich baue meinen Rechner in seinem Haus vor dem Fenster auf. Es ist der erste Tag, an dem ich richtig mitbekomme, wie es gegen halb zehn hell und gegen 14 Uhr wieder dunkel wird. Ich muss zugeben, dass mich der kurze Tag durcheinander bringt. Ich fühle mich unglaublich müde und gähne mich durch meinen letzten Arbeitstag für dieses Jahr. Am Abend heißt es dann endlich: Feierabend und Weihnachtsferien.