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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der Schnee ist weg!

Vermutlich hält diese Überschrift eisernen Recherchen vor Ort nicht stand, aber – ich war heute mit dem Fahrrad in Skelleftehamn und habe auf den ganzen 40 Kilometern kein Fitzelchen Schnee mehr gesehen. Da sage sogar ich alter Schneeliebhaber: Toll!

Beim Radeln habe ich auch die drei Windrichtungen in der Kommune Skellefteå kennengelernt: Ganz von vorne, links von vorne und rechts von vorne. Die vierte Windrichtung fragt Ihr? „Bergab“.

Rückblende

So sah Skellefteå im Februar aus, als ich mein Vorstellungsgespräch hatte. Das ist ja aber auch schon gut drei Monate her.

Anfahrt zum Haus

Mein erstes YouTube-Video tut sich vor allem durch die hohe künstlerische Qualität hervor. Das klingt doch viel besser, als wenn ich erzähle, dass ich die Kamera freihand beim Fahrrad fahren gehalten habe, oder? Und den Film auch nicht geschnitten oder gar bearbeitet habe.

Aber zurück zum Thema: Achtet auf das hellgrüne Haus, welches irgendwann rechts vorbeiwackelt. Nächsten Donnerstag ist noch eine Inspektion. Wenn dann keine gravierenden Mängel zutage treten, unterschreibe ich den Kaufvertrag und das Haus gehört mir.

Ein Nachbar macht übrigens Holz, deswegen die nette Motorsägenatmo.

sfi und Junggesellenabschied (nicht meiner)

Heute am Samstag habe ich bis elf geschlafen und mir eher einen faulen gemacht. Dabei war es gestern gar nicht so spät.

Gestern ab vier war nämlich Lasses Jung­gesellen­abschied. Von den Dingen, die er in Skellefteå öffentlich tun musste, erwähne ich hier nur das Rezitieren von wirklich schlechten Gedichten – eine Aufgabe, die er mit Bravour meisterte. Sag ich jetzt mal so, denn verstanden habe ich fast nix.

Gegen sechs sind wir mit einem motorisierten Floss nach Ytterholmen übergesetzt. Die Insel liegt mitten in Skellefteå im Fluss und ist nur per Boot zu erreichen. In einem riesigen Wok wurde Fleisch und Gemüse über dem Lagerfeuer zubereitet und auf dem Floß mit Kartoffelgratin, Brot und Salat gegessen. Zu trinken gab es Bier, Wein, Cognac und Whisky. Ich hätte gegen ein Wasser oder eine Apfelsaftschorle ja nicht wirklich was gehabt und so habe ich den Abend fast nichts getrunken. Der Junggesellenabschiedsprofi werde ich wohl nicht mehr.

Nach dem Essen haben wir uns es im warmen Wasser eines Hot Tub, in der Sauna oder am Lagerfeuer gut gehen lassen. Nach dem Hot Tub war ich kurz im Fluss baden und was soll ich sagen, wirklich wärmer geworden ist das Wasser auch noch nicht. Um elf sind wir wieder zurück­gefahren. Ich bin dann nach Hause geradelt und war froh, dass es noch hell war, denn das Fahrradlicht geht entweder nicht, oder ich habe noch nicht herausgefunden, wie.

Jetzt werde ich noch ein bisschen an meinem Vokabellernprogramm weiter programmieren. Denn gestern bei der zweiten Stunde beim sfi habe ich von meinem Lehrer Björn erfahren, dass mein Schwedisch für den sfi zu gut sei und er mich nicht weiter unterrichten könne. Nett zu hören, aber die Freude hält sich in Grenzen, denn ich fühle mich immer noch wie ein Anfänger. Jetzt liegt es alleine an mir, mit dem Schwedisch weiter zu kommen. Also – Vokabeln lernen … . Los geht’s!

mal so zwischendurch

  • Am Pfingsmontag habe ich gearbeitet. Das ist hier nämlich kein Feiertag.
  • Mitte Juni bin ich zu einer Hochzeit eingeladen. Karin war heute in meiner Münchner Wohnung, um meinen Anzug, Hemd und Schuhe zu holen und als Paket zu schicken. Danke, Karin!
  • Die Farne und Schachtelhalme sprießen um die Wette und ich sehe die erste Wespe des Jahres.
  • Ich programmiere gerade meine erste iPhone-Applikation, allerdings mit Javascript und Titanium, nicht mit Objective C.
  • Heute Abend waren meine Gastgeber und ich in der Sauna. Herrlich. Nur ein See zum Reinspringen fehlte. Aber Saunabier gab es.
  • Jetzt ist es viertel vor zwölf und es ist draußen so hell, dass ich wahrscheinlich ohne Licht Fahrrad fahren würde.

ein Haus in Skelleftehamn!

Heute um 14:58 habe ich einen Anruf vom Makler bekommen und erfahren, dass ich das Haus in Skelleftehamn bekomme! Unglaublich – vor einem Monat aus München aufgebrochen und heute ein Haus gekauft! Ich hatte am Montag ein erstes Gebot abgegeben, bin aber schnell überboten worden. Einer anderen Interessentin hat das Haus auch gut gefallen und wir haben heute beide um die Wette geboten.

War das aufregend! Mit meinem letzten Gebot habe ich dann das Haus bekommen. Eine ganze Ecke teurer als erhofft und erwartet, aber im Vergleich zu den deutschen Hauspreisen speziell um München herum immer noch unfassbar günstig. Ebenso wie das Bieten ist es in Schwedisch üblich, einen Sachverständigen die Immobilie bewerten zu lassen, bevor man den Kaufvertrag unterschreibt. Und das werde ich nächste Woche auch so machen.

Ich begreife immer noch nicht so ganz, dass ich nach sechs Jahren Einzimmerapartment jetzt plötzlich wieder Platz für meinen Flügel habe. Und alle Bücher. Und Gäste. Toll!

Morgen werde ich mit dem Rad nach Skelleftehamn fahren, ein paar Fotos vom Haus machen – das Angebot mit allen Fotos ist nämlich ruckzuck aus dem Internet verschwunden, nachdem ich den Zuschlag bekommen habe – und ein kleines Picknick an der Ostsee machen.

Und sonst: Ab heute einmal Schwedischunterricht die Woche um 8:30 vor der Arbeit · Ein langes Wochenende vor mir · Jetzt müde und bald im Bett. Natti, natti!

Frühling

Der Frühling ist da. Das Birken sind grün, das Wasser hoch …

Weil das Wetter so schön war, habe ich mich um acht noch einmal aufs Fahrrad gesetzt und bin zum Fluss gefahren, weil ich neugierig war, wie hoch das Wasser steht. Auf dem Weg dorthin habe ich mich über die Birken gefreut, die innerhalb der letzten drei Tage blassgrüne Blätter bekommen haben. Wunderschön; die Bäume waren auch lange genug kahl!

Der Fluss ist immer noch stark über die Ufer getreten. Während ich anfangs das Fahrrad noch bequem durch die überfluteten Wege schieben konnte, stand das Wasser ein wenig stadtauswärts schon mehr als meterhoch auf den Wegen. Irgendwann habe ich dann mein Fahrrad auf der Böschung durchs Gestrüpp getragen, weil der Wasserspiegel einfach zu hoch war.

Zum Glück haben sich die Befürchtungen, wegen des Hochwassers kein Trinkwasser zu haben, nicht bewahrheitet. Die Schwimmbäder hatten zu und es wird zum Wasser sparen aufgerufen, aber eigentlich geht alles seinen normalen Gang. Da in den Bergen noch genug Schnee zum Wegschmelzen liegt, wird uns das Hochwasser wohl noch ein bisschen erhalten bleiben.

P.S.: Zum letzten Bild: Der Fluss ist hinter den Bäumen. Ich stehe auf Zehenspitzen auf dem Gras des Ufers, der Weg ist vor mir. (Sieht man ja nicht wirklich.)

Am Montag

Was am Montag so passieren kann:

  • Die erste Website von artopod, an der ich beteiligt war, geht online: www.skellefteaflygplats.se.
  • Der Skellefteälven tritt nach Schneeschmelze in den Bergen und Regen im Inland über die Ufer und es kann sein, dass ab Mitternacht kein Leitungswasser mehr da ist.
  • Ich gebe das allererste Gebot für das Haus ab.
  • Ich bekomme vom Migrationsverket die Bestätigung für mein uppehållsrätt, meine Aufenthalts­erlaubnis.
  • Die Birken bekommen ihre Blätter – noch sind sie hellgrün und zerknautscht.
  • Mein Leihfahrrad bekommt einen neuen Mantel für das Hinterrad, der alte war ziemlich durch.
  • Ich habe am Donnerstag einen Termin für meinen Schwedischkurs beim sfi.

Und gearbeitet habe ich auch, also weiterhin keine Langeweile …

Sommerwochenende

Ja – so langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich von dem schönen Wetter schreibe und dann von Kälterekorden in Deutschland lese und höre.

Ich war am Wochenende zu einer Feier nach Båtfors, das liegt etwa 5 Meilen, also ca. 50 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven eingeladen.

Und, was soll ich sagen, es war eine tolle Feier! Und das Wetter hat mehr als mitgespielt. Bei Temperaturen über 20 Grad haben wir mittags Hering, Lachs, Salate, Eier, Dünnbrot und Kartoffeln gegessen. Mit kurzen Hosen und T-Shirt in der Sonne sitzend. Direkt am Fluss. Nur die Eisschollen, die ab und zu vorbeitreiben, erinnern einen daran, dass der Winter hier doch sehr lang war.

Abends wurde es dann leicht kühler, aber da kann man ja ein Feuer im Kamin machen und in die Sauna gehen. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, im Fluss zu baden. Der fühlte sich aber auch direkt nach der Sauna schweinekalt an und dementsprechend schnell war ich wieder draußen. Richtig dunkel wird es nicht mehr und um ein Uhr wurde es schon wieder heller. Die echten Nachtaufnahmen müssen also mindestens bis Ende Juli warten. Und ich habe mich über die dunklen Vorhänge in meinem Gästezimmer  gefreut. Heute ging es in aller Ruhe wieder zurück.

Berg und Tal

Ich komme gerade von einer kleinen Morgenrunde durch den Wald hinter dem Haus zurück. Die Fleecejacke war viel zu warm, ein T-Shirt hätte eigentlich gereicht. Die Sonne scheint und mein Ein-Euro-Thermometer zeigt 18 °C an.

Während in den Senken noch ein bisschen Schnee und Eis vor sich hinschmilzt und man wie auf einem nassen Schwamm läuft – alles schwingt und quatscht, ist auf den Kuppen der Boden herrlich trocken und man hat den Eindruck, jetzt ist der Frühling wirklich da. Nur die Blätter müssen noch an die Laubbäume …