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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Vom August in den September

Vorletzte Nacht war es ja nicht viel, mit dem Polarlicht, und dann kamen die Wolken. Heute war es sternklar und die Vorhersage sagte „Active“, aber am Himmel war nichts zu sehen. Bis so gegen eins, als ich eigentlich viel zu spät ins Bett wollte. Als ich vor die Haustür trat, konnte ich einen blassen grünen Bogen am Nordhimmel erkennen, der langsam heller wurde. Ich bin deswegen doch noch kurz ins Auto gestiegen und ans Meer gefahren und dort war das Polarlicht auch kurze Zeit hell und aktiv, ehe es dann immer größer, aber auch wieder blasser wurde. Eine schöne Art, um vom Sommer-August in den Herbst-September zu kommen.

Polarlicht in der letzten Augustnacht

Auf dem Foto sieht man – besser als in natura – die verschiedenen Farben

Wolken retten meinen Schlaf

01:00. Ein komischer Traum weckt mich. Als ich kurz rausschaue, sehe ich das erste Polarlicht der neuen Saison. Ich mache im Garten ein paar Fotos und überlege kurz, als die Aurora intensiver wird, ob ich zum Fotografieren irgendwo hinfahren sollte, obwohl ein Teil von mir viel lieber wieder ins Bett ginge. Doch da ziehen schon wieder Wolken auf und machen mir die Entscheidung leicht: kurzer Blogartikel, dann Bett.

Erstes Polarlicht

Auf Fotos sieht Polarlicht oft anders aus als in Natura. Vor allem, wenn sich die Bänder und Girlanden bewegen, ist das in Natura zwar wunderschön anzusehen, verschwimmt aber auf den Fotos schnell zu einer grünen Fläche, immerhin belichtet man ja oft 20-30 Sekunden.

Abendliche Bootstour

Heute um fünf habe ich den Rechner im Büro heruntergefahren und damit das Wochenende eingeleitet. Auf dem Weg zum Bus, habe ich an T und J denken müssen, gute Freunde, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Es wäre nett, sie mal wieder zu treffen. Fünf Sekunden später schaue ich auf und die beiden stehen an der anderen Straßenseite vor mir.

Nach einer herzlichen Begrüßung mit Kram – Umarmung – haben sie mich (a) mal zum Bootsfahren eingeladen und (b) erzählt, dass sie heute noch mit dem Boot raus wollen. Aus (a) und (b), dachte ich, folgt doch (c): Warum nicht eine Bootsfahrt heute zusammen machen?

Anderthalb Stunden später waren wir auf dem Nördfjärden. J sah Fische auf dem Echolot und T hat geangelt, wenn auch an diesem Tag ohne Erfolg. Ich habe mich mehr der Landschaft gewidmet und – wie schon heute früh bei der Fahrt ins Büro – die erste Herbstfärbung an einigen Bäumen erkennen können. Der Hochsommer ist vorbei.

Erste Herbstfarben am UferAngeln – heute ohne Erfolg

Dann sind wir flussaufwärts bis Bergsby gefahren, das ist eine geruhsame Fahrt, denn hier gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 Knoten (etwa 9 km/h). Als wir auf der Rückfahrt wieder in breiteren Gefilden waren und dort 20 Knoten gefahren sind, war ich über die Kapuze der eigentlich zu warmen Jacke doch froh, denn bei 10 Grad merkt man den kühlen Wind recht deutlich. Nach einem kleinen Schlenker zur Bootstankstelle sind wir wieder in Ursviken angekommen. Leider habe ich überhaupt nicht daran gedacht, meine Badesachen mitzunehmen, sonst hätte ich es T und J gleich getan und auch gebadet.

Geruhsame FlussfahrtSpätsommerbad im Fluss

So kann ein Wochenende gerne für mich beginnen. Freunde, Boot, schönes Wetter. Ich bin froh, heute noch rausgekommen zu sein, denn am Wochenende werde ich trotz der schönen Wettervorhersage drinnen hocken: Schon am Dienstag war die erste Kammerchorprobe nach der Sommerpause, morgen und übermorgen ist Chorwochenende. Dieses Mal singen wir Brahms, Ein deutsches Requiem, welches genau so unschwedisch ist wie der Rachmaninov letztes Jahr und bestimmt genau so viel Spaß macht zu singen. Am Dienstag haben wir uns schon einmal durch die ersten beiden Chöre geschummelt – Blatt singen der anspruchsvollen Art – und ich freue mich auf die morgige Probe.

Seele baumeln lassen in Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Annika.

Dank meines Jobwechsels und damit verbundener kurzer (und gewollter) Arbeitslosigkeit hatte ich dieses Jahr für den Sommerurlaub sagenhaft sechs Wochen Zeit. Die erste sollte mich nach Skelleftehamn führen. Olaf hatte nach unserem Kennenlernen in Abisko im März ja gesagt, wir dürften ihn besuchen. Ralf hatte leider keinen Urlaub, also fuhr ich allein. Etwas aufgeregt war ich schon wieder, wir hatten uns ja erst einmal gesehen, und da gings zwischen Ralf und Olaf immer viel um Fotografie, wovon ich ja nunmal nix verstehe. Aber dann wurde es doch eine sehr tolle Woche.

Wieder war es merkwürdig, all das zu sehen, was ich aus dem Blog „kannte“ – letztes Mal den Menschen Olaf, jetzt sein Zuhause, das grüne Haus, den weißen Flügel, den Keller, der immer getrocknet wird – nach kurzer Zeit war alles schon so vertraut!

Wir hatten durchgehend Traumwetter, so dass wir jeden Tag draußen sein konnten und auch erste Blaubeeren gefunden haben. 30°C-Sommer mit Meer und Baden, das war bislang nie meine Vorstellung von Urlaub, hier habe ich es so genossen.Von meiner Quasi-Premiere im Kajak hat Olaf ja schon erzählt – ich bin gerne wieder dabei!!!

Steinstrand bei BjuröklubbBlumenfotografieStrand bei GrundskatanGiraffenmuster

Paddeltour auf dem Kågefjärden

Und auch von meinem Abschiedsabend auf der M/S Stormvind gibt es ja schon einen Bericht. Dass es die Menschen waren, die Olaf dazu bringen hier zu bleiben, das konnte ich schon nach einem Abend auf dem Boot verstehen. Und so leckeres Essen gabs :-).

Einen Abend war ich dann noch in Skellefteå zum Tango tanzen am Fluss. Auch das war einfach schön und unkompliziert. Die Tangoskällskap Skellefteå schien ziemlich stolz zu seine, dass ich sie extra via google gesucht hatte, aber es war auch wirklich ein toller Abend, und ich habe jetzt zahlreiche neue Tango-Bekanntschaften in Skellefteå, Umeå und Piteå (und die wichtigste Lektion des Abends an eine Tango-Argentino-Anfängerin wie mich: „Never do travel without your tango shoes!“)

Tango am Skellefteälven

Ansonsten bleiben in meiner Erinnerung:

  • Endlich weiß ich, wie Österreich wirklich ist („The hiiiills are alive with the sound of muuuuusic“)
  • meine ersten beiden Intensiv-Lehrstunden in Musiktheorie am weißen Flügel. Jederzeit mehr davon
  • Ich weiß jetzt, wen alle Klavierlehrer in ihren riesigen Kellern eingesperrt haben („The 5000 fingers of Dr. T“)
  • Auch zu Lupinen habe ich jetzt ein völlig neues Verhältnis („Dennis Moore, Dennis Moore …“)
    und Vielesvielesvieles mehr
LånghällanAuf dem Weg zur Fotostelle

Långhällan

Blick auf den SkellefteälvenKatzenfotografie in KusforsNach meinem Besuch in Skelleftehamn bin ich dann vier Wochen durch Schweden (und auch kurz Norwegen) gereist, bin gewandert, habe noch mehr Menschen kennengelernt und meine Zeit sehr genossen. Anschließend durfte ich noch mal nach Skelleftehamn kommen zum Akkus aufladen, Geburtstag feiern undundund. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Ich danke Dir für die schöne Zeit. Und ich käme gerne wieder, schon allein aus zwei Gründen:
1) Ein Gästezimmer, in dem an drei von vier Wänden Bücher über absolut alles zu finden sind, was einen immer schonmal interessiert hat … . Lesestoff für lange Winter.
2) Olaf. Immer eine Reise wert ;-)

Strand von SorgrundetGästezimmer und Bibliothek

Von der Kunst, einen Arzttermin zu bekommen

Am Mittwoch wachte ich auf und hatte einen Grashüpfer im Ohr. Also keinen echten, sondern ein bisschen das Geräusch, welches durch das Zirpen einer kleinen Heuschrecke entsteht. Zzzrrr – zz zzzrr – Pause – zzzrrr. Das ist ein Symptom, welches einem Musiker nicht gerade gefällt, denn da ist bei den meisten Musikstilen das feine Ohr doch recht wichtig.

Also wollte ich einen Arzttermin machen. Und das ging folgendermaßen:

Zuerst habe ich die Telefonnummer der Zusatzversicherung angerufen, die mein Arbeitgeber Hello Future für uns alle abgeschlossen hat. Da ging auch gleich jemand dran. Ich schildere meine Symptome. Er: Ja, also Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten hätten sie in Skellefteå keinen, mit denen sie zusammenarbeiten würden. Was denn bei mir in der Nähe wäre. Ich: Ich weiß ja nicht, wo sie Spezialisten haben. Er: Ja, das stimmt. Ob ich vielleicht nach Sundsvall kommen könnte.

Sundsvall ist 400 Kilometer von Skelleftehamn entfernt. Von dort aus bin ich schneller in Stockholm als wieder zu Hause.

Ich: Das ist zu weit. Er: Ob ich dann vielleicht erst einmal zu einem allgemeinen Arzt möchte. Ich: Ja, dann das. (Der kennt sich ja vielleicht auch aus). Er: Ja dann machen wir das. Das kostet dann 650 Kronen „självrisk“, also Selbstbeteiligung.

70 Euro für einen Besuch bei einem Arzt, der mit vielleicht gar nicht helfen kann, erscheint mir zu teuer, also lehne ich ab. Dann mache ich lieber einen Termin mit der Vårdcentralen, dem Gesundheitszentrum aus.

Das funktioniert so: Ich rufe ein System an, welches meine Nummer feststellt. Dieses bucht dann einen Termin für den Rückruf eines Mitarbeiters des Gesundheitszentrums, mit dem ich dann einen Termin ausmachen kann. Ich bekomme sozusagen einen Termin für einen Termin. Allein, dieses System sagt mir nur, dass es zur Zeit nichts entgegennehmen könne, ich solle doch später mal probieren. Das sagt es den ganzen Mittwoch.

Ich bin genervt.

Ich rufe direkt die Rezeption der Vårdcentralen an, irgendwann am Nachmittag geht auch jemand dran. Ich gehe davon aus, dass dieses blöde Rückrufystem kaputt ist und ich einfach jetzt einen Termin abmachen kann, denn dafür ist die Rezeption wohl auch da. Weit gefehlt! Termine abmachen darf ich nur über das System und wenn es nicht antwortet, dann ist es für diesen Tag schon voll.

Wir reden wohlgemerkt von der Möglichkeit, ein Gespräch zu bekommen, um in diesem Gespräch einen Termin vereinbaren zu dürfen. Mit einem echten Termin am gleichen Tag habe ich gar nicht gerechnet.

Ich rufe die 1177 an, eine Art Gesundheitsberatung des Landes. Aber auch dort komme ich nicht weiter. Der einzigen Tipp, den ich bekomme: Ich solle das System direkt am nächsten Morgen anrufen, am besten schon einige Minuten vor acht.

In meinem Ohr zirpt es und ich bin sehr genervt.


Donnerstag, 7:56: Ich wähle leicht aufgeregt die Nummer. Meinem Ohr geht es zwar wieder besser, aber ich möchte das auf jeden Fall überprüfen lassen. Und – hurra! – um 8:50 soll ich zurückgerufen werden. Ich tippe noch meine Personennummer ein, um das System glücklich zu machen.

Donnerstag, 8:51: Das Telefon klingelt. Eine Frau von der Vårdcentralen meldet sich. Prima, das hat also geklappt! Ich schildere mein Problem. Sie hat meine Personennummer und weiß deswegen schon, dass ich in Skelleftehamn wohne und auch, welche Straße.

Sie: Ah ja, Tallvägen, da ist […] für Dich zuständig. Ich: (zustimmendes Gemurmel). Sie: Der hat aber diese Woche frei. Danach schweigt sie. Vermutlich wünscht sie sich, dass ich mich entschuldige und auflege. Aber ehrlich gesagt ist es mir pipsegal, wie dort organisiert wird und wer wann für mich wo zuständig ist. Also mache ich es dringend. Ich erzähle zum einen, dass ich Musiker bin, zum anderen, dass ich mir von keinem Arzt in einigen Wochen anhören möchte: „Ja, wärest Du mal früher gekommen!“.

Das letzte Argument zählt. Ich bekomme einen Termin für Freitag, 10 Uhr.


Freitag 9:55. Ich melde mich bei der Rezeption und darf 200 Kronen zahlen, weil ich direkt zum Arzt komme. Normalerweise kommt man erst zu einer Art Gesundheitsbetreuer, der gute allgemeinmedizinische Kenntnisse hat und auch Rezepte ausstellen darf, dann kostet es nur 100 Kronen.

Freitag, 10:02. Ich werde von einer jungen Ärztin aufgerufen und folge Ihr in ein „Hals-Nasen-Ohren“-Zimmer. Sie macht einige Hörtests mit einer Stimmgabel mit mir. Wie man eine Stimmgabel anschlägt, weiß sie nicht. Wie die Tests gehen, googelt sie ganz offen am Computer neben mir. Sie war, so erzählt sie, ein Jahr „mammaledig“, also in Elternzeit und muss erst wieder reinkommen. Aber zumindest misst sie meinen Druck im Ohr und auch ein Hörtest wird gemacht, letzterer mit einem Kasten der aussieht wie ein Experimentierkasten „Der kleine Radiotechniker“ von 1957. Nächste Woche wird sie mich wohl zurückrufen, um zu erzählen, dass sie nichts gefunden hat und ich warten soll, bis es besser wird. Das ist meine Prognose.


Ich gebe hiermit die Empfehlung, in Schweden nur ernsthafte und akute Gesundheitsprobleme zu haben (Vom Elch niedergetrampelt, der Bär hat einen Arm abgebissen …), denn dann darf man die 112 anrufen. Oder – noch besser – werdet in Schweden einfach nicht krank. Bleibt gesund und munter. Und wenn Ihr was habt, dann stellt Euch bitte nicht so an wie ein gewisser deutscher Blogschreiber in Skelleftehamn!

NB: Ich habe bei der gleichen Zusatzversicherung (ganz oben im Text, Ihr erinnert Euch?) auch nach einem Fußexperten gefragt, weil der rechte Fuß manchmal ein bisschen herumzickt. Da hat dann am Nachmittag ein Krankengymnast zurückgerufen und am Freitag morgen hatte ich direkt den ersten Termin. Manches läuft also auch rund.

Blåbär

Heute morgen war ich Heidelbeeren sammeln. Eine hier, eine dort. Ein mühsames Unterfangen. Ich hatte schon gehört, dass es hier dieses Jahr wenig Heidelbeeren gibt, und leider stimmte das. Es waren tatsächlich so wenig Beeren da, dass ich bestimmt 20 Minuten gebraucht habe, bis der Boden meiner Dose halbwegs bedeckt war. Und das ist ja nicht gerade viel. Beim Sammeln ging ich leicht abwärts dem kleinen Waldsee engegen und der Boden wurde etwas feuchter. Und dort wuchsen dann auch mehr Blaubeeren, so dass ich mich auch mal zum Sammeln hinhocken konnte. Das gefiel mir schon besser, zumal jetzt auch ein paar der leckeren Beeren in meinem Magen landeten.

Blåbär – Heidelbeeren

Meine Ausbeute: 680 Gramm Beeren, immerhin ein Anfang.

Mit dem Kajak nach Långhällan

Mit dem Fahrrad war ich schon da, mit dem Auto war ich schon da, im Sommer und im Winter. Auf Skiern war ich schon da und sogar Teile schon zu Fuß. Aber mit dem Kajak bin ich noch nie nach Långhällan gefahren. Heute war der Tag dafür: Schönes ruhiges Wetter und nicht zu heiß. Da ich doch einiges Zeugs brauchte, bin ich mit dem Auto zum Strand gefahren und habe dann das Kajak rückwärts von seinem momentanen Liegeplatz ausgeparkt. Wenig später lasse ich das Festland hinter mir und steuere Själagrundet an, eine Erhebung irgendwo zwischen Insel und Kiesbank.

Rückwärts ausparkenTourstart

Själagrundet gehört den Möwen. Wäre ich dort in der Nistzeit angelandet, wäre das Geschrei vermutlich groß gewesen, aber jetzt sind wohl alle Möwen flügge und die kleine Insel verlassen. Doch deutlich sieht man, wo die Möwen gerne hocken, vor allem mancher großer Felsen ist fast vollständig weiß.

SjälagrundetMöwenfelsen

Bis jetzt bin ich im T-Shirt und mit Schwimmweste gepaddelt. Da zwischen Medgrundet, der nächsten Insel und Snusan, der übernächsten fast zwei Kilometer liegen, ziehe ich jetzt den Trockenanzug an, sicher ist sicher. Bei Medgrundet werden die Wellen ein bisschen höher, sind aber so lang, dass die Fahrt weiterhin ruhig ist. Nun ist mir auch wieder warm, denn T-Shirt war bei 12 °C Frühtemperatur doch ein bisschen wenig und die Sonne hat sich noch nicht groß gezeigt. Große Wolkenfelder werfen ihren Schatten. Zwei, drei Paddelkilometer später lege ich am Südufer von Snusan an.

SchichtwolkenmeerAngelandet

Bestand Själagrundet noch aus einem Haufen runder Steine und Felsen, hat Snusan soliden Felsen zu bieten und am Nordufer bricht sich die Gischt. Hoch ist die Insel nicht, aber als ich auf einen großen Stein klettere, habe ich Ausblick über die flache Insel und auch auf mein nächstes Ziel – die Insel Kågnäshällan mit ihrem weißen Leuchtturm.

Gischt am NorduferFelsinsel Snusan

Blick über Snusan und auf Kågnäshällan, die nächste Insel

Auf Kågnäshällan mache ich Mittagspause und bereue, dass ich vor kurzem wieder aufgehört habe, Süßigkeiten zu essen. Schokolade wäre jetzt toll! Aber Käsebrot und Joghurt machen auch satt. Natürlich muss ich den Leuchtturm fotografieren.

Der Leuchtturm auf KågnäshällanDer Leuchtturm auf Kågnäshällan

Am Horizont schweben halbe Schiffe und gespiegelte Baumwipfel. Auch auf dem Meer gibt es Luftspiegelungen. Wie gut, dass ich mein Tele dabei habe. (Als ich vom Kajak aus den Adler gesehen habe, war das Tele natürlich unerreichbar in einem Packsack in einer Packluke verstaut. Typisch!) Doch genug Pause gemacht, jetzt will ich noch einmal mit dem Kajak am Leuchtturm vorbei und dann das kleine restliche Stück nach Långhällan.

Fata MorganaKågnäshällan vom Boot aus

Ein bisschen aufpassen muss ich, denn hier gibt es viele Untiefen und überall brechen sich die Wellen. Gut, dass sie nicht so hoch sind. Doch Långhällan, welches eine meiner Lieblingsstellen ist, enttäuscht vom Wasser aus. Die Felsen sind keine zwei Meter hoch und nur halbherzig mache ich ein Beweisfoto. Da faszinieren mich die unterschiedlichen Farben des Meeres wesentlich mehr. Jetzt ist das Meer richtig zweigeteilt: Links strahlend blau und rechts diesig grau.

Blick auf LånghällanZweigeteilte See

Nun bin ich auf dem Rückweg. Der wird eine Ecke länger sein, denn ich will nicht wie beim Hinweg quer übers Meer von Insel zu Insel paddeln, sondern gemütlich an der Küste zurück. Schnell kommt das Fischerdorf Kågnäsudden, deren Häuser nur im Sommer als Freizeithäuser genutzt werden, in Sicht. Ich werde ein bisschen fotofaul. Meine Rücken- und Schultermuskeln sind ein bisschen beleidigt, sie haben sonst so selten etwas zu tun und kennen es noch nicht, dass ich auch mal eine etwas längere Paddeltour mache. Erst bekomme ich einen kleinen Schreck: noch 16 Kilometer nach Hause! Aber mir fällt schnell ein, dass meine Karte 1:50000 und nicht 1:100000 als Maßstab hat. Trotzdem kürze ich an manchen Stellen ab, man muss nicht in jede Bucht hineinfahren. Trotzdem dauert es ein bisschen, bis ich die Insel Björkskär erreiche.

KågnäsuddenBjörkskär voraus

Von dort aus sind es noch etwa drei Kilometer bis zum Startpunkt. Etwa sieben Stunden nach dem Aufbruch bin ich wieder an Land und wenig später zu Hause. Ein guter Tag.

Frohes neues Jahr

Frohes neues Jahr hat mir mein Saab heute gewünscht.

Neujahr?

Erster Januar – wie schnell doch die Zeit vergeht. Und dann 22 °C Außentemperatur, mitten im Winter. Wo ist der Spätsommer geblieben, der Herbst, Weihnachten und Silvester?

Vielleicht hat mein Auto aber auch einfach nur Geburtstag. Schöne Geschenke hat es immerhin bekommen: Erst ein Laufrad für den Antriebsriemen („Löphjul drivrem“) und dann noch eine neue Lichtmaschine („Generator“). Normalerweise bekommt mein Auto keine Geschenke, aber da es seit der Lofotenreise permanent am Heulen war, tat es mir leid und ich habe es gestern in die Werkstadt gebracht. Mir hätte der Austausch des Laufrades rein finanziell gesehen gereicht, doch der hat, obwohl das Laufrad auch durch war, leider das Problem nicht behoben. Also wurde heute noch die Lichtmaschine gewechselt, was wohl relativ aufwändig war.

Ich vermute, dass mein Auto nach dieser großen Operation einfach noch etwas verwirrt war, so mancher Patient weiß ja nicht gleich, wo er ist oder welches Datum es ist, wenn er aus der Narkose wieder aufwacht.

Nun versuche ich ganz schnell zu vergessen, was mich das Ganze gekostet hat und dann erzähle ich meinem Saab, dass wir heute den 13. August haben. Neujahr kommt später.

Hund, Katze, Vogel, Krebs

Letzte Woche hatte ich noch einmal Besuch von Annika, die schon einige Wochen zuvor hier war. Unter der Woche musste ich leider arbeiten, aber am Wochenende waren wir zusammen in Kusfors, um dort den Geburtstag von Lasse – einem meiner besten Freunde hier – zu feiern. Da wir am Freitag hinein gefeiert haben, aber auch am Samstag Abend Gäste da waren, kamen wir in den Genuss von gleich zwei Geburtstagsfeiern.

Am Freitag wurde es erwartungsgemäß ziemlich spät, daher wurde aus dem gemeinsamen Frühstück eher ein Brunch. Dabei haben Lasse und wir einige Pläne für seinen Geburtstagstag gemacht und den Rest des Tages dann damit verbracht, die Pläne zu ignorieren. Sehr entspannend!

Erst haben wir kurz bei Flarken vorbei geschaut, einem Hof unweit von Kusfors. Diesen Hof haben Daphne und Fabien, die ebenfalls aus Frankreich stammen, vor zwei Jahren gekauft, um hier Hundeschlittentouren und mehr anzubieten. Die Aufregung war groß bei den 40 Huskys. Gäste, da kann man auch schon mal ein bisschen heulen! Und wie die meisten Huskys waren auch diese hier echte Schmusebacken, die sich wohl stundenlang hätten streicheln lassen können.

Einer der auf Flarken lebenden HuskysSehr lieb und verschmust

Auf Flarken steht auch ein Achtung-Warnschild. Es warnt allerdings nicht vor den Hunden, sondern vor Mücken mit großen, scharfen Zähnen!

Achtung Mücke!

Wieder in Kusfors zeigte Bacchus, der Kater Zähne. An diesem Tag hat er eine Ratte (oder ein ähnlich großes Nagetier) und eine Maus erlegt und ratzeputz aufgefressen. Er hat auch versucht, Vögel zu fangen, aber dafür waren die Vögel zu schnell, auch wenn es einige Male ziemlich knapp war. Aber Bacchus kann auch faul sein, genau so wie manchmal ich …

Bacchus als JägerFaul mit Kater (Foto: Annika Kramer)

Das freut die Vögel bestimmt, denn hier gibt es gutes Futter und die kleinen Piepmätze sind so zutraulich, dass auch ich mich an sie nah heran robben kann, ehe sie dann doch ein Stückchen weg flattern. Der Vogelsenior war allerdings sehr müde und hatte die Augen meistens geschlossen. Ihn fand Bacchus zum Glück völlig uninteressant.

Ein munterer Grünfink (oder?)Ein sehr müder Vogelsenior

Wir wollten zu einem Badesee, haben aber an einem anderen See angehalten, da dort Freunde grillten. Dort haben wir ebenfalls gegrillt und einige von uns auch gebadet. Schwimmen war toll, beim Stehen steckte man allerdings tief im moorigen Seeboden.

MoorseeSteg am Moorsee

Zu Hause sind wir zu dritt in den Wald gegangen, um Heidelbeeren zu sammeln. Wir haben aber fast keine gefunden. Ich hatte schon gehört, dass es wegen der Trockenheit wenige Blaubeeren gibt dieses Jahr, aber vielleicht waren auch einfach die gewerblichen Beerenpflücker schon da. Nun, da kann man nichts machen, dachte ich und legte mich faul auf das Gras.

„Faul sein ist wunderschön“

Am Abend kamen ja noch andere Gäste und die haben Krebse mitgebracht. Das Krebsessen im August ist ein schwedischer Brauch, der meistens von lustigen Papierhütchen und nicht unwesentlichen Mengen Schnaps begleitet ist. Schnaps gab es nicht und Partyhütchen ebenso wenig. Ehrlich gesagt hätten von mir aus sogar die Krebse fehlen dürfen, die ich nun zum ersten Mal gegessen habe. Was für ein Aufwand, um an ein paar Gramm Fleisch zu kommen und auch auf das Aussaugen kann ich verzichten. Mit sind Garnelen lieber, denn sie sind leichter zu pulen und schmecken mir auch besser. Als ich von all den anderen leckeren Dingen satt war, habe ich mir lieber den fast vollen Mond angeschaut, der warm leuchtend zwischen den Bäumen aufging.

KrebseFast Vollmond

An diesem Wochenende habe ich mir übrigens das erste Mal seit drei Wochen wieder etwas über das T-Shirt gezogen, weil es mir sonst ein bisschen frisch war. Die heißen Hochsommertage sind wohl vorbei und dunkel wird es auch wieder. Es darf gerne noch warm bleiben, aber ich freue mich schon aufs erste Polarlicht.

zu langsam

Zwei Mal zu langsam innerhalb weniger Tage, das finde ich schon ein wenig ärgerlich. Das erste Mal am Donnerstag nachmittag, als hier ein kräftiges Gewitter durchzog. Ein herrlicher Regenbogen wölbte sich vor den immer noch dunkelgrauen Wolken. Ich mag Regenbögen, aber da mir Regenbogen über Wohnstraße ein bisschen langweilig erschien, bin ich schnell zur Lotsenstation zu fahren, um dort ein schöneres Bild zu machen. Aber ich schaffte es lediglich noch, ein Bild von einem Stück Regenbogen zu machen, ehe er sich bald darauf ganz auflöste. Die tiefen Gewitterwolken zogen einfach zu schnell.

Ein Stück vom Regenbogen

Das zweite Mal war gestern. Da war „Broarna runt“, eine Kulturveranstaltung in den Dörfern Kusfors, Gumboda, Petiknäs och Rengård. In Rengård war ein Auftritt von Clara Gustavsson alias „Curly Lou“ unter freiem Himmel und dort sah ich, als ich mich einmal kurz umschaute, die Nebensonne meines Lebens. Nicht nur ein kleines Stück Farbspektrum, das sieht man ja immer mal, sondern einen gleißend hellen Fleck, wenig dunkler als die Sonne selbst. Ich stand praktischerweise hinten und konnte daher unbemerkt zum Auto joggen, um die Kamera zu holen. Doch kaum hatte ich die Kamera in der Hand, noch über Belichtungskorrekturen nachdenkend, da war der strahlende Fleck auch wieder verschwunden. Die hohen Eiswolken zogen einfach zu schnell.

Verblassende Nebensonnen

Vielleicht sollte ich mich in Zukunft mehr unbelebten Objekten widmen, wie zum Beispiel Bergen, die sich im allgemeinen ja recht langsam bewegen. Aber auch dort kann das Licht entscheidend sein und den Unterschied zwischen einem netten und einem guten Foto ausmachen.